Leseprobe Chosen by the Killer | Eine spicy Dark Mafia Romance

Kapitel 1

Adriana

Je weiter ich mich von der Stadt entfernte, desto deutlicher spürte ich, wie der Druck von mir abfiel. Dieses Jahr war die reinste Katastrophe gewesen. Nichts war gelaufen, wie ich es geplant hatte.

Alles fing damit an, dass mein Freund sich passend zum Valentinstag von mir getrennt hatte, und das völlig ohne Vorwarnung. Insgeheim hatte ich an dem Abend mit einem Antrag gerechnet, aber ganz sicher nicht damit, dass ihm meine sexuellen Fantasien zu viel waren.

Dabei hatte ich nie irgendwelche Ansprüche an ihn gestellt. Um ehrlich zu sein, war ich beim Sex schon froh gewesen, wenn ich zum Höhepunkt gekommen war, wofür meist ich gesorgt hatte, denn er dachte nur an sich. Leider konnte er nicht allzu gut damit umgehen, wenn ich selbst Hand anlegte, während er mich roboterartig fickte. Für ihn war es unverständlich, dass ich nicht allein durch seinen Schwanz in mir zum Orgasmus kam. Leider ein Problem vieler Beziehungen, denn die Kerle hatten dank der Pornoindustrie eindeutig ein falsches Bild der weiblichen Libido.

Mit der Aussage: Meine Fantasien seien ihm zu krank, spielte er also keineswegs auf etwas an, worum ich ihn gebeten hatte, sondern viel mehr auf meinen Job. Ich verdiente meinen Lebensunterhalt seit dem College als Autorin von Dark Romance Geschichten. Und ja, in diesen ging es durchaus schon mal hart zur Sache, was aber nicht zwingend meine sexuellen Präferenzen widerspiegelte.

Bis zu diesem Abend wusste ich nicht mal, dass er jemals eines meiner Bücher gelesen hatte. Seine abfälligen Bemerkungen über die Frauen, die es nötig hatten, so einen Schund zu lesen, hatten mir schon gereicht.

Leider war an diesem Abend etwas in mir kaputt gegangen. Seither zweifelte ich an mir und vor allem den Geschichten, die ich schrieb. Stimmte vielleicht wirklich was nicht mit mir?

Schon als Teenie fühlte ich mich zu den bösen Jungs hingezogen. Wenn es dann aber darauf ankam, siegte immer mein Verstand und ich suchte so schnell wie möglich das Weite. In meinen Geschichten konnte ich all das ausleben, wozu ich im wahren Leben zu feige war. Zumindest hatte ich das früher gekonnt. Heute war ich voller Zweifel.

Im Zuge dessen hatte ich mich sogar an einigen klassischen Liebesromanen versucht, die nur leider weder mich, noch meine Leserinnen besonders glücklich machten. Also beschloss ich, mich wieder auf das zurückzubesinnen, worin ich so gut gewesen war.

Es war Mom Vorschlag gewesen, den Winter allein in unserem Haus am See zu verbringen. Zuerst hatte ich gezögert, doch dann war ich in mich gegangen und hatte ernsthaft darüber nachgedacht, was ich gerade wirklich brauchte. Dabei war ich eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass Weihnachten in der Stadt, mit all dem Trubel, das Letzte war, was ich jetzt wollte. Ich sehnte mich nach Ruhe und Frieden, um wieder mit mir ins Reine zu kommen und endlich das Buch fertig zu schreiben, das ich vor der Trennung angefangen hatte.

Natürlich gab es auch in den Bergen andere Menschen. Gerade jetzt kamen die Leute um Ski zu fahren und ihre Ferien im Schnee zu verbringen. Aber zum Glück stand unser Haus in einer ruhigen Ecke. Es gab nur einen direkten Nachbarn. Früher waren wir jeden Sommer dort gewesen, genau wie die Campbells nebenan. Sie hatten zwei Söhne im Alter meines Bruders und die drei schloss mich fast immer aus.

Julian Campbell war der erste Junge, in den ich verliebt gewesen war, doch er hatte mich nicht mal wahrgenommen. Schließlich war ich für ihn nur Noahs nervige kleine Schwester gewesen. Sein älterer Bruder Nigel war viel netter gewesen. Ich hatte es nur ihm zu verdanken gehabt, dass ich nicht jeden Sommer allein verbringen musste und sie mich zumindest hin und wieder mitspielen ließen.

Interessant, dass ich gerade jetzt an die beiden denken musste. Wir hatten uns seit gut zehn Jahren nicht gesehen. Ich fragte mich, was wohl aus ihnen geworden war. Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit meinen Bruder fragen, denn Moms Berichten zufolge arbeitete Noah als Anwalt für die Campbells.

Kapitel 2

Julian

Ehe ich die Zigarette aus der Packung nahm, wischte ich mir das Blut von den Händen. Inzwischen war ich mir fast sicher, dass der Bastard nichts Bedeutendes wusste. Eine verflucht frustrierende Erkenntnis, wenn ich bedachte, wie viel Zeit ich für die Befragung dieses Mistkerls verschwendet hatte. Grundsätzlich war ich nach zwei Tagen Folter nicht klüger als zuvor, dabei war ich mir so sicher gewesen, dass er etwas verbarg.

Jemand hatte uns betrogen. Und diese Person hatte allem Anschein nach interne Informationen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, woraufhin Dad verhaftet worden war. Ich wusste, dass die Cops unmöglich genug gegen ihn in der Hand haben konnten, da er sehr bedacht darauf war, keine Spuren zu hinterlassen. Dennoch machte es mich nervös, dass wir allem Anschein nach einen Verräter in den eigenen Reihen hatten.

Das FBI machte uns das Leben in den vergangenen Wochen sehr schwer. Sie beschlagnahmten alles, was sie in die Finger bekamen. Ihr Pech, dass sowohl die Bücher der Baufirma, als auch die meines Clubs astrein waren. Selbst die Hausdurchsuchungen brachten sie nicht weiter. Als ob wir Waffen oder gar Drogen herumliegen lassen würden wie blutige Anfänger.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis mein Vater entlassen wurde, dennoch wollte ich wissen, wer die Ratte war. Wir mussten dringend ein Exempel statuieren, damit niemand auf die Idee kam, unsere Autorität anzuzweifeln.

Nun gut, es machte keinen Sinn sich jetzt unnötig aufzuregen. Einen Versuch würde ich noch unternehmen und dann war es an der Zeit den miesen Verräter von seinen Qualen zu erlösen. Das Aufräumkommando war bereits für heute um Mitternacht bestellt, denn ich konnte mir in der jetzigen Situation echt nicht erlauben, eine Leiche hier rumliegen zu haben.

Ich zündete die Zigarette an und lehnte mich an einen der Verandastützpfeiler. Dabei hatte ich den perfekten Ausblick auf das Nachbarhaus. Wie jedes Jahr hatte Mrs Moore dafür gesorgt, dass alles in weihnachtlichem Glanz erstrahlte, und das, obwohl die Familie die Feiertage seit Ewigkeiten nicht mehr hier verbrachte.

Jetzt wo ich darüber nachdachte, fragte ich mich, was wohl aus Noah und seiner kleinen Schwester geworden war. Vor einigen Jahren hatte ich ihn zufällig bei einer Party in meinem Club getroffen. Damals besuchte er noch die Uni, die ich im Jahr zuvor abgeschlossen hatte. Er wollte Anwalt werden. Vielleicht sollte ich in Erfahrung bringen, ob er dieses Ziel erreicht hatte, denn in dieser Funktion könnte er uns sicher nützlich sein. Möglicherweise war Nigel da besser informiert. Die beiden hatten auch außerhalb des Sommers, den wir immer gemeinsam hier verbracht hatten, Kontakt gehalten.

Mom hatte mir vor einigen Monaten erzählt, dass Noahs Schwester Adriana eine ziemlich erfolgreiche Autorin war. Wenn es stimmte, was meine Mutter sagte, dann schrieb das schüchterne, unscheinbare Mäuschen von damals offenbar recht düstere und vor allem unanständige Geschichten.

Seufzend drückte ich die Zigarette aus und machte mich wieder auf den Weg ins Innere des Hauses. Das Wohnzimmer sah aus, als würde hier renoviert. Alles war mit Planen abgedeckt, sodass ja kein Blut auch nur in die Nähe der Möbel, des Bodens oder gar der Wände kam. Was das anging, war ich sehr gewissenhaft.

Ritchie wartete genau da, wo ich ihn zurückgelassen hatte. Er war mit Handschellen an einen der Deckenbalken gefesselt und balancierte auf einem schmalen Holzscheit. Um seinen Hals hatte ich ein Drahtseil gelegt, wodurch sein ohnehin begrenzter Bewegungsspielraum noch weiter eingeschränkt wurde. Sollte ich ihm den improvisierten Hocker wegtreten, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis ihm die Kraft ausging sich oben zu halten, und er ersticken würde. Ich konnte es kaum erwarten, ihn bei diesem aussichtslosen Kampf zu beobachten.

Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen.