Kapitel 1
Aubrey
Der Bass vibrierte in meinem Körper und der kühle Schaum umschmeichelte meine Haut. Mit geschlossenen Augen stand ich inmitten der tanzenden Masse und ließ mich treiben.
Genau das hier hatte ich dringend gebraucht. Einfach mal den Kopf ausschalten und über nichts nachdenken. Das vergangene Jahr war super anstrengend gewesen. Gleich zwei Jobs neben dem Studium zu haben war alles andere als lustig. Aber daran wollte ich jetzt nicht denken. Ich hatte gelernt, wie wichtig es war, den Moment zu genießen. Freiheit war keine Selbstverständlichkeit, und ich würde sie auskosten, solange ich konnte.
Plötzlich wurde ich unerwartet von jemandem an den Schultern gepackt und umgedreht. Sebastian strahlte über das ganze Gesicht.
»Ich hab eine Überraschung für dich.« Er ergriff meine Hand und zog mich mit sich von der Tanzfläche.
»Wo willst du hin?«
»Ich habe Eintrittskarten für eine der exklusivsten Spring-Break-Partys überhaupt. So können wir da aber nicht auftauchen.« Sein Blick wanderte abwertend an meinem nassen Shirt über die Hotpants bis zu den ausgelatschten Chucks hinunter. »Komm, wir müssen uns beeilen.«
Wenig begeistert folgte ich ihm ins Hotel. Eigentlich war ich sehr zufrieden mit der Schaumparty unten am Strand gewesen, aber da Sebastian mich zu diesem Trip eingeladen hatte und alle Kosten trug, wollte ich ihn nicht vor den Kopf stoßen. Um genau zu sein, waren wir noch in der Kennenlernphase unserer Beziehung und ich wurde das Gefühl nicht los, dass wir so gar nicht zusammen passten.
Vor Beginn der Frühlingsferien waren wir nur zwei Mal miteinander ausgegangen, weshalb es mich schon ziemlich überrascht hatte, als er mich gefragt hatte, ob ich ihn nach Orlando zum Spring Break Festival begleiten wolle. Zuerst hatte ich gezögert, denn wir kannten uns nun wirklich nicht gut genug, um zusammen zu verreisen. Erst als meine Freundinnen mir versichert hatten, dass er einer von den guten Kerlen war und es nichts Negatives über ihn zu berichten gab, hatte ich zugesagt. Die Tatsache, dass wir getrennte Zimmer bewohnten – Sebastian hatte mir gestanden, dass er mit einem Kumpel hatte fahren wollen, der kurzfristig abgesagt hatte – hatte schließlich meine letzten Zweifel ausgeräumt.
Im Zimmer duschte ich schnell und putzte mich anschließend für die Party raus. Ich föhnte meine lange rote Mähne und lockte sie mithilfe des Glätteisens. Danach legte ich Make-up auf, schlüpfte in einen Bikini und zog mein schwarzes, elegantes Cocktailkleid an.
Auch wenn ich genau wusste, dass ich es später bereuen würde, entschied ich mich für die Manolos, griff nach der Handtasche, in der ich Portmonee, Smartphone sowie meinen Lieblingslippenstift aufbewahrte und machte mich auf den Weg.
Bevor ich das Zimmer verließ, warf ich einen letzten prüfenden Blick in den großen Spiegel neben der Tür und pflasterte mir ein Lächeln ins Gesicht.
Sebastian wartete bereits im Foyer auf mich, wo er wie ein Tiger im Käfig nervös auf und ab lief.
»Besser?«, fragte ich und drehte mich vor ihm.
»Wunderschön.«
Er strahlte mich an, aber da war irgendetwas in seinen Augen, das mich irritierte.
»Ist alles in Ordnung?«, hakte ich daher nach.
»Ja, du siehst nur gerade meiner Schwester unheimlich ähnlich.«
Schon bei unserem ersten Date hatte er mir von seiner jüngeren Schwester erzählt, weil ich ihn augenscheinlich stark an sie erinnerte. Sie war vor etwa zwei Jahren mit irgendeinem Kerl von zu Hause weggelaufen. Sebastian schien sie sehr zu vermissen, und so wie es klang, gab er dem Mann, mit dem sie durchgebrannt war, die alleinige Schuld an ihrem Verschwinden.
Ich hingegen fragte mich, was in der Familie vorgefallen war, denn niemand entschied sich leichtfertig dazu, sein vertrautes Umfeld hinter sich zu lassen, ohne einen triftigen Grund dafür zu haben. Was das anging, sprach ich definitiv aus Erfahrung.
Da ich jedoch nicht vorhatte, dieses Thema anzusprechen, schenkte ich ihm einfach nur ein Lächeln und fragte ihn, ob wir nicht langsam los mussten.
»Du hast recht. Komm, das Taxi wartet schon auf uns.«
Der Fahrer brachte uns zum Hafen, wo Sebastian mich zu einem kleinen Gebäude direkt an einer der Anlegestellen führte. An einem fein säuberlich aufgeräumten Schreibtisch saß ein Mann im schwarzen Anzug, der uns streng musterte, als wir hereinkamen.
»Was kann ich für Sie tun?« In seiner Stimme schwang eine gehörige Portion Autorität mir, ähnlich wie ich es schon das ein oder andere Mal bei Männern in meinem Umfeld erlebt hatte.
Sebastian trat erhobenen Hauptes vor und knallte zwei Pässe auf den Tisch. »Mir wurde gesagt, sie können uns weiterhelfen.«
Sofort veränderte sich die ganze Ausstrahlung des Mannes. Ein entschuldigendes Lächeln trat auf seine harten Züge, während er aufstand. »Sie sind aber spät dran. Die übrigen Gäste sind bereits im Laufe des Nachmittags übergesetzt.«
»Uns ist etwas dazwischen gekommen. Ist das ein Problem?«
Das war das erste Mal, dass ich Sebastian auf diese unangenehm überhebliche Art mit einer anderen Person sprechen hörte, und ich mochte es ganz und gar nicht. Damit weckte er Erinnerungen an meinen Vater, die ich lieber vergessen hätte.
Der Mann drehte sich zu einem Aktenschrank hinter sich um, öffnete eine der Schubladen, holte zwei Shotgläser hervor und befüllte diese mit einem hochwertigen Gin. Es handelte sich um die Lieblingsmarke meines Großvaters, der ich meinen ersten üblen Kater zu verdanken gehabt hatte. Und da ich die Flasche damals ersetzen musste, wusste ich nur zu gut, wie unverschämt teuer das Zeug war.
Aus einer kleinen Phiole entnahm er anschließend mithilfe einer Pipette eine klare Flüssigkeit und träufelte einige Tropfen in die Gläser. Lächelnd drehte er sich um und reichte uns jeweils eins davon.
»Was ist das?«, wollte ich umgehend wissen und musterte den Drink misstrauisch.
»Ein leichtes Sedativum. Da Mr Curtis sehr auf den Erhalt seiner Privatsphäre bedacht ist, ist es unser Job dafür zu sorgen, dass seine Gäste die Überfahrt verschlafen.« Er schien mir meine Gedanken anzusehen, denn er versicherte mir umgehend, dass mir nichts passieren würde. »Wenn Sie sich dann besser fühlen, Miss, kann ich Ihnen einen Overall geben, den Sie über Ihrem Kleid tragen können.«
»Das wäre sehr nett.«
Mir war selbstverständlich bewusst, dass mich das im schlimmsten Fall auch nicht vor einem sexuellen Übergriff retten würde, aber dennoch gab der Overall mir ein Gefühl von Sicherheit.
Als ich das beige Kleidungsstück angezogen hatte, nahm ich all meinen Mut zusammen und trank den Shot. Die Wirkung setzte umgehend ein, was meinen Puls gleich wieder in die Höhe trieb. Mein Blickfeld verschwamm und mir wurde schwindelig. Hastig tastete ich nach dem Stuhl, um mich zu setzen, doch da war der Mann schon zur Stelle und hob mich auf seine Arme.
»Atmen Sie einfach ganz ruhig weiter, Miss. Ich passe auf, dass Ihnen nichts passiert.«
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Sebastian zu Boden ging, während ich nach draußen getragen wurde.
»Ladet den Kerl ein, ich kümmere mich um die Lady«, rief der Mann jemandem zu. »Ich kann es kaum erwarten, herauszufinden, wer du bist«, raunte er mir zu und ich blinzelte ihn verwirrt an.
Irgendetwas stimmt hier nicht.
Das war mein letzter Gedanke, ehe ich das Bewusstsein verlor.
Kapitel 2
Elijah
Das Satellitentelefon klingelte, was nur eins bedeuten konnte.
»Sind sie endlich aufgetaucht?«
»Die Jungs haben Christians Leiche vor knapp einer Stunde aus dem Wasser gezogen.«
Überrascht sog ich die Luft ein. »Was ist passiert?«
»Er hatte eine Kugel im Kopf.«
Fuck! »Wie geht es seiner Frau?«
»Sie ist völlig aufgelöst. Sie will die Polizei einschalten.«
»Dann tut das.«
Für mich klang das alles nach einem schiefgegangenen Raubüberfall. Christian war zum Joggen gegangen und nicht wieder aufgetaucht, woraufhin seine Frau sich direkt an mich gewandt hatte, denn sie wusste, dass ich über bessere Methoden verfügte, ihn ausfindig zu machen, als die Cops. Außerdem waren die beiden zu der Party auf meiner Privatinsel eingeladen, wie jedes Jahr.
»Da ist noch etwas.« Jaxon klang angespannter, als die Situation es meiner Meinung nach erforderte.
Christian war ein Geschäftspartner gewesen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Männer wie er und ich lebten gefährlich. Da kam es schon mal vor, dass man sich eine Kugel einfing.
»Was?«, hakte ich nach.
»Hier ist ein junges Pärchen mit Christians Pässen aufgetaucht.«
»Was hast du mit ihnen gemacht?«
»Ich dachte mir, dass du mit ihnen sprechen willst, deshalb habe ich sie betäubt. Wenn du mir dein Okay gibst, bringe ich sie auf direktem Weg zu dir.«
»Hast du Namen für mich?«
»Die Frau heißt Aubrey Kennedy, ist zweiundzwanzig und Studentin an der Brown. Bei dem jungen Mann handelt es sich um einen alten Bekannten von dir.«
»Um wen?«
Jaxon hatte eindeutig mein Interesse geweckt.
»Sebastian Davidson.«
»Bring sie beide her. Ihn will ich zu einem hübschen Paket verschnürt im Keller haben. Sie darfst du nach oben in den Gästebereich bringen. Ich schau mal, was ich noch über die Kleine herausfinden kann.«
»Wird erledigt.«
Während im Erdgeschoss sowie im Außenbereich der Villa die Party in vollem Gange war, zog ich mich in mein Büro zurück und widmete mich einer ersten oberflächlichen Recherche Sebastians Begleitung betreffend.
Auf Instagram wurde ich schließlich fündig und mir war sofort klar, warum er sie bei sich hatte. Die hübsche Studentin war seiner Schwester Cora wie aus dem Gesicht geschnitten. Neben den kupferfarbenen langen Wellen hatte sie auch ähnlich giftgrüne Augen. In Aubreys fehlte jedoch der Schmerz, der bei Cora nie ganz verschwunden war. Erst nachdem sie sich im vergangenen Jahr das Leben genommen hatte, war dieser schreckliche Ausdruck endlich gewichen.
Ich hatte ihr geschworen, den perversen kleinen Bastard nicht für das büßen zu lassen, was er ihr angetan hatte, und ich hätte mein Wort gehalten, wenn er nicht dumm genug gewesen wäre, hier aufzutauchen. Um ehrlich zu sein, konnte ich es kaum erwarten, den guten Sebastian um Gnade winseln zu hören.
Was die junge Frau anging, musste ich mir erst ein Bild von ihr machen. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass Sebastian ihr von unserer Vergangenheit erzählt hatte.
Während ich ihre Studienunterlagen durchsah, klopfte es an der Tür.
»Herein.«
Jaxon stieß recht unbeholfen die Tür auf, was der Tatsache geschuldet war, dass er die junge Frau auf den Armen trug.
Umgehend war ich auf den Beinen, um ihm zu helfen. »Bring sie ins Gästezimmer.«
»In welches?«
»Das neben meinem Schlafzimmer.«
Ein Schmunzeln schlich sich auf seine Lippen. »Dachte ich mir doch, dass die Kleine dein Interesse weckt.«
»Wir können davon ausgehen, dass Sebastian sie genau deshalb ausgewählt hat«, murmelte ich, während ich ihm den Flur entlang folgte. »Apropos, ist er schon wach?«
»Nein, er schläft wie ein Baby. Wenn ich mich mit den Tropfen nicht verrechnet habe, sollte die kleine Schönheit hier aber jeden Moment aufwachen.«
»Hattest du den Eindruck, dass sie weiß, was los ist?«, fragte ich ihn, während er sie auf dem Bett ablegte.
Tatsächlich seufzte sie in diesem Moment und ihre Lider flatterten.
»Sie hat definitiv keine Ahnung«, stellte er klar und ging ins Bad, wo er den Wasserhahn aufdrehte.
Gerade, als sie die Augen aufschlug und sich eindeutig zu schnell aufsetzte, kam Jaxon mit einem Glas Wasser zurück.
»Schön langsam. Sie sollten sich lieber noch mal hinlegen.« Er war schon immer der Frauenflüsterer von uns beiden gewesen. Seine ruhige Art wirkte auch in diesem Fall.
Aubrey ließ sich zurück in die Kissen sinken und nahm die Hände vors Gesicht. Sie atmete einige Male tief durch, ehe sie ihn wieder ansah. Er setzte sich zu ihr aufs Bett und reichte ihr eine Tablette.
»Nehmen Sie das, dann geht es Ihnen schnell besser.«
Mit einem Stirnrunzeln fixierte sie die weiße Tablette in seiner Hand.
»Was ist das?«
»Aspirin.«
Mit einem leichten Nicken setzte sie sich diesmal bewusst langsam wieder auf, nahm ihm das Schmerzmittel ab, steckte es in den Mund und spülte es mit einem großen Schluck Wasser hinunter. Direkt im Anschluss daran schwang sie die Beine über den Rand und sah sich um.
»Wo haben Sie mich hingebracht? Und wo ist Sebastian? Ich dachte, das hier wäre eine Party.«
»Keine Sorge. Die Party ist schon in vollem Gange. Sobald Sie sich gut genug fühlen, um nach unten zu gehen, bringe ich Sie hin.«
Sie musterte mich auf eine Art und Weise, die mir deutlich machte, dass sie schon Erfahrung mit Männern wie mir gemacht hatte. Da war nicht mal ein Funken Angst in ihrem Blick, was mich ehrlich gesagt ein wenig wunderte.
»Und Sie sind?«
»Der Gastgeber, Elijah Curtis, zu Ihren Diensten, Miss.« Ich reichte ihr die Hand, die sie nach kurzem Zögern ergriff, und zog sie auf die Beine. »Verraten Sie mir auch Ihren Namen?«
»Aubrey Kennedy.«
Kapitel 3
Aubrey
»Aubrey. Ein schöner Name für eine schöne Frau. Was hältst du davon, wenn wir die Förmlichkeiten sein lassen und einfach zum Du übergehen? Dein Freund und du, ihr seid ja schließlich meine Gäste.«
Die beiden Männer vor mir waren jeder für sich schon extrem respekteinflößend. Zusammen verursachten sie mir dasselbe ungute Gefühl, wie ich es immer in der Gegenwart von Dads Gorillas sowie seinen Geschäftspartnern gehabt hatte. Elijah war definitiv kein gewöhnlicher reicher Geschäftsmann, der exklusive Partys veranstaltete. Er hatte die gleiche Ausstrahlung wie mein Vater, und das konnte nichts Gutes bedeuten.
Da es mir zunehmend schwerer fiel, seinem durchdringenden kalten Blick aus diesen stahlgrauen Augen standzuhalten, wandte ich mich dem Mann zu, der mich hergebracht hatte.
»Gehen wir dann auch gleich zum Du über?«, wollte ich von ihm wissen.
Ein Lächeln trat auf seine Lippen, welches wirklich eine erstaunlich beruhigende Wirkung auf mich hatte. »Sehr gerne. Mein Name ist Jaxon.«
Ich lächelte zurück. »Schön. Da wir uns jetzt alle vorgestellt haben, wüsste ich gern, wo sich mein Begleiter aufhält.« Während ich sprach, öffnete ich den Overall und zog ihn aus. Dabei entging mir nicht der eindeutig interessierte Blick, mit dem Elijah mich bedachte.
»Dein Freund hat das Schlafmittel nicht so gut vertragen. Er wird zu uns stoßen, sobald er sich erholt hat«, beantwortete der Gastgeber meine Frage. »Wollen wir dann nach unten gehen? Ich denke, eine Kleinigkeit zu essen und ein Cocktail bringen deine Lebensgeister in Gänze zurück.«
Er deutete Richtung Tür, was mich aufatmen ließ. Um ehrlich zu sein konnte ich es kaum erwarten, aus diesem Raum mit diesen beiden eindeutig gefährlichen Männern zu entkommen. Daher straffte ich die Schultern, legte den Overall weg, strich mein Kleid glatt und ging an ihm vorbei. Gerade hatte ich nach dem Türknauf gegriffen, als Jaxon uns zurückhielt.
»Wartet! Der jungen Dame fehlt noch ein wichtiges Accessoire.«
Irritiert sah ich über die Schulter zu ihm zurück. »Accessoire?«
Der blonde Hüne holte etwas aus der Innentasche seines Jacketts, was für mich extrem nach einem Hundehalsband aussah. »Hat dein Freund dir etwa nichts von unserem diesjährigen Motto erzählt? Ohne das Ding hier bist du quasi Freiwild.«
Verwirrt sah ich zwischen den beiden Männern hin und her. »Das müsstet ihr mir bitte erklären.«
»Das Halsband macht allen Anwesenden klar, dass du jemandem gehörst.« Ich wollte gerade klarstellen, dass ich ganz sicher niemandem gehörte, als Elijah mir den Zeigefinger an die Lippen legte, und mich damit an dieser Aussage hinderte. »Wie Jaxon schon sagte, bist du ohne ein Halsband Freiwild. Und wenn ich mir dich so anschaue, werden die Kerle da unten an dir kleben wie Fliegen am Honig.«
»Sie werden mich aber doch hoffentlich nicht gegen meinen Willen anfassen. Nein heißt nein oder etwa nicht?« Ein ungutes Gefühl machte sich bei seinem Schmunzeln in meinem Magen breit. »Oder«, hakte ich eindringlicher nach, und selbst mir fiel der panische Unterton in meiner Stimme auf.
»Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, aber es gibt nur zwei Dinge, die dich retten. Ein Halsband, das deutlich macht, wem du gehörst, oder das Safeword.«
»Und wie lautet das?«
»Aphrodite.«
»Wie die Göttin der Liebe?«
»Richtig.«
»Fein, wenn das ausreicht, um mir die Kerle vom Hals zu halten.« Ich zuckte mit den Schultern und wandte mich wieder der Tür zu.
Kaum hatte ich diese einen Spaltbreit geöffnet, schob Elijah sie schon wieder zu, wodurch er nun viel zu nah hinter mir stand. Sein Atem streifte meinen Nacken und ich erschauderte leicht.
»Es tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, aber das reicht nicht. Wenn du das Safeword benutzt, bedeutet das auch, dass du die Party verlassen musst. Also solltest du dich lieber für das Halsband entscheiden.«
Genervt drehte ich mich zu ihm um, rollte mit den Augen und seufzte theatralisch. »Sag doch einfach, dass ich keine Wahl habe.«
Ein gefährliches Funkeln war in seine Augen getreten, welches durch sein Schmunzeln nur unwesentlich abgemildert wurde. »Da dein Freund noch verhindert ist, würde ich mich bereit erklären, deinen Schutz zu gewährleisten. Warte hier.« Mit diesen Worten fasste er mich bei den Schultern und schob mich von der Tür weg. Anschließend verschwand er nach draußen und ließ mich mit Jaxon allein, der nach wie vor dieses Lederhalsband in der Hand hielt.
»Du siehst nicht gerade begeistert aus«, stellte er sehr richtig fest.
»Schon als Sebastian mich von der Schaumparty weggeholt hat, wusste ich, dass mir nicht gefallen wird, was er vor hat«, murmelte ich.
»Wieso bist du dann mit ihm gegangen.«
»Na ja.« Ich zuckte mit den Schultern. »Da er den Trip nach Orlando bezahlt hat, konnte ich ihm den Wunsch ja schlecht abschlagen.«
»Wie lange seid ihr schon ein Paar?«
»Wir sind kein Paar. Wir haben sogar getrennte Schlafzimmer. Vor diesem Urlaub sind wir nur zweimal miteinander ausgegangen, und wenn ich in den letzten Tagen eins bemerkt habe, dann, dass wir nicht kompatibel sind.«
»Du bist also Single?«
Gerade als er diese Frage stellte, kam Elijah zurück. »Wer ist Single?«
»Das hübsche Vögelchen hier«, beantwortete Jaxon seine Frage.
»Ich dachte, Sebastian sei dein Freund.«
»Ein Freund, nicht mein Freund«, stellte ich klar.
»Der Abend wird von Minute zu Minute besser«, sagte Elijah grinsend. »Dreh dich um.«
Da ich ahnte, was er vorhatte, gehorchte ich, wenn auch widerwillig. Im nächsten Moment legte er mir ein breites silbernes Band um. »Nimm deine Haare nach vorne, bitte.« Wieder tat ich, was er von mir verlangte. »Du kannst ja tatsächlich ein braves Mädchen sein«, raunte er mir ins Ohr, nachdem er das massive Halsband geschlossen hatte.
Ich zwang mich, nicht auf diese schnöde Provokation einzugehen, obwohl ich ihm nur zu gern gezeigt hätte, was ich davon hielt, als braves Mädchen betitelt zu werden.
»Sind wir dann fertig?«, wollte ich kühl wissen.
Ich musste dringend hier raus. Diese ganze Sache stank zum Himmel. Das Einzige, was ich wollte, war von hier zu verschwinden, und bis ich einen Weg gefunden hatte, wie ich das bewerkstelligen konnte, bevorzugte ich es, so viele Menschen wie möglich um mich zu haben.
»Sehr gern. Unten solltest du jedoch auf deinen Ton achten. Wenn du dich vor den anderen Gästen derart frech verhältst, lässt du mir keine andere Wahl, als dich für deine Brat-Attitüde zu bestrafen.«
»Warum wundert mich das nicht?«, murrte ich mit einem weiteren Augenrollen.
Hinter mir hörte ich Jaxons amüsiertes Lachen. »Ich wünsche dir viel Glück, mein Freund. Das Vögelchen hat Feuer.«