Interview Elisa Rimpach im Gespräch über ihre große München-Saga

Worum geht es in deiner historischen Familiensage Die große München-Saga?

Als Töchter des Königlich Bayerischen Hofsattlers sind die Schwestern Elsa und Isolde Hartmann im Luxus der Münchener High-Society aufgewachsen. Doch dann stirbt ihr Vater und die beiden gegensätzlichen Frauen müssen gemeinsam dafür kämpfen, um in der patriarchalischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu überleben.

 

Wie würdest du Isolde und Elsa Hartmann in jeweils drei Worten beschreiben?

Isolde ist wissbegierig, vernünftig und selbstständig.

Elsa ist gefühlsgeleitet, zielstrebig und kreativ.

Du schreibst über zwei starke Frauenfiguren. Wie kam es zu der Idee?

Ich schreibe grundsätzlich lieber über Frauen- als über Männerfiguren. In meiner München Saga werden zwei jeweils auf ihre eigene Weise starke Frauen dabei begleitet, wie sie sich gegen zahlreiche Widerstände behaupten und ihren Weg zum Glück entdecken. Das finde ich viel spannender als noch eine Geschichte über scheinbar starke Männer, die allein durch ihre gesellschaftliche Stellung alle Trümpfe in der Hand haben. Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ist in dieser Hinsicht eine besonders spannende Zeit, weil viele Frauen sich bewusst gegen das Patriarchat stellten und sich Räume und Sichtbarkeit erkämpften. Es ist kein Zufall, dass die großen Romane dieser Epoche wie etwa Effi Briest oder Anna Karenina Frauenfiguren porträtieren, die sich am herrschenden System (auf)reiben.

Die Münchner Frauenbewegung spielt eine wichtige Rolle in deinem Roman. Wie sah hierzu dein Rechercheprozess aus?

Es gibt sehr viel Literatur zu diesem Thema, in die ich mich eingelesen habe. Ganz besonders fasziniert hat mich dabei die Geschichte des Foto-Ateliers Elvira, das von Sophia Goudstikker und Anita Augspurg geleitet wurde, zwei bedeutenden Vorkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung. Hierzu gibt es einen wunderbaren Ausstellungskatalog des Münchener Stadtmuseums mit vielen Orignal-Photographien.

 

Außerdem bewegen wir uns in der „Schwabinger Bohéme“. Gib uns doch einen kleinen Einblick in die Szene.

Die Schwabinger Bohéme bezeichnet eine kurze Epoche Anfang des 20. Jahrhunderts, in der eine erstaunlich große Anzahl kreativer Geister wie Franziska zu Reventlow, Joachim Ringelnatz, Frank Wedekind, Wassily Kandinsky, Rainer Maria Rilke, Thomas und Heinrich Mann, der Kreis um Stefan George, aber auch Lenin in und um den Münchener Stadtteil Schwabing lebten und mit ihren Werken wichtige Impulse für die Moderne gaben. Gleichzeitig herrschte in der Schwabinger Bohéme aber eine ausgeprägte Kultur des Feierns und so begleite ich meine Figuren auch auf ausgelassene Kneipenabende, in denen sich Hochkultur und Ausgelassenheit zu einer wilden Mischung verbanden.

Wie sieht dein Tag als Autor aus? Und was machst du neben dem Schreiben?

Ich schreibe neben meinem eigentlichen Beruf. Tagsüber arbeite ich in der Frühförderung von Kindergartenkindern. Abends setze ich mich dann an den Schreibtisch und widme mich meinen Romanideen. Die Zeit, die mir dann noch bleibt, verbringe ich gerne im Garten oder auf Spaziergängen mit meinem Hund.

 

Hast du ein Lieblingsbuch und hast du Buchempfehlungen für uns?

Mein Lieblingsbuch ist Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust, weil es gerade die Epoche, in der meine Romane spielen, so detailliert aufleben lässt, wie kein zweites literarisches Werk.

Empfehlen möchte ich aber den Roman Alltagsmenschen der Münchener Autorin Carry Brachvogel, eine Ehebruchsgeschichte, die sich vor Effi Briest ganz bestimmt nicht zu verstecken braucht.

 

Was dürfen wir als nächstes von dir lesen? Hättest du schon eine Idee, wie die Reihe weitergehen könnte?

Ich arbeite gerade am dritten Band der München Saga, in dem wir Elsa und Isolde nach Deutsch-Ostafrika begleiten. Ideen habe ich für insgesamt zehn Romane und ich bin gespannt, wie viele es tatsächlich werden.