Kapitel 1
Die Reifen quietschten auf dem feuchten Asphalt.
Ihre Augenlider zuckten unkontrolliert, als ihr Blick wieder in den Rückspiegel sprang. Noch immer keine Spur ihrer Verfolger.
Sie atmete stoßartig aus und konzentrierte sich wieder auf die kurvige Landstraße vor ihr und die ausgewaschenen Straßenmarkierungen, die schemenhaft an ihr vorbeihuschten. Es dämmerte bereits und die Landschaft rechts und links der Straße war in einen Schleier aus Grautönen gehüllt.
Das Display ihres Handys flackerte auf dem Beifahrersitz. Sie griff danach und las die eingehende SMS von Evgeni Papin:
Du bist zu spät.
Eisige Kälte füllte ihren Kopf. Er war weg; Evgeni würde nicht mehr da sein, an der russischen Grenze. Er würde ihr nicht mehr helfen, die Beweise nicht übernehmen und publizieren können.
Mit dem Handballen schlug sie sich ans Ohr; das monotone Piepen wurde immer lauter. Sie musste sich beruhigen. Mit der linken Hand kurbelte sie das Fenster ein Stück herunter. Die einströmende Luft war feucht und kühl und roch nach Morast.
Sie strich sich mit den Fingerkuppen über die müden Augen. Die Sonne würde bald aufgehen.
Durch das Fenster konnte sie zu ihrer linken einen Fluss, den Vaggatem, sehen. Nebel stieg über dem Wasser auf. Auf der anderen Uferseite lag Russland.
Nie wieder!
Sie dachte an Irina und spürte einen Stich in ihrer Brust. Mit dem Ärmel wischte sie sich eine Träne aus dem Gesicht.
Bald würde sie ihr Auto stehen lassen, um durch den Wald gen Westen nach Finnland zu gelangen. Im Lichtkegel ihrer Scheinwerfer tauchte ein Schild auf und gleich dahinter duckten sich ein paar Holzhäuser in die schroffe Landschaft.
Ist es hier?
Sie musste versuchen, so dicht wie möglich mit dem Auto an die finnische Grenze zu kommen. Jetzt ging es nur noch um Flucht, ums Überleben. Die Straße beschrieb nun eine langgezogene, ansteigende Kurve, auf die eine schnurgerade Strecke folgte. An deren Ende, um die vierhundert Meter vor ihr, hob sich vor der graugrünen Silhouette der Bäume deutlich ein Objekt ab.
Sofort begann ihr Herz zu rasen.
Das sind sie.
Das dunkle Objekt war eindeutig ein Geländewagen, der quer auf der Fahrbahn stand. Nichts, was zufällig und mitten in der Nacht hierhin gehörte.
Sie bremste abrupt ab und das Fiepen in ihren Ohren wurde nochmals eine Oktave höher.
Aber konnten das wirklich ihre Verfolger sein? Es war unmöglich, sie mussten doch hinter ihr sein.
Ihr Wagen war nun vollkommen zum Stillstand gekommen. Sie schaltete die Scheinwerfer aus und sofort legte sich eine schwammige Dunkelheit über die Straße vor ihr.
Der andere Wagen bewegte sich ebenfalls nicht. Vielleicht hatte man sie noch nicht bemerkt?
Ihr Blick scannte die Straße vor sich und zu ihrer Rechten; in fünfzig Metern Entfernung konnte sie einen Kiesweg ausmachen, der nach Westen von der Straße abging, in Richtung Finnland. Das war gut genug. Sie gab Vollgas. Aufs Neue heulte der Motor auf und mit quietschenden Reifen fuhr sie an. Die wenigen Sekunden, in denen sie sich weiter auf ihre Verfolger zu bewegte, erschienen ihr wie eine Ewigkeit und sie atmete hektisch ein und wieder aus. Dann bog sie in den Feldweg ab.
Sie fuhr so schnell, wie ihr Mut es zuließ. Der Untergrund war uneben und sandig und einige Male wäre sie beinahe vom Weg abgekommen. Zu beiden Seiten sah sie in einen lichten Wald aus Birken und Kiefern. Dazwischen konnte sie immer wieder eiszeitliche Felsbrocken, Wasserlöcher und größere Moraste erkennen. Sie fuhr weiter, sie musste eine geeignete Stelle finden, durfte nicht panisch drauflos ins Moor rennen.
Immer wieder sah sie in den Rückspiegel. Die vage Hoffnung, dass ihre Verfolger sie nicht hatten abbiegen sehen, wurde enttäuscht. Schon bald bemerkte sie in einiger Entfernung den schwarzen Geländewagen, der erstaunlich schnell näherkam.
Angst stieg in ihr auf und sie musste sich eingestehen, dass das Fahrzeug der Verfolger besser für dieses Terrain geeignet war und sie bald eingeholt haben würde.
Und dann?
Sie zwang sich nachzudenken. Finnland konnte nun nicht weiter als ein oder zwei Kilometer im Westen liegen. Sie nahm den Fuß vom Gas und blinzelte wieder in das Gelände zu ihrer Linken. Der Untergrund schien halbwegs trocken zu sein.
Sie trat hart auf die Bremse und der Wagen kam quer auf der sandigen Fahrbahn zum Stehen. Eine trockene Staubwolke rollte etwas verspätet über sie hinweg. Sie schnallte sich hektisch ab und verließ ihr Fahrzeug. Sofort atmete sie den feinkörnigen Staub ein und begann zu husten.
Der USB-Stick!
Sie rannte um den Wagen herum zur Beifahrertür. Sie musste den Stick mitnehmen, damit die Mistkerle ihn nicht fanden. Sie riss die Tür auf, lehnte sich in den Innenraum, kramte in der Mittelkonsole und fand ihn. Sie steckte den Stick in die Hosentasche und warf einen Blick über das Autodach. Der Geländewagen war nur noch ein paar hundert Meter entfernt, Staub stob hinter ihm in den grauen Himmel. Das Sausen in ihren Ohren war allgegenwärtig, ansonsten schien es völlig still in dem Tal zu sein.
Sie rannte los, quer durch eine Gruppe verwachsener Kiefern. Ein Zweig riss ihr die Brille aus dem Gesicht und sie fluchte, fasste sich mit der Hand an die Wange und konnte lauwarmes Blut ertasten.
Sie rannte weiter und hatte bald ein paar hundert Meter in dem sumpfigen Grenzgebiet zurückgelegt. Trotz des Adrenalins, das ihren Körper durchflutete, wurde sie langsam müde. Im Laufen sah sie sich immer öfter um und plötzlich bemerkte sie hinter sich einen Lichtblitz. Sie hielt inne und starrte, keuchte. Es war nun nahezu taghell und sie konnte eindeutig ein gelegentliches Aufblitzen auf einer Erhöhung unweit des Weges ausmachen. Ihre Schläfen pochten vor Anstrengung und das verdammte Ohrensausen machte sie benommen. Sie kniete sich neben einen Felsen und beobachtete. Es dauerte einen Augenblick, doch dann konnte sie an der Böschung ein paar hundert Meter hinter sich zwei Gestalten ausmachen, die an einem Felsen lehnten. Wieder blitzte ein Lichtschein zu ihr herüber. Sie schienen sie durch ein Fernglas zu beobachten.
Weiter, sie musste weiter.
Der Untergrund wurde feuchter und ihre Füße hinterließen bald schmatzende Laute bei jedem Schritt. Hastig musterte sie die Umgebung. Sie sollte versuchen, um dieses Feuchtgebiet herum zu laufen. Sie passte ihren Kurs dem Gelände an so gut es ging und steuerte auf eine Gruppe Birken zu, die etwas erhöht wuchsen.
Mit einem Mal konnte sie vor sich ein Licht aufblinken sehen. Sofort war es wieder verschwunden. Es musste sich auf der finnischen Seite befinden.
Sie blieb kurz stehen, legte ihre Hände auf die Knie und hechelte nach Luft. Ihre Lunge schien zu explodieren, jeder Muskel in ihrem Körper war übersäuert und schmerzte. Sie war zweifellos dem Ende ihrer Leistungsfähigkeit nahe.
Da war wieder der Lichtschein, vor ihr, das musste die Taschenlampe einer finnischen Grenzpatrouille sein. Sie tastete mit der rechten Hand nach dem USB-Stick in ihrer Tasche. Er war noch da und sie erwog, nach Hilfe zu rufen; doch die Finnen waren noch zu weit entfernt, um sie zu hören, und sie würde so nur ihre Verfolger auf sich aufmerksam machen. Also schloss sie die Augen, sammelte ihre letzten Kraftreserven und lief weiter. Weiter auf das Licht zu, ihren persönlichen Nordstern.
Urplötzlich vernahm sie ein Zischen in der Luft. Dann ertönte ein ohrenbetäubender Knall, dessen Echo mehrmals von den umliegenden Hügeln zu ihr zurück hallte. Sie blieb regungslos stehen, ihr Gehirn schien die Informationen nur zögerlich zu verarbeiten.
Das war ein Schuss gewesen. Sie hatten tatsächlich auf sie geschossen.
Mein Gott, jetzt passiert es wirklich. Papin hatte recht.
Plötzlich konnte sie wieder den Lichtschein in einiger Entfernung sehen. Verschwommen zwar, durch den Schweiß, der ihr in die Augen lief, doch er war da. Die Finnen mussten den Schuss ebenfalls gehört haben, denn das Licht schien sich nun auf sie zu zubewegen, schwankend, als ob der Träger der Lampe laufen würde.
Zuversicht riss sie aus der Starre. Sie lief weiter, sprang über eine umgestürzte Birke, ihr Blick auf das winzige Licht fixiert. Als sie auf der anderen Seite landete, knickte sie um, ihre Beine waren wie aus Gummi.
Sie schrie aus voller Kehle auf. Ihr Knöchel schmerzte fürchterlich und der rechte Fuß stand in einem unnatürlichen Winkel ab. Sie musste sich etwas gebrochen haben. Ihr Gesicht war vor Schmerz und Erschöpfung zu einer Grimasse verzerrt.
Doch sie würde nicht aufgeben.
Aber was, wenn sie es nicht schaffte? Ihr Blick fiel auf eine abgestorbene Tanne. In einem Astloch konnte sie lose Zweige eines Vogelnests erkennen. Perfekt. Sie schob den Stick in die Ritze. So bestand immerhin die Chance, dass jemand die Daten fand, falls ihre Briefe an die beiden Kollegen nicht ankommen sollten.
Dann biss sie die Zähne zusammen und raffte sich auf, um vorwärts zu humpeln. Geradeaus auf das Licht zu.
Im Osten ging langsam die blutrote Sonne auf und eine Amsel sang ihr einsames Lied.
Erneut ertönte ein Knall. Der Schuss kam hart wie ein Faustschlag.
Kapitel 2
Kommissar Karl Sortland schreckte auf. Sein Mobiltelefon hatte zu vibrieren begonnen. Er fluchte; während der taghellen Sommernächte hatte er ohnehin Schwierigkeiten einzuschlafen, und gerade wäre es ihm beinahe gelungen.
Karl öffnete die Augen, sah sich in dem trüben Licht um und ertastete mit einer suchenden Handbewegung das Telefon.
Es war Mats. Karl nahm ab und bellte ein „Ja, was ist denn“ in das Handy. Etwas zu mürrisch, wie ihm sofort auffiel.
Sein Kollege antwortete geduldig und sachlich, als ob er den groben Ton nicht bemerkt hätte. „Karl, guten Morgen. Tut mir leid, dich zu wecken. Aber wir haben zu tun.“
Karl sah auf den Radiowecker, der in dunkelroten Ziffern 2:29 anzeigte. Er seufzte. „Kannst du nicht Mikkel oder deine Schwester mitnehmen? Mir geht es nicht besonders.“ Er gähnte, während er auf eine Antwort wartete.
Der Kollege atmete langsam aus und sein Ton klang nun vorwurfsvoll, als er fortfuhr. „Karl, es geht um eine Leiche. Und Aino hat uns den Fall zugeteilt, nicht Mikkel und Elin. Wir sind eh dran, das weißt du doch. Also zieh dich an, ich bin in zehn Minuten bei dir.“
„Dann habe ich wohl keine andere Wahl,“ antwortete Karl, und ohne etwas Weiteres zu sagen, legte er auf. Er setzte sich auf die Bettkante und gab ein unzufriedenes Stöhnen von sich. Nach einer Weile stand er schließlich auf und sah durch das Schlafzimmerfenster, durch das er auf Kirkenes blicken konnte. Der Ort lag vollkommen still in der Mitternachtssonne.
***
Mats wohnte außerhalb von Kirkenes, in einem Örtchen namens Hesseng, während Karl zentral, auf Prestøya, ein Haus bewohnte. Karl schätzte, dass Mats mindestens zwanzig Minuten zu ihm in den Doktor Palmstrøms Vei brauchen würde. Zehn Minuten hatte er gesagt, das würde er aber niemals schaffen. Sein Partner war ein Zeitoptimist und genau genommen immer zu spät dran. Karl zog sich eine Jeans und einen Pullover über, Kleidung, die er erst vor etwas über zwei Stunden sorgsam auf einem Sessel abgelegt hatte. Sein Hals war trocken und schmerzte und er hatte Sodbrennen. Er ging nach unten, stand mit einem Glas Wasser in der Hand einen Moment unbewegt in der halbdunklen Küche und sah erneut aus dem Fenster. Doch diesmal sah er nicht nach Kirkenes hinüber; er musterte sein Gesicht, das sich in der Scheibe spiegelte. Ein müde dreinblickender Mann mit lockigen schwarzen Haaren und einer zu großen Nase starrte verbissen zurück.
Karl runzelte die Stirn und fragte sich, warum er in letzter Zeit so aufgewühlt war. Er konnte sich nicht entsinnen, dass etwas Spezielles vorgefallen war, das seine Gemütsschwankungen hervorgerufen haben könnte. Auch hatte er in der letzten Zeit wieder häufiger zu viel Alkohol getrunken. Er hatte wieder eine Flasche Vodka im Gefrierschrank liegen und es fiel ihm immer schwerer, nach ein paar Drinks aufzuhören. Es war eine brennende Lust, die er kaum zu unterdrücken schaffte. Wie ein Waldbrand, den man irgendwann nur noch kontrollieren, nicht mehr löschen konnte. Und er hatte Angst, dass er die Kontrolle verlieren könnte. So wie damals.
Karl versuchte krampfhaft, seinem Spiegelbild zuzulächeln, schloss dann die Augen und atmete tief ein, um die Anspannung abzulegen. Schließlich stellte er das Wasserglas auf der Spüle ab und ging mit festen Schritten durch den Korridor zum Eingang. Draußen angekommen stand er einen Moment still vor dem gelben Holzhaus und hätte im Stehen einschlafen können. Karl öffnete seine Snusdose und schob den Tabakbeutel unter die Oberlippe. Dann ging er ein paar Schritte und bemerkte, dass in dem Nachbarhaus Licht brannte. Hatte Flora, die alte, demente Samin vergessen, es auszuschalten? Oder war sie noch wach?
Karl löste seinen Blick von dem erleuchteten Küchenfenster nebenan und sah die Straße hinab, hinüber zum Festland, auf dem sich die Innenstadt an den Fjord schmiegte. Dort konnte er das Blaulicht des Polizeiautos sehen. Wie eine Diskokugel leuchtete es zwischen den Häuserschluchten in den Himmel empor. Ein schneller Blick auf seine Armbanduhr; es waren achtzehn Minuten seit ihrem Telefonat vergangen.
***
„Guten Morgen“, sagte der strohblonde Mann auf dem Fahrersitz. Mats schien wie immer bester Laune zu sein, das Radio war eingeschaltet und spielte irgendwelche Rockmusik.
Karl schüttelte den Kopf und blickte seinen Partner mit einem säuerlichen Ausdruck auf dem Gesicht an. „Ja, was für ein phänomenaler Morgen“, sagte er und schnallte sich an. „Was ist denn überhaupt passiert?“
Mats hatte den Wagen gedreht und sie schossen bereits in Richtung Innenstadt, als er dem Kollegen antwortete: „Eine tote Frau. Direkt an der Grenze, bei Øvre Pasvik. Auf unserer Seite. Die Finnen haben sie gefunden und uns benachrichtigt.“
Karl verzog den Mund und schwieg. Sicher handelte es sich um Menschenhandel, illegale Einwanderung oder Drogen. Die arme Frau war irgendwie in einer dieser Zwickmühlen gelandet. So was kam an der Grenze ab und zu vor, obwohl der Schmuggel mit Rauschmitteln stark abgenommen hatte, seit die Polizei in Kirkenes im vorletzten Jahr eine Drogen-Epidemie beendet hatte. Karl fuhr sich durch das Haar. „Vielleicht sollten wir Mikkel anrufen? Er könnte doch mit Elin dazukommen. Eine Leiche, das haben wir ja auch nicht täglich bei uns. Wäre doch super für Elin, das mal zu sehen.“
Elin, Mats’ Schwester, war erst seit Kurzem bei der Polizei in Kirkenes und bildete mit Mikkel ein Ermittlungsteam.
Mats schüttelte den Kopf. „Mikkel ist auf Spitzbergen, besucht seine Mutter.“
Karl sah den Partner vorsichtig an. „Und Elin?“ Er mochte Mats’ Schwester, sehr sogar. Sie war seinem Partner sehr ähnlich, hatte eine positive Ausstrahlung, war genauso gutmütig wie ihr Bruder und dazu außerordentlich anziehend. Trotz ihrer Freundlichkeit und des jungen Alters war Elin tough und bestimmt und ließ sich von niemandem auf der Nase herumtanzen. Auch nicht von Karl, wenn er einen schlechten Tag gehabt hatte. Das war vielleicht der Grund, warum er in ihrer Gegenwart etwas verlegen war.
„Ruf sie an, wenn du willst“, sagte Mats. „Aber ich denke, sie wird jetzt nach der Extraschicht auf Streife nur noch ins Bett wollen.“
„Morgen vielleicht“, murmelte Karl. „Wissen wir, wer die Tote ist und wie sie gestorben ist?“
„Nein, wir wissen nicht, wer sie ist. Da stand ein Auto mit einem russischen Kennzeichen. Wir könnten den Halter bei der Polizei in Murmansk abfragen.“
Karl machte eine wegwerfende Geste. „Meinst du, die helfen uns noch? Der Kontakt mit den Kollegen dort ist kaum mehr als sporadisch, seit die Russen auf der Krim einmarschiert sind.“
Es war einen Augenblick still im Innenraum des Zivilwagens. Die Musik im Radio wurde unterbrochen und es folgten die Nachrichten zur vollen Stunde. Karl drehte das Radio etwas lauter. Dort wurde gerade die Regierung kritisiert, die trotz der Invasion der Krim und den anstehenden Sanktionen noch immer russische Trawler in norwegischen Gewässern fischen ließ.
„Siehst du?“, sagte Mats mit einem triumphierenden Unterton in der Stimme. „Wir lassen die Russen noch immer bei uns fischen. Warum sollten die uns also nicht helfen?“
Karl schüttelte energisch den Kopf und schaltete das Radio aus. „So ein Blödsinn. Das wird sich bald ändern, dann kommen Sanktionen und die Zusammenarbeit ist vorbei.“
Wieder war es einen Augenblick still zwischen den beiden. Schließlich warf Mats Karl einen hastigen Blick zu. „Sie wurde anscheinend erschossen. Mit einem Gewehr. Die finnischen Grenzer haben zwei Schüsse gehört. Das ist alles, was Aino mir am Telefon erzählt hat.“
Aino Petersen war ihre Vorgesetzte und leitete die Ermittlungseinheit der Polizei von Kirkenes, der Karl und Mats, aber auch Mikkel und Elin angehörten.
„In Ordnung“, sagte Karl und massierte sich die Schläfen. Er sah aus dem Fenster auf den leeren Kreisverkehr am Kirkenes Handelspark, auf dessen Parkplatz sich zu dieser Nachtzeit nur eine Werbeflagge in dem lauen Wind bewegte.
Mats fuhr schließlich fort: „Ach ja, es gibt noch mehr. Vielleicht hat es irgendetwas mit der Toten zu tun. Kurz vor Mitternacht haben die Streifenkollegen versucht, einen Raser zu stoppen. Elin war dabei, sie hat bei der Kontrolle mitgeholfen und ich habe auf dem Weg zu dir mit ihr gesprochen.“
Karl lachte. „Das macht sie freiwillig?“
Mats nickte. „Ja, sie will die Überstunden. Sie hat eh nicht viel zu tun, kann jede Krone und die Erfahrung gebrauchen, sagt sie. Wie auch immer, der Raser, dieser PKW fuhr einfach durch die Kontrolle. Elin und der Kollege sind hinterher, konnten ihm aber kaum folgen. Sie haben den Wagen erst an der Grenze beim Jakobselv eingeholt. Da war der Fahrer allerdings verschwunden. Ist wohl über den Fluss nach Russland abgehauen.
Karl wurde langsam wach. „Und was hat das eine mit dem anderen zu tun? Warum meinst du, dass eine Verbindung zwischen dem Raser und der Toten an der Grenze besteht?“
Mats schüttelte den Kopf und lächelte Karl sanft an. „Ich meine gar nichts. Die Täter können es nicht gewesen sein, denn die Finnen sagen, dass sie die Schüsse gegen halb eins gehört haben, erst eine Stunde nach dem Vorfall mit dem Raser. Ich wollte es nur erwähnen, weil es so ungewöhnlich war.“
Karl nickte und sah wieder einen Moment schweigend aus dem Fenster. Mats hatte recht, solche Nebensächlichkeiten konnten wichtig sein. Oder nicht.
Sie hatten Kirkenes nun bereits hinter sich gelassen. Die Straße war beiderseits von niedrigen Birkenwäldern gesäumt, die bis zu den Ausläufern der flachen, steinigen Hügel reichten. Das Einzige, das diese Monotonie durchbrach, war, dass sich die Laubbäume ab und zu mit kurzgewachsenen Kieferbeständen abwechselten.
Karl seufzte kaum vernehmbar. Um hier oben in der Ödnis leben zu können, dafür hatte er seine Ehe in die Brüche gehen lassen.
Plötzlich wurde ihm schwindelig, möglicherweise von dem Snus, denn das hochdosierte Nikotin bekam ihm nie gut auf leeren Magen. Er betätigte den Fensterheber und spuckte den Tabakbeutel aus. Ein kühler, feuchter Wind strömte in die Kabine und Karl schloss einen Moment lang die Augen. Als er sie wieder öffnete, schossen sie aus einem Tunnel auf der Landstraße 885. Zu ihrer Linken lag finster der Vaggatem. Karl sah irritiert auf den Tacho. Er hasste es, wenn Mats unnötig schnell fuhr. Die Tote würde auch später noch tot sein, doch ob er und sein rasender Kollege dann noch leben würden, stand auf einem anderen Blatt.
„Wenn du nicht langsamer fährst, dann brauchen sie heute Nacht zwei weitere Leichensäcke“, sagte er. Doch wie immer ließ Mats sich nicht provozieren, sondern sah ihn entwaffnend freundlich an und verringerte die Geschwindigkeit etwas.
Karl tat seine Schroffheit sofort leid; Mats war nicht nur ein Kollege, sondern vielmehr ein Freund. Er war immer für ihn da gewesen, seit er vor etwas über vier Jahren sein Partner geworden war.
Der schwarze Kombi rauschte nun am Øvre-Pasvik-Camping vorbei und aus dem Funkgerät kam ein kurzes Knacken, dann ein Rauschen und Karl wurde wieder in die Gegenwart zurückgerissen. Die Einsatzleitung fragte nach ihrer Position.
„Hier Wagen sieben. Karl und ich sind in fünf Minuten vor Ort.“ Mats hängte das Funkgerät wieder in seine Halterung und sah Karl zögerlich an. „Was ist denn los?“, fragte Mats.
Karl machte eine wegwerfende Handbewegung, blieb aber still.
Mats ließ nicht locker. „Du bist die letzten Tage ziemlich reizbar, selbst für deine Verhältnisse. Hast du schlecht geschlafen?“
Karl schnaubte. „Ich wünschte, ich hätte schlecht geschlafen. Das würde nämlich bedeuten, dass ich überhaupt geschlafen hätte.“ Eine Pause entstand. „Hier rein“, rief Karl plötzlich. Mats musste scharf bremsen, um nicht an der Einfahrt zu dem Kiesweg vorbeizufahren.
Nach wenigen Minuten erreichten sie den Tatort. Karl erkannte einen Krankenwagen, dann einen Kastenwagen der Kriminaltechniker, sowie einen Streifenwagen. Ein Leichenwagen war noch nicht vor Ort. Der würde erst später kommen, wenn die Leiche von der Kriminaltechnik zum Abtransport in die Gerichtsmedizin freigegeben worden war. Neben dem Weg standen mehrere Quads, eines davon gehörte zweifellos den norwegischen Grenzpolizisten, während zwei andere das finnische Hoheitsabzeichen trugen. Karl stieg aus dem Wagen und schlug die Beifahrertür zu. Mats schloss schnell zu ihm auf und gemeinsam erreichten sie die Gruppe von Beamten, die sich vor dem Krankenwagen unterhielten.
Es war auffallend still.
Bereits nach wenigen Minuten im Freien hatte er mehrere Mückenstiche am Hals und an der Stirn. Die Mistviecher liebten den Sommer und die Feuchtgebiete.
Das Blaulicht der Einsatzwagen strahlte noch immer in regelmäßigen Abständen die Kiefern neben dem Weg an. Wie ein Miniatur-Leuchtturm, dachte Karl, während er mit einer flüchtigen Handbewegung in die Runde grüßte. „Guten Morgen.“ Er zeigte zuerst auf sich und dann auf Mats. „Karl Sortland, und das ist mein Kollege Mats Samuelsson von der Polizei Kirkenes. Wir werden die Ermittlungen übernehmen.“
Die anderen Kollegen stellten sich ihrerseits auf Englisch vor, da nicht alle Finnen Norwegisch verstanden. Im Folgenden berichteten die finnischen Grenzbeamten von den Vorkommnissen der vergangenen Stunden; sie erklärten, dass sie Schüsse gehört und sich darauf zu bewegt hatten. Da sie bewaffnet gewesen waren, hatten sie die Grenze nicht ohne Genehmigung der norwegischen Grenzer überschreiten wollen, deshalb bei der Grenzpolizei in Nyrud angerufen. Die dortigen Kollegen hatten ihrer Bitte sofort entsprochen.
Karl nickte. Er wusste, dass sie einen guten Draht zu dem Nachbarland im Süden hatten und der Anruf nur der Höflichkeit halber getätigt worden war.
Einer der großgewachsenen Finnen fuhr fort und erzählte, dass sie bald auf eine Frau gestoßen waren, allerdings nur noch ihren Tod hatten feststellen können. Sie hatte eine Schusswunde. Von dem Schützen war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu sehen gewesen, außer breiten Reifenspuren auf dem Kiesweg, die wohl zu einem schweren Geländefahrzeug gehörten. Die Spuren hatten sie nicht weiter als bis zu der asphaltierten Landstraße hin zurückverfolgen können. Dann waren auch schon die norwegischen Grenzer erschienen und sie hatten sich zum Fundort der Leiche zurückbegeben.
Karl schaute in die Richtung, in die der Grenzer gezeigt hatte, dorthin, wo die Leiche gefunden worden war. Er konnte neben einer einsamen Fichte einen Scheinwerfer erkennen, den die Kollegen aufgestellt haben mussten. Bald würden sie das Licht nicht mehr brauchen, die Sonne war bereits aufgegangen. Zudem standen dort zwei Kollegen der Kriminaltechnik in weißen Schutzanzügen.
Schließlich sprach Karl den norwegischen Grenzbeamten an: „Habt ihr irgendetwas an der Leiche gefunden, einen Pass oder eine Bankkarte?“
Der Beamte kratzte sich im Nacken. „Nein, sie hatte nichts bei sich, außer ihrer Kleidung.“
„Kein Handy?“, fragte Mats.
„Nein“, antwortete einer der norwegischen Streifenkollegen. „Leider kein Handy und kein Ausweis. Wir haben uns den Wagen kurz angesehen. Auf dem Beifahrersitz lag eine Sporttasche. Darin waren ein Paar Sportschuhe und verschiedene Frauenkleidungsstücke. Und eine Tüte mit einem weißen Pulver. Das haben wir nicht angefasst, das wollten wir euch überlassen.“
Karl nickte. „Danke“, sagte er, „Wir werden das zur Prüfung ins Labor geben.“
Der Kollege fuhr fort: „Auf der Suche nach einer Identifikationsmöglichkeit, einem Portemonnaie oder einem Personalausweis, habe ich das Handschuhfach aufgemacht. Da habe ich aber nur eine Schlüsselkarte gefunden. Könnte zu einem Hotelzimmer gehören. Leider steht kein Hotelname drauf. Die Spurensicherung hat die Karte schon eingetütet.“
Der norwegische Polizist zeigte auf den Wagen der Spurensicherung. Karl trat an die geöffnete Tür und fischte einen flachen Gegenstand, der sich in einer durchsichtigen Schutzhülle befand, aus der Hartplastikkiste. Es handelte sich um eine weiße Plastikkarte, die keinerlei Beschriftung aufwies. Nur ein schwarzer Magnetstreifen war auf der Rückseite aufgetragen. Karl steckte die Tüte ein. „Ich sage den Kollegen gleich Bescheid, dass ich die Karte mitnehme.“ Dann sah er sich um; er musterte die Moraste, über denen feiner Nebel aufstieg, und schließlich das Auto der Toten, das noch immer quer auf dem Waldweg stand. Er sog die Luft ein, sie roch nass und erdig. Der Ort hatte etwas Melancholisches und trotzdem wohnte ihm Schönheit inne, wie er so vollkommen reglos und totenstill in der Morgensonne dalag.
Karl suchte mit dem Blick seinen Partner. „Komm, Mats, wir sehen uns um.“
Mats nickte und folgte ihm. Sie gingen vorbei an dem Kleinwagen des Opfers, einem grünen Toyota Yaris älteren Baujahrs, vielleicht fünfzehn Jahre alt, an dessen Radkästen sich etwas Rost gebildet hatte. Beide Türen standen offen und ein Kollege der Kriminaltechnik war im Inneren damit beschäftigt, nach Fingerabdrücken zu suchen. Karl nickte ihm zu und ging weiter. Bald arbeiteten sie sich durch ein paar zerstreute Baumgruppen und an einem größeren Wasserloch vorbei zu der Stelle vor, an der die Leiche gelegen hatte. Die Lichtung war durch den Halogenscheinwerfer perfekt ausgeleuchtet und Karl kniete sich nieder. Er betrachtete die Heide und die Blaubeersträucher am Boden, die sich in verschiedenen Nuancen von Lila, Grün und Braun vom morgendlichen Grau der Umgebung abhoben. Neben der Lichtung stand eine knorrige alte Fichte.
Dann fiel ihm das Vogelnest auf, das unter dem Astloch in dem Baum lag. Er trat näher, musterte es. Schließlich zog er einen Kugelschreiber aus der Jacke und hob das Nest an. Es war leer.
Kapitel 3
„Hei, Therese“, sagte Karl.
Die Kollegin im weißen Schutzanzug kniete am Boden und machte Fotos. Sie sah kurz auf, nickte ihnen zu und lächelte matt. Dann arbeitete sie schweigend weiter, schien völlig in ihrer Arbeit versunken.
„Hast du das Vogelnest gesehen?“, fragte Karl.
Therese richtete sich halb auf und räusperte sich. „Ja. Muss aus dem Baum gefallen sein, oder jemand hat es rausgeholt. War aber nichts drin.“
Karl nickte und beobachtete Mats, der sofort zu dem Astloch ging und hineinleuchtete.
Karl wandte sich ab und blickte auf das Opfer. Er presste die Lippen zusammen und für einen Moment starrte er regungslos auf den leblosen Körper vor ihm; eine Frau, ausgestreckt zwischen Heide und Blaubeersträuchern. Ihre Beine lagen grotesk verrenkt, als hätte man sie mitten in einer Bewegung eingefroren. Ihm kam die Beinhaltung eines Hürdenläufers in den Sinn.
Er kniete sich hin und streifte Latexhandschuhe über. Der Geruch des Materials mischte sich in das würzige Aroma der Heidesträucher.
Das Gesicht der Frau war mit Blut und Schlamm verschmiert, ihre grünlichen Augen waren weit aufgerissen. Schmerz oder Angst, schwer zu sagen, vielleicht beides. Lange blonde Strähnen klebten an den Wangen, auf denen eine Schramme prangte. Ein Ast, dachte er. Sie war sicher gerannt und gestürzt.
Die Kugel musste an der Brust ausgetreten sein; eine grässliche Wunde. Er konnte geronnenes Blut auf der darunterliegenden, wachsartigen Fettschicht erkennen. Behutsam drehte er den Körper und suchte die Eintrittswunde. Ein winziges Loch im Rücken, kaum größer als eine Münze.
„Sie wurde von hinten erschossen. Sie hatte keine Chance“, hörte er Thereses Stimme. Die Kollegin stand plötzlich neben ihm. „Wir haben das Projektil gefunden, im Baumstumpf da drüben.“ Sie deutete auf einen ausgefransten Stamm, in dessen Kern ein frisches Loch prangte. „Kaliber 7,62 Millimeter. Die Schussrichtung passt. Wir haben die Linie gezogen.“
Mit einem leisen Knacken seiner Knie richtete Karl sich langsam auf. „Und?“
„Oben am Hang“, sagte Therese knapp. „Da waren zwei separate Schuhabdrücke. Stiefel mit starkem Profil. Leider haben wir keine Patronenhülsen gefunden, jemand hat aufgeräumt.“
Er folgte der Geste mit den Augen über Morast und Birken und hin zu dem Hügel, der vorm Weg im Nebel verschwamm. Der Schütze war mindestens vierhundert Meter von dem Opfer entfernt gewesen. Zu weit für einen Zufallstreffer. Mats trat neben ihn.
„Kann ich das Projektil mal sehen?“, fragte er.
„Liegt in der Beweiskiste am Auto“, sagte Therese.
Karl spürte, wie sich ein Druck in seiner Schläfe festsetzte. Er schloss einen kurzen Augenblick die Augen. „Zwei Täter also.“
Therese nickte und zog dann die Brauen zusammen. „Und noch was. Die Reifenspuren am Waldweg, das war ebenfalls ein ungewöhnliches Profil. Grobstollig, als wär’s von einem Geländewagen. Aber kein Standard-SUV, eher etwas Schweres, entweder Offroad-Reifen oder etwas Militärisches. Ich habe ein Foto gemacht.“
Karl sah sie an und wollte etwas sagen, ließ es aber bleiben. Sein Magen zog sich zusammen.
„Offroad-Reifen“, wiederholte er und gab Mats ein Zeichen. Das war nun auch nicht so ungewöhnlich, hier oben, an dieser gottverlassenen Grenze.
Ein Ast knackte irgendwo im Unterholz. So leise, dass Karl nicht wusste, ob es ein echtes Geräusch war oder nur der Wind. Er drehte sich halb und starrte über das Wasserloch in die bleigraue Fläche des Waldes. Da war nichts, vielleicht ein Tier.
„Mats“, sagte er und sein Blick wanderte wieder zu der Erhöhung, von der aus geschossen worden war. „Du als Jäger, hättest du die Frau von da hinten getroffen?“
Sein Partner trat neben ihn und folgte der gedachten Schusslinie. „Schwer“, murmelte er. „Aber machbar, mit der richtigen Optik. Ein Dragunov vielleicht. Das ist ein russisches Präzisionsgewehr, basiert auf der Kalaschnikow. Es ist sehr präzise und hat eine ordentliche Durchschlagskraft. Eine brutale Waffe. Das würde die Austrittswunde erklären.“
Karl hob die Augenbraue. „Klingt, als würdest du dich auskennen.“
„Schießstand“, antwortete Mats schnell. „Nur auf dem Schießstand.“
Karl schwieg und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Zwei Täter, vielleicht mit militärischer Ausrüstung. Eine Frau, die sich mitten in der Nacht in diese Wildnis wagte, vielleicht auf dem Weg nach Finnland. Warum ließ sie die Tasche mit den Drogen im Auto?
Er massierte sich die Stirn. Ein Ziehen hinter den Augen und irgendwo dazwischen ein flüchtiger Gedanke. Aber er bekam ihn nicht zu fassen.
Vielleicht sollte er wirklich Elin anrufen, um sie den Tatort sehen zu lassen, solange noch alles frisch war? Er verwarf den Gedanken sofort, was sollte sie schon sehen, das er und Mats nicht sahen. Aber seine Laune hatte sich etwas gebessert.
„Komm.“ Er klopfte Mats sanft auf die Schulter. „Frühstück im Präsidium. Danach gehen wir die Hotels abklappern.“
„Und Aino?“, fragte sein Partner. „Wann rufen wir Aino an?“
Karl gähnte. „Guck mal auf die Uhr. Aino schläft. Das machen wir später.“ Er hatte momentan keine Lust auf ihre bohrenden Fragen.
Sie bahnten sich den Weg zurück durch das Gelände. Matschige Erde sog an ihren Stiefeln und der Geruch von Fäulnisgasen hing schwer in der Luft. Karl drückte einen Zweig beiseite und spürte die raue Rinde an den Fingern. Mit der anderen Hand fühlte er den glatten Rand der Plastikkarte in seiner Hosentasche.
Was machten die Drogen im Auto und warum hatte sie die Tasche nicht mitgenommen?
Irgendwas stimmte hier nicht.