Leseprobe Beautiful Ruin | Die spicy Dark Mafia Romance voller Obsession, Machtspiele und gefährlicher Anziehung

Warum sollte ich mich für das Monster entschuldigen, zu dem ich geworden bin?
Niemand entschuldigt sich jemals dafür, dass er mich so gemacht hat.

Triggerwarnung

Achtung: In diesem Buch werden toxische und teils grausame Dinge geschehen. Die Beziehung zwischen den Charakteren ist absolut ungesund und nichts, was man sich im echten Leben wünschen sollte. Sie sind in einem unausgeglichenen Machtverhältnis und in der Realität ist eine Entführung weder süß noch sexy. Im Buch könnt ihr diese Geschichte und die Dynamik zwischen den Figuren genießen – solange ihr euch daran erinnert, dass es nur eine Geschichte ist.

Gerade ab der Hälfte des Buches wird es sehr dunkel werden. Die Protagonistin hat psychische Probleme und wird schlimme Gewalt erleben.

Achtet auf euch.

 

(Dark Romance, explizite Szenen, Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Gewalt, Mord, blutige Szenen, psychische Probleme.)

 

Ich werde nicht gut zu dir sein.

Ich werde mit dir spielen und beabsichtige, dich zu brechen.

Ich werde Gewalt ausüben und nicht zimperlich mit dir umgehen.

Wenn das nichts für dich ist, solltest du gehen, bevor du keine Chance mehr dazu hast.

Sollte ich dich einmal in meinen Bann gezogen haben, dann wird dich kein Held in glänzender Rüstung befreien.

Bei mir herrscht nur die Dunkelheit.

Blossom

Genervt wandert mein Blick auf die kleinen Zahlen in der Ecke des Bildschirms. Ein frustrierter Seufzer entfährt mir, als mir die strahlenden Nummern entgegenleuchten. 21:32 Uhr.

Ich habe es einfach satt.

Nervös trommle ich mit den Nägeln auf die hölzerne Oberfläche des billigen Schreibtisches. Mein Blick huscht ungeduldig über meine Schulter, doch durch die gläsernen Trennwände kann ich niemanden erahnen.

Trotzdem schlägt mein Herz einige Takte schneller.

Als der Bildschirm endlich schwarz wird, betätige ich den Schalter der Steckdose und springe auf. In Windeseile raffe ich meine wenigen Sachen zusammen und stopfe alles willkürlich in die abgetragene, schwarze Handtasche zu meinen Füßen. Stöhnend nehme ich für einen Moment das abblätternde Leder wahr, welches mir beinah entgegenspringt.

Lange kann ich diesen desaströsen Zustand nicht mehr ignorieren.

»Miss Reeds?«

Seine heisere Stimme jagt mir einen eisigen Schauer über den Rücken. Langsam richte ich mich vollständig auf. Mein Kopf wandert in Richtung der Tür, welche inzwischen von meinem Chef ausgefüllt wird. Dabei schnellt mein Blick für einen Moment abfällig über seinen fülligen Körper und die wulstigen Hände, mit denen er sich die Seite stützt.

Sein lüsterner Blick tastet sich an meinem Ausschnitt herab. Ich spüre seine widerlichen Augen auf jedem noch so kleinen Zentimeter meiner Haut. Dabei sollte die hässliche Holzfällerbluse genau das verhindern. Gut, billig war sie auch. Ein Pluspunkt mehr, der für den Kauf gesprochen hatte.

Mein Chef nimmt sich einen Moment, während ich ungeduldig herumzapple.

Natürlich entgeht ihm seine Wirkung nicht.

Ein unheilverkündendes Lächeln zeichnet sich auf seinen dünnen Lippen ab, während er sich über die rote, schwitzige Stirn fährt. »Sie sind noch da.« Seine Feststellung klingt dumpf und trocken. Ein dunkler Schatten huscht über seinen Blick und mir wird erneut ganz schlecht.

Dabei hatte ich genau diese Situation unbedingt vermeiden wollen.

Zunächst möchte ich nicht antworten, dann kommen die Worte wie von allein aus mir heraus: »Ich musste noch schnell den Jannings-Fall fertig schreiben, damit er für die Verhandlung bereit ist. Aber jetzt bin ich schon weg.« Meine Stimme klingt hohl und unsicher. Mindestens genauso wie ich mich fühle. Verlegen lache ich, winke mit der Hand ab und raffe meine Tasche auf. Unbeholfen gehe ich zwei Schritte auf ihn zu, doch noch immer rührt er sich nicht von der Stelle. Stattdessen wandert sein Blick erneut über mich und das Lächeln auf seinen Lippen wird breiter.

»Nicht doch. Hier muss sich niemand für seine Arbeit entschuldigen. Schließlich leben die kleinen Kanzleien von der Arbeit eines jeden Einzelnen. Noch dazu ist es ein weit besseres Gefühl, am Ende des Tages hart gearbeitet zu haben.« Er nickt mir zu und verschränkt die Arme vor der Brust.

Innerlich verdrehe ich die Augen.

Als hätte ich eine andere Wahl. Natürlich würde ich auch lieber entspannt in einem Liegestuhl liegen und die Arbeit anderen überlassen. Nur brauche ich eben Geld. Leider.

Die Zeit scheint endlos zu sein und die Zeiger auf der tickenden Uhr über der Tür schieben sich quälend langsam dahin.

Ich wanke. Unsicher, ob ich mich bewegen soll.

Mit seiner wulstigen und massiven Gestalt würde sich nicht einmal ein abgemagertes Model an ihm vorbeidrücken können – was ich ganz sicher nicht bin.

Er nimmt mir die Entscheidung ab und noch immer nickend dreht er sich von mir weg.

Die Luft entweicht schlagartig aus meinen Lungen und pure Erleichterung macht sich in mir breit. Zufrieden, dass ich dem Teufel erneut davongekommen bin, raffe ich mich auf. Ich warte noch einige Sekunden, in welchen mein Herz wie wild pumpt und meine Atmung gepresst ist. Dann verschwindet sein massiger Schatten durch die gegenüberliegende Tür und ich eile den Gang entlang.

Meine Füße tragen mich wie von selbst, während meine Schritte auf den viel zu hohen Peeptoes wacklig sind.

Am Ende des Flurs greife ich nach der Klinke. Freude explodiert in meinem Inneren. Ruckartig reiße ich die Tür auf.

Zumindest will ich das.

Sie rührt sich keinen Millimeter.

Fuck.

»Ach und Miss Reeds?« Seine dunkle Stimme trieft vor Spott.

Das spüre ich auch ohne mich umzudrehen. Trotzdem tue ich es, während ich die Zähne fest zusammenbeiße und hart mit dem Kiefer mahle.

Er gibt sich nicht einmal Mühe, den Blick auf meine Augen zu richten. »Ich würde mich gern noch kurz mit Ihnen unterhalten. In meinem Büro.« Stattdessen sorgt er dafür, dass ich mich in der karierten, unglaublich hässlichen, unförmigen, hochgeknöpften Bluse nackt fühle.

Überraschend schnell für seine füllige Figur dreht er sich in dem eng und stickig wirkenden Gang um.

Ich bleibe allein zurück.

Für den Moment.

Bedauerlicherweise ist es genau diese Einsamkeit, die ich noch mehr hasse als ihn.

Natürlich macht er sich nicht die Hände schmutzig, in dem er mich zu sich zieht. Das hat er nicht nötig. Er weiß auch so, dass ich ihm folgen werde.

Warum?

Die einfache Antwort wäre, dass ich meinen Job nicht riskieren kann. Nur leider weiß ich, dass tief in meinem Inneren weit größere Probleme dafür sorgen, dass ich nicht gehe.

Ein letztes Mal huscht mein Blick über die Schulter. Hin zu den wenigen Zentimetern, die mich von der Außenwelt trennen. Eine Sekunde überlege ich die Tür einzutreten. Nichts würde ich in diesem Moment lieber tun, als meine Faust immer und immer wieder auf das Holz einschlagen zu lassen. Solange, bis sich die berstenden Splitter in meine Haut bohren. Nicht, um zu fliehen, sondern aus Frustration und Selbsthass.

»Miss Reeds, ich erwarte Sie.« Seine Stimme verheißt nichts Gutes.

Ich beiße die Zähne zusammen und schließe blinzelnd die Augen. Nur für eine Sekunde, doch ich muss meine Atmung beruhigen. Dann öffne ich sie erneut und ich bin nicht mehr ich selbst. Ich verschließe meine Gefühle tief in meinem Inneren und versuche alle Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben.

Zögerlich gehe ich den Gang entlang. Das Klackern der Absätze begleitet die wenigen Schritte, die mit einem Mal viel zu schnell vergehen. An der Tür zögere ich, dann trete ich ein.

Brauche ich den Job? Das ist wohl keine Frage, wenn man sich meinen dürftigen Kontostand ansieht.

Will ich ihn? Auch die Antwort fällt mir leicht. Natürlich nicht. Trotzdem habe ich keine andere Wahl. Zumindest nicht im Moment. Dieses Schwein nutzt meine Situation aus. Das habe ich von Anfang an gemerkt. Schon bei unserem ersten Treffen wusste ich, dass die gierigen Blicke und die spöttischen Kommentare erst der Beginn waren. Etwas, was sich leider als Wahrheit bewiesen hat. Zwar habe ich selbst mit meinen 24 Jahren nicht das leiseste Problem, mich durchzusetzen, doch leider bin ich nicht in der Position, um Forderungen zu stellen. Zumindest so lange nicht, bis ich mit meinem abgebrochenen Jurastudium etwas Ordentliches gefunden habe.

Dabei sollte man meinen, dass das in einer Stadt wie Boston kein Problem wäre.

Bedauerlicherweise gibt es da noch etwas, oder besser gesagt jemanden, der mir diese Suche unfassbar erschwert.

Ich spüre beim Eintreten in sein Büro den ekelhaften Blick auf mir. »Und Miss Reeds? Schließen Sie die Tür.« Er befasst sich nicht weiter mit mir, denn er weiß, dass ich gehorchen werde. Wie immer.

Stattdessen tritt er mit wenigen Schritten zurück, bis er an die Kante seines Schreibtisches stößt. Sein Schatten zieht sich wie in Zeitlupe langsam hin, während er sich nach vorn lehnt.

Er öffnet den Gürtel quälend langsam.

Seine Armmuskeln zucken.

Er hat Kraft. Das weiß ich nur zu gut. Genug Kraft, um mir die Luft abzudrücken, währenddessen meine beiden Hände in Schach zu halten und mich erneut nach unten zu zerren.

Zu Beginn habe ich den Fehler gemacht ihn zu unterschätzen. Etwas, was mir nicht mehr passiert.

»Sie sollten die Tür schließen, Miss Reeds.« Seine Stimme wird bedrohlich, während ich schwer schlucke. Mein Blick fliegt nach rechts und links.

Ich muss einen wehmütigen Schluchzer unterdrücken und presse die Lippen zusammen, rühre mich aber nicht von der Stelle.

»Miss Reeds … Sie wissen, was geschieht, wenn Sie mir nicht gehorchen.« Meine Lippen beginnen zu zittern und meine Hände werden eisig kalt. Ich halte den Blick gesenkt, trotz seiner bedrohlichen Stimme.

»Ja.« Meine Stimme ist nur ein leiser Hauch. Trotzdem spüre ich, dass er mich verstanden hat.

Ich gehe.

Ich will das nicht.

Am liebsten würde ich die Worte hinausschreien.

Es geht nicht. Ich kann es nicht, auch wenn es herabwürdigend und ekelerregend ist. Trotzdem ist es das kleinere Übel meinen Chef oral zu befriedigen, als mich mit meinen wahren Problemen auseinanderzusetzen.

Ein abgebrochenes Studium, welches mir kaum etwas bringt und mit dem ich mir geradeso meinen Unterhalt leisten kann.

Eine Familie, die mich verstoßen, verleumdet und weit Schlimmeres getan hat. Und dann ist da noch der bedauernswerte Umstand, dass ich schlichtweg völlig allein bin.

Während ich zittrig nach vorn trete, frage ich mich, wie krank ich bin. Macht es mich an, von ihm erniedrigt zu werden? Eigentlich sollte es das nicht.

Vielleicht bin ich inzwischen völlig verrückt geworden.

Gerade möchte ich mich sinken lassen, da packt er mich grob im Genick und reißt mich herum. Ein kurzer Schrei entrinnt meiner Kehle, welche sich augenblicklich zuschnürt. Er drängt mich auf die Knie, während er die Hand in meine Haare krallt.

Tränen treten in meine Augen und mein Hals wird trocken. Das Rasseln seines Reißverschlusses erschreckt mich. Sein Gürtel fällt scheppernd zu Boden. Mein Blick folgt dem Leder.

Der Stoff seiner Hose sinkt dicht vor mir herab.

Mein Herz pocht wie wild. Ich schlucke schwer und ein Wimmern entkommt mir.

Ein schrilles Geräusch ertönt. Das blende ich aus. Alles um mich herum ignoriere ich und konzentriere mich nur auf die nächsten Minuten. Taub. Abgestumpft.

Ich denke nicht mehr, sondern folge dem, was er will. Schwer atmend schließe ich die Augen. Langsam beuge ich mich nach vorn und lecke mir kurz über die Lippen.

Ein Schmerz schießt durch meine Kopfhaut, als ich grob an den Haaren zurückgerissen werde.

»Ah, Mr. Thomas, es freut mich, dass Sie mich zurückrufen.« Die lüsterne Stimme ist verschwunden. Stattdessen hat er sich augenblicklich in den ernstzunehmenden Geschäftsmann verwandelt. »Perfekt, ja natürlich. Mir passt es sehr gut.« Er stößt mich grob von sich, sodass ich nach hinten geworfen werde und unsanft auf dem Hintern lande. Mein linker Fuß knickt in den ausgeleierten Schuhen um und ich stöhne leise.

Mein Chef fixiert mich mit seinem Blick. Seine Lider sind verengt.

Kein Mucks entweicht mehr meinen Lippen.

»Einen Moment, ich suche mir Ihre Akte sofort heraus.« Er wendet mir den Rücken zu, während ich wie versteinert auf dem Boden kauere.

Ein kurzes Rascheln, dann einige Klicks und ich bin nichts mehr als Luft.

Das Einzige, was ich spüre, ist Leere. Sie durchströmt meinen Kopf und meine Glieder und treibt mir die Kälte durch die Venen.

Das Gespräch stockt für einen Moment und der eisige Blick meines Chefs landet auf mir.

Lautlos bewegt er die Lippen. Ich verstehe auch so, was er sagen will. Verschwinde.

Ein paar Mal blinzle ich und erhebe mich stockend. Ohne mich anzusehen, legt er eine Karte auf den Schreibtisch.

Meine Finger fühlen sich taub an, als ich das Stück Plastik umgreife. Es ist der Moment, in dem sich mein Gehirn endlich wieder einschaltet. Die Karte. Die verdammte Karte, die sonst nur von außen benötigt wird.

Alles scheint mit einem Mal zurückzukehren und die Hitze steigt mir in die Wangen. So schnell und gleichzeitig leise wie möglich entferne ich mich, ohne auch nur ein letztes Mal über die Schulter zu sehen.

Gehetzt eile ich den Gang entlang. Meine Hände sind schwitzig, als sie die Klinke erneut ertasten. Ein paar Mal ziehe ich die Karte über den Scanner, bis endlich das erlösende, grüne Licht aufflammt. Mein Herz setzt aus und das Plastik segelt aus meiner Hand.

Ich stürme in Windeseile die vier Etagen hinab, bevor er sich mir erneut in den Weg stellen kann.

Erst als ich in meinem Auto sitze, völlig durchnässt dank des starken Regens, schluchze ich erschrocken und schnappe nach Luft.

Gierig sauge ich den Sauerstoff ein und presse die Hände fest gegen das Lenkrad des alten Hondas. Tränen brechen aus mir hervor und brennen sich ihren Weg feurig über meine Wangen. Ich schluchze und werfe den Kopf gegen den Sitz.

 

Es dauert, bis ich mich beruhige.

Meine Lider sind schwer und fühlen sich geschwollen an. Mein Blick klebt an den Rinnsalen, die die Scheibe herabfließen. Mein Kopf ist schwammig und meine Hände zittrig.

Was soll ich nur tun?

Die Worte spuken durch meinen Schädel. Meinen kranken, verworrenen Kopf. Dabei wollte ich alles richtig machen. Wenn ich daran denke, wie unfassbar stolz meine Familie war, als ich zum Jurastudium vorzeitig angenommen wurde – und das mit besten Ergebnissen.

Ich hatte alles.

Geld, Macht, Freunde. Nichts davon ist übriggeblieben. Das Blatt hat sich gewendet. Wer will auch eine angehende Anwältin, die nicht nur über keinerlei Erfahrung verfügt, sondern den Prozess ihrer eigenen Familie gegen den Baum gefahren hat?

Dabei war ich es nicht einmal, die die Entscheidungen getroffen hat. Offenbar zählt das Wort der Familienkanzlei mehr als das der eigenen Tochter. Leider kann ich selbst jetzt nicht sagen, wer die Informationen über meine Familie geleakt hat.

Ich presse die Augen fest zusammen und versuche die Worte, die mir Vater entgegengeschleudert hat, zu vergessen. Nutzloses Stück. Verräterin … Hart schlucke ich.

Und was habe ich getan? Geweint, gefleht, gebettelt. Kein Wunder, dass er mich nach dem Verlust einiger wichtiger Geschäftszweige nicht mehr ernst genommen hat. Auch jetzt begehe ich immer wieder die gleichen Fehler.

Im Stillen weiß ich längst, dass es meine Schuld ist.

Damals wie heute.

Ich habe nichts gesagt und nichts unternommen. Selbst jetzt ziehe ich dieses widerliche Schwein der erdrückenden Einsamkeit meiner Wohnung vor. Das ist es, was mich in Wahrheit quält und jeden verfluchten Tag über einen Ausweg fantasieren lässt.

Die Wohnung ist ein Witz.

Ein verschimmeltes Kellerloch irgendwo in der Pampa. Hätte ich die Wahl, würde ich die Bruchbude anzünden. Nur hätte ich in dem Fall nichts mehr, wo ich schlafen könnte.

Abfällig verziehe ich das Gesicht bei den Erinnerungen daran und starte den zuckelnden Motor.

Ein letztes Mal schließe ich die Augen, nur um sie Sekunden später blinzelnd erneut zu öffnen. Ich drücke die Lippen fest zusammen und genehmige mir einen kurzen Moment des Selbstmitleids. Dann lege ich den Gang ein und das Auto setzt sich ruckartig in Bewegung.