Interview Autor Marco Theiss im Interview zu seinem neuen Thriller

Worum geht es in deinem Buch Die beste Freundin?

Es geht um Nico, dessen beste Freundin Laura vor zehn Jahren spurlos verschwunden ist und die ihn plötzlich mitten in der Nacht anruft und ihn verzweifelt bittet, sie zu finden. Also macht sich Nico, dieser ganz normale Durchschnittstyp, der nie Soldat, Detektiv oder Polizist war, sondern immer nur ein guter Freund, auf eine Suche, während der seine heile Welt Stück für Stück zusammenbricht.

 

Was ist für das Schaffen einer düsteren Atmosphäre wie in deinem Roman am wichtigsten?

Gut funktionierende Albträume. Ich mache meiner Frau immer wieder Vorwürfe, wenn sie mich mitten in der Nacht aufweckt, weil ich mich panisch wimmernd neben ihr hin und her wälze :-)

Ansonsten kann ich gar nicht wirklich festmachen, was für das Schaffen einer düsteren Atmosphäre am wichtigsten ist. Nur dass es für mich immens wichtig ist, diese düstere Atmosphäre in meinen Romanen zu haben. Ich schreibe vor allem Horror und Thriller und es war mir nie genug, die Seiten einfach blutrot zu füllen, bis die abgeschnittenen Gliedmaßen unten aus dem Buch herausfallen, wenn man es vom Tisch hochhebt. Ich grusele mich gern und dieses Gefühl will ich auch beim Leser erzeugen. Ich will, dass er in eine Welt eintaucht, die sich nach und nach verfinstert. Möchte ihn mit auf eine Reise in Abgründe nehmen, an die er später zurückdenkt … oder vielleicht spät in der Nacht von seinem/ihrem Partner aus erlesenen Albträumen geweckt wird.

 

Wie würdest du Nico beschreiben?

Die Menschen, die mich schon mein Leben lang kennen, würden wohl sagen: „Nico ist so wie du, Marco!“ und tatsächlich kann ich das nicht ganz verneinen, da der Roman stark von eigenen Erlebnissen inspiriert wurde. Man könnte Nico also beschreiben als klug, sympathisch, unfassbar gutaussehend, gewitzt, liebenswert … aber nein, mal im Ernst: Nico ist ein Jedermann, der sich einer Situation gegenübersieht, in der er über sich selbst hinauswachsen muss. Vor allem aber ist er ein Mensch, der den Wert wahrer Freundschaft kennt und bereit ist, für seine beste Freundin durch die Hölle zu gehen.

 

Warst du selbst schon einmal in New Orleans? Warum hast du diesen Schauplatz gewählt?

Ich habe lange davon geträumt, nach New Orleans zu reisen. Die Reise-Route meiner ersten beiden Road-Trips durch die USA gab es aber nie her. Erst 2019 sollte es endlich klappen und selbst da wollte mir das Schicksal einen Strich durch die Rechnung machen, denn während meine Frau und ich uns von Norden aus den Mississippi entlang näherten, näherte sich Hurricane Barry von Süden über den Golf von Mexiko mit gleichem Ziel. Diesmal wollte ich mich aber nicht so leicht geschlagen geben, also umfuhren wir den Sturm und saßen ihn in dessen Ausläufern an der Küste von Alabama aus, mit der Sorge, anschließend in ein zerstörtes New Orleans wie 2005 nach Katrina einzufahren. Zu unserer Erleichterung war dem nicht so. Während meine Frau und ich sogar am Rand des Sturms schockiert von dessen Ausmaß waren, sahen die Einwohner von New Orleans das Ganze eher mit gelassenem Schulterzucken. The Big Easy eben. Sie hätten diesen Barry eigentlich kaum richtig kennengelernt, erklärte uns der Hotelbesitzer bei unserer Ankunft schulterzuckend. Dafür habe ich die Stadt in den folgenden Tagen kennen und lieben gelernt. Sie ist etwas schmuddelig, riecht hier und da nicht ganz frisch und hat Ratten, so groß wie Hauskatzen, aber es war Liebe auf den ersten Blick. Mit ihrer Liebe für den Karneval (Mardi Gras), der bunten Vielfalt ihrer Einwohner und der großen und akzeptierten homosexuellen Community hat sie mich sofort an meine Heimat Köln erinnert … nur mit wesentlich besserer Musik, phänomenalem Essen und diesem unheimlichen Voodoo-Touch. Seitdem waren wir ein zweites Mal und ich freue mich darauf, sie dieses Jahr (während dieses Buch erscheint) ein drittes Mal zu besuchen.

 

Wie sieht dein Schreiballtag aus?

Über ein Jahrzehnt hinweg war mein Schreiballtag vor allem eine Schreiballnacht. Tagsüber habe ich in verschiedenen Jobs bei Film und Fernsehen gearbeitet und nachts habe ich Drehbücher für Independent-Produktionen in den Genres Horror und Action sowie meine ersten beiden Romane geschrieben. In dieser Zeit habe ich mit drei oder vier Stunden Schlaf täglich gelebt und auch wenn es eine tolle Zeit war, haben Körper und Geist leider Grenzen, auf die man besser achten sollte, als ich es getan habe. Tatsächlich war es letztlich die Corona-Pandemie, die mir eine Zwangsauszeit verschafft hat, in der ich mein Lebens- und Arbeitskonzept neu ordnen musste und gleichzeitig durfte. Seitdem versuche ich tagsüber zu schreiben und mich an geregelte „Arbeitszeiten“ zu halten. Wenn einem die Arbeit so viel Spaß macht, dass man sie gar nicht als solche wahrnimmt, ist das alles manchmal gar nicht so einfach. Aber man hat ja immer noch den ein oder anderen Joker in der Tasche.

„Ich bin Künstler!“ = Ich kann Tag und Nacht durcharbeiten!

„Ich bin Schriftsteller!“ = Mich zu betrinken gehört zum Job!

 

Warum wolltest du Autor werden?

Weil sich zu betrinken zum Job gehört ;-)

Eigentlich wollte ich Regisseur werden und auch an diesem Traum arbeite ich fleißig. Vor zwei Jahren habe ich meinen ersten Spielfilm als Regisseur gedreht und hoffe, dass er dieses Jahr noch seine Premiere feiern wird. Indirekt hat mich dieser Traum aber auch zum Schreiben gebracht. Anfangs Drehbücher für eigene Kurzfilme, später dann die ersten Drehbücher für Spielfilme anderer Regisseure. Als ich mit „Ultimate Justice“ den ersten Actionfilm geschrieben habe, der mit Hollywood-Stars verfilmt wurde, hatte ich das Gefühl „Wow, hier tut sich gerade tatsächlich was!“. Und dann: Corona! Alle nachfolgenden Filmprojekte wurden erstmal auf Eis gelegt und ich hatte gerade meinen Daytime-Job verloren. In der Anfangszeit hat einen ja gefühlt noch jeder Gang vor die Haustür fast getötet und ich hatte Sorgen, dass wir uns nie wieder in Gruppen in einem Kino versammeln oder (da für einen Filmdreh auch ein großes, eng zusammenarbeitendes Team nötig ist) Filme drehen können würden. Also würde den Menschen irgendwann nichts anderes übrigbleiben, als zu lesen und so stellte ich die Filmträume erstmal hinten an und versuchte mich an Romanen. Was soll ich sagen: Es hat besser funktioniert und mehr Spaß gemacht, als ich mir zu träumen gewagt hätte, und auch wenn der große Traum mich weiterhin nach Hollywood ruft, werde ich das Schreiben wohl auch nicht mehr los.

 

Wie schaffst du es abzuschalten, nachdem du in eine besonders düstere Szene eingetaucht bist?

Gar nicht. Ich lebe mein Leben in dunklen Szenen. Zumindest mein Autorenleben. Aber die Trennlinie zwischen den Welten in meinem Kopf und der Realität ist da zum Glück tatsächlich sehr scharf gezogen. Aber vielleicht fühle ich mich auch einfach wohl genug in meinen düsteren, unheimlichen Welten, um es zu genießen, den ein oder anderen finsteren Gedanken noch länger mit mir herumzutragen.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich manchmal Figuren oder Situationen, an denen man zu knabbern hat. In einem meiner Werke gibt es eine Szene, bei der ich mich beim Schreiben extrem unwohl gefühlt habe, genau wie jedes Mal, wenn ich sie lese. Gleichzeitig ist es wohl eine der besten Seiten, die ich je geschrieben habe und das zeigt mir, dass ich mich mit einem gewagten Thema ernsthaft genug auseinandergesetzt habe.