Die spicy Szene aus Ilyas Sicht das erste Mal auf Deutsch! Heated Rivalry: Las Vegas Remix – Kurzgeschichte
Diese Szene wurde von Rachel Reid ursprünglich auf ihrer Website veröffentlicht. Sie zeigt Ilyas Sicht auf die NHL Awards 2014 in Las Vegas. Die Autorin entschied sich dafür ihren Leser:innen diesen kleinen Einblick zu gewähren, nachdem sie immer wieder gefragt wurde, wohin Ilya kurz vor der Preisverleihung eigentlich verschwunden ist und, was seine Bewegründe für die unvergessliche Szene in seinem Hotelzimmer waren. Sie wechselt also nicht nur die POV der unbestreitbar heißen Nacht, sondern liefert tiefe Einsichten über seine Gefühle, Probleme und warum er so distanziert und beherrscht gegenüber Shane war. Und einen throw-back zu Shane und Ilya, als sie sich noch nicht eingestehen konnten, wie verliebt sie ineinander sind. Viel Spaß beim Lesen!
Las Vegas, Juni 2014
Ilya hatte nur drei Minuten, um sich zusammenzureißen.
Zwei Minuten und fünfzig Sekunden, wenn man es genau nahm.
Er hielt den Rand des Waschbeckens in einer Toilette im Backstagebereich der NHL-Awards fest umklammert und versuchte, die Panik, die von ihm Besitz ergriffen hatte, niederzuringen. Schon den ganzen Tag hatte sie in ihm gebrodelt und war schließlich übergekocht, als er Shane Hollander backstage entdeckt hatte.
Die letzten Monate waren wild gewesen. Er war jetzt Stanley Cup-Gewinner und das fühlte sich abwechselnd unglaublich, surreal und … leer an.
Seinem Vater ging es nicht gut. Wenn er sich dessen vorher vielleicht nicht sicher gewesen war, hatte seine Zeit in Russland während der Olympischen Spiele jeglichen Zweifel ausgeräumt. Es musste Alzheimer sein, und Ilya musste sich kümmern, weil es sonst niemand tat. Sein Bruder nicht und auch nicht die Frau seines Vaters. Beide beharrten darauf, dass mit Grigori Rozanov alles okay war.
Ilya würde nächste Woche nach Moskau fliegen. Zuerst ging es morgen zurück nach Boston, um zu packen und sich um einige Dinge zu kümmern, bevor er den Rest des Sommers in Russland verbrachte. Er wünschte, er könnte in Boston bleiben oder einfach ganz woanders sein. Irgendwo, wo er entspannen und Spaß haben konnte. Wann hatte er zuletzt einen Sommer genossen?
Er wettete, dass Hollander jeden Sommer genoss.
Während er in der Sonne lag und die Bewunderung seiner Freunde und Familie in seinem verdammten Haus am See in sich aufsog. Ohne sich um irgendetwas sorgen zu müssen.
Ilya hatte Shane seit den Olympischen Spielen nicht mehr außerhalb der Arena gesehen.
Hatte seitdem nicht mit ihm gesprochen.
Hatte aber jeden Tag an ihn gedacht.
Er hatte darüber nachgedacht, wie Hollander ihn auf der Tribüne beim Spiel von Schweden gegen Finnland in Sochi gefunden und gefragt hatte, ob er okay war. Er hatte darüber nachgedacht, wie stark sein Drang gewesen war, Hollander in seine Arme zu ziehen und ihn einfach festzuhalten. Ihn an seine Brust zu drücken, sodass er sein Gesicht in Hollanders kurzen, glänzenden Haaren vergraben konnte und seinen Geruch einatmen konnte. Es war so verdammt beängstigend gewesen – dieser Drang. Wie Ilyas Herz gestolpert war, als er bemerkt hatte, dass Hollander auf ihn zukam, und wie er ihm alles erzählen wollte.
Jetzt wartete Hollander auf ihn. Nicht, weil er ihn sehen wollte, sondern weil sie gemeinsam einen Preis verleihen sollten. An den fairsten Spieler, was – wie Ilya zugeben musste – schon witzig war. Er hatte sich den ganzen Tag über eingeredet, dass es okay sein würde, Hollander wiederzusehen. Aber sobald er einen Blick auf ihn geworfen hatte, überkam ihn das überwältigende Bedürfnis, sich zu verstecken. Also war er geflohen, hoffentlich ohne dass Hollander ihn gesehen hatte.
Darum versteckte sich Ilya jetzt in der Herrentoilette, während er eigentlich neben Hollander stehen und mit ihm auf die Bühne gehen sollte, damit sie dort ihre Rivalität ins Lächerliche zogen.
Er starrte sich selbst im Spiegel an. Trotz der Unzufriedenheit seines Vaters bezüglich Ilyas Haarlänge hatte er seine Haare seit weit vor den Olympischen Spielen nicht mehr geschnitten. Vielleicht gerade weil sein Vater so unzufrieden damit war. Sie waren jetzt so lang, dass er sie oft in einem Zopf zurückband, wie auch an diesem Abend. Er fand, dass es mit dem Smoking gut aussah. Vornehm. Sexy.
Er würde heute Abend wirklich gern flachgelegt werden, um für eine Weile nicht nachdenken zu müssen.
Er überprüfte die Uhrzeit auf seinem Telefon und entschied, dass er jetzt da raus musste. Er ließ den Waschbeckenrand einen Finger nach dem anderen los, richtete sich auf und rollte seine Schultern nach hinten. Er atmete langsam und tief durch, zwang sein Gesicht zu einem entspannten und unbeteiligten Ausdruck und verließ die Toilette.
Er entdeckte Hollander am Rand der Bühne, wo er sich hektisch umsah. Ilya schlenderte von hinten neben ihn. „Suchst du mich?“
Hollander wirbelte herum. Er trug einen Smoking und einen bösen Ausdruck im Gesicht, und seine Haare waren fein säuberlich auf einer Seite gescheitelt, wie die eines Kindes, das gleich einen Fototermin in der Schule hatte. „Fuck, Rozanov. Was zur Hölle? Wir müssen in etwa fünf Sekunden da raus!“
Jedes Mal, wenn Ilya Hollander gegenüberstand – egal ob auf dem Eis oder nicht –, hoffte er, dass er ihn dieses Mal nicht so unglaublich unwiderstehlich finden würde. Er hoffte, er würde sich dieses Mal nicht wünschen, dass sich der Ärger in Hollanders dunklen Augen in Begehren verwandelte. Er hoffte, dass er sich dieses Mal nicht wünschte, von diesem Mann gegen die nächstbeste Wand gedrückt zu werden, sodass dieser für eine Weile seinen Ärger an Ilya auslassen konnte.
Auch dieses Mal – wie jedes Mal – wurde diese Hoffnung schnell zerstört.
„Fünfzig Sekunden“, sagte Ilya ruhig. „Alles gut.“
Hollanders Mund klappte auf, seine Augen funkelten wütend. „Interessiert es dich, dass alle hier hinten auf der Suche nach dir einen halben Herzinfarkt hatten?“
„Nicht wirklich.“ In diesem Moment interessierte Ilya nichts anderes als Hollanders Sommersprossen, die dunkler als sonst aussahen, als wäre er vor kurzem länger in der Sonne gewesen.
„Wo warst du überhaupt?“, fragte Hollander gepresst.
Ilya entschied sich für die Antwort, die Hollander am meisten aufbringen würde. „Beschäftigt.“
Hollanders Augen verengten sich. „Oh, ja? Mit wem?“
Gott, war er eifersüchtig? Missfiel es ihm, zu wissen, dass Ilya mit anderen schlief? Allein der Gedanke war gefährlich. „Wir sind dran.“
Er ging schnellen Schrittes auf die Bühne und wünschte sich, er könnte den wütenden Ausdruck auf Hollanders Gesicht sehen, während dieser hinter ihm hertrottete. Das Publikum – von denen die meisten Ilya hassten, Shane liebten und auf sie beide neidisch waren – applaudierte, während er zum Rednerpult ging. Ilya entdeckte den Teleprompter mit ihrem Dialog und atmete tief durch. Er mochte es nicht, vor Publikum englische Texte vorlesen zu müssen.
„Fairness“, begann er fröhlich, „ist sehr wichtig.“
Das Publikum lachte.
„Ich wusste nicht, dass du das Wort kennst, Rozanov“, las Hollander vor. Er klang, als wäre er wirklich sauer auf Ilya.
„Natürlich kenne ich das Wort. Es bedeutet, dass, wenn ich dir den Puck abnehme und ein Tor mache, du kein schlechter Verlierer bist.“
„Oder wenn ich einen Hattrick gegen dein Team mache und du die Niederlage würdevoll hinnimmst.“
„Oder“, begann Ilya mit seinem unausstehlichsten Unterton, „wenn ich den Stanley Cup gewinne und du von meiner Leistung beeindruckt bist.“
Das bescherte ihnen eine Menge Gelächter.
„Wie dem auch sei“, sagte Hollander grummelig, „hier sind die diesjährigen Nominierten.“
„Hey“, sagte Ilya, immer noch vom Teleprompter ablesend, „kann ich ein Selfie haben, bevor wir den Preis verleihen?“
„Was?“
„Nur ganz kurz. Ich meine, wann wird das hier mal wieder passieren, richtig?“
„Na gut, aber beeil dich.“
Auf diesen Teil hatte Ilya sich gefreut. Er holte sein Telefon hervor, öffnete tatsächlich die Kamera-App, legte Hollander dann seinen Arm um die Schultern und hielt mit der anderen Hand das Telefon vor sie beide. Er konnte Hollanders verärgerten Gesichtsausdruck auf dem Bildschirm sehen.
Dann schoss Ilya einige Fotos. Es war dumm, sie haben zu wollen, aber das hielt ihn nicht auf. Er wollte diese Bilder, auch wenn Hollanders Gesicht vor Missbilligung verkniffen war. Auch wenn Hollander ihn nie wieder berühren wollte, würde Ilya immer diese Bilder haben.
Er grub seine Finger in den weichen Stoff von Hollanders Smoking und in die festen Muskeln darunter. Er drehte seinen Kopf ein wenig, sodass seine Lippen Hollanders Haaren für einen kleinen Augenblick näher waren. Sie rochen nach Zitrone und Minze, genau wie beim letzten Mal, als Ilya ihm so nah gewesen war. Als Ilya ihn atemlos geküsst hatte, bevor er ihn aufs Bett stieß.
Hollanders Wut war so immens, dass Ilya quasi dabei zusehen konnte, wie sie von seinen angespannten Schultern abstrahlte. Ilya wollte alles davon. Er wollte, dass Hollander all diese Wut an ihm ausließ, ihn dann küsste und Ilya befahl, ihn zu vögeln. Ilya wollte, dass Hollander ihn vereinnahmte, bis er an nichts anderes mehr denken konnte.
Als er seinen Arm von Hollanders Schultern nahm, ließ er seine Finger über Hollanders Nacken gleiten. Es entging ihm nicht, dass Shane kaum merklich nach Luft schnappte. Ilyas Mundwinkel zuckten unter dem Drang, sich zu einem breiten Grinsen zu dehnen.
Nachdem sie die Charade beendet hatten und Hollander dem Gewinner – einem Angriffsspieler aus Edmonton, netter Typ, wie auch immer – die Trophäe mürrisch in die Hände gedrückt hatte, machte er auf dem Absatz kehrt und stürmte von der Bühne. Ilya schlenderte ihm hinterher.
Hollander verschwand in der Backstagetoilette, in der Ilya sich zuvor versteckt hatte. Still zählte Ilya bis zehn, dann folgte er ihm und war keineswegs überrascht, dass Hollander die Tür offen gelassen hatte.
Ilya schaffte es gerade noch, die Tür hinter sich abzuschließen, bevor er Hollander gegen die nächstgelegene Wand drückte. Hollanders Augen leuchteten vor Wut und Lust; eine Kombination, der Ilya noch nie widerstehen konnte. Eine Kombination, die Ilya vermisst hatte.
Er hatte ihn vermisst.
„Also?“, fragte Ilya.
„Also was?“
Ilyas Magen machte einen Salto und sein Schwanz zuckte. Dieser verdammte Typ. Ilya entschied sich, zu pokern, und deutete auf den Boden.
„Willst du mir keinen blasen?“
„Fick dich! Warum bläst du mir keinen?“
Das würde in dieser ekligen Toilette auf keinen Fall passieren, aber Ilyas Gesichtsausdruck verriet nichts davon und er brummte nur leise, als würde er darüber nachdenken. Ohne etwas dagegen tun zu können, strich er mit seinen Fingerspitzen über Hollanders glatten, kantigen Kiefer. „Vielleicht, wenn du lieb fragst.“
Ilya wunderte sich, ob er zu weit gegangen war. Ob die Wut die Lust in Hollanders dunklen Augen auslöschen und er Ilya wegschubsen würde. Ob Ilya dabei zusehen müsste, wie er davongi…
„Bitte.“
Es war kaum mehr als ein Flüstern, aber dieses eine Wort von Hollander schoss durch Ilyas Körper. Er schaffte es gerade so, seine kühle Fassade zu bewahren. Statt jedoch dem nachzugeben, was sie beide wollten, reizte Ilya sein Glück weiter aus.
„Du willst, dass ich mich auf den dreckigen Klofußboden knie? Dafür musst du schon netter fragen, Hollander.“
„Bitte“, sagte Hollander erneut, diesmal mit angestrengter, zittriger Stimme; wahrscheinlich, weil es ihn so viel Kraft kostete, Ilya nicht einfach eine reinzuhauen. Oder vor Peinlichkeit zu sterben. „Knie dich hin und lutsch meinen Schwanz. Bitte.“
Ilya ließ seinen Blick über Hollanders Körper wandern und blieb dabei an der offensichtlichen Beule in Hollanders Smokinghose hängen. Ilya legte seine Hand über den glatten Stoff auf Hollanders Schwanz und genoss es, wie Hollander die Augen schloss und nach Luft schnappte.
Ilya beugte sich nach vorn, sodass seine Lippen am Ohr des anderen lagen, und sagte: „Nein.“
Hollanders Reaktion war noch besser, als Ilya gehofft hatte. Seine Augen öffneten sich augenblicklich, seine Stirn legte sich in Falten. „Was?“
„Nein. Ich werde hier drin nichts mit dir machen. Wir werden zurück nach draußen gehen, uns wieder auf unsere Plätze setzen und später zur Party gehen. Und dann, wenn du schon die ganze Nacht darauf gewartet hast, wirst du zu meinem Hotelzimmer kommen. Und vielleicht werde ich dann mehr mit dir machen, als nur deinen Schwanz lutschen.“
„Du lässt mich hier wirklich einfach so stehen?“, fragte Hollander, der offenbar Zeit schinden wollte.
„Ja. Für den Augenblick.“
Nach einigen Sekunden des Zögerns sagte er schließlich mit einer absurden Menge Gereiztheit in der Stimme: „Gut.“
„Aw. Ich mache dir ein Angebot: Wenn du heute Abend MVP wirst, blas ich dir einen, vögel dich … was auch immer du willst.“
Hollander starrte ihn an und Ilya konnte quasi sehen, wie er sich diesen Vorschlag durch den Kopf gehen ließ. Er würde einwilligen. Er würde einem solchen Angebot nicht widerstehen können. Nicht, nachdem Ilya einen Wettbewerb daraus gemacht hatte, bei dem es einen Gewinner und einen Verlierer gab.
„Und wenn du gewinnst?“
Ilya grinste; er kannte diesen Mann so gut, ohne ihn wirklich zu kennen. „Ich lass es dich wissen.“
Jetzt wäre der Zeitpunkt, um zu gehen. Hollander einfach verwirrt und erregt zurückzulassen, und ohne dass Ilya ihm zeigte, wie sehr er auch ihn wollte. Aber jetzt, da sie endlich allein waren, konnte Ilya nicht anders, als dem anderen einen Kuss zu stehlen.
Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, packte er Hollanders Smokingaufschläge und küsste ihn. Der Kuss war hart und ungestüm und wahrscheinlich dringlicher, als es Ilya lieb war. Dennoch war es nicht die Art und Weise, wie er Hollander küssen wollte. Wenn er ihn jedoch so küssen würde, wie er wollte – seinen Mund langsam erkundend, sodass Ilya genug Erinnerungen daran in den langen Sommer mitnehmen konnte –, würden sie diese Toilette niemals verlassen.
Es war verdammt dumm.
Ilya ließ ihn los. „Viel Glück heute Abend.“
Dann ging er, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Warum war Ilya so nervös?
Er hatte (natürlich) die MVP-Trophäe gewonnen und wartete jetzt auf seinen eigentlichen Preis. Sex machte ihn nie nervös. Und das mit Hollander war einfach nur Sex. Vielleicht war er ein bisschen interessanter als die anderen, mit denen Ilya schlief. Und es machte mehr Spaß, ihn aufzuziehen. Und ja, er war heißer. Objektiv betrachtet.
Aber dennoch. Es gab keinen Grund für die Schmetterlinge in Ilyas Bauch.
In seiner Suite angekommen, zog Ilya die Jacke seines Smokings aus und legte seine Fliege ab, dann entledigte er sich seiner Schuhe und seiner Socken. Er fühlte sich überhitzt, dabei wollte er doch so wirken als hätte er alles ganz wunderbar unter Kontrolle – auch seine Körpertemperatur. Er öffnete die oberen drei Knöpfe seines Hemdes und dann nach einem Blick in den Ganzkörperspiegel noch einen vierten.
Er strich über seine zurückgebundenen Haare, um die Strähnen einzufangen, die dem Haargummi entkommen waren.
Jane: Ich bin da.
Ilya lächelte auf sein Telefon hinunter und die Schmetterlinge beruhigten sich auf der Stelle. Er öffnete die Tür genau in dem Moment, als Hollander auf der anderen Seite nach der Klinke griff. Ilya ging in die Mitte des Raums und drehte sich dann zu ihm um. Hollander trug noch immer die Jacke seines Smokings, hatte aber seine Krawatte abgelegt. Seine Wangen waren leicht gerötet – entweder, weil er sich so beeilt hatte, in Ilyas Hotelzimmer zu kommen, oder vom Alkohol.
„Bist du hier, um mich zu beglückwünschen?“, fragte Ilya ruhig.
„Scheint so.“
Ilya breitete im Scherz seine Arme aus und wartete darauf, dass Hollander genau das tat.
„Herzlichen Glückwunsch“, sagte er und klang dabei nicht so, als würde er auch nur eine Silbe davon meinen.
„Danke. Und jetzt zieh dich aus.“
Zu Ilyas Begeisterung gehorchte Hollander sofort und auf eine Art und Weise, die ihm sehr ähnlich sah. Jedes Teil seines Anzugs wurde säuberlich gefaltet und über die Sofalehne gelegt, als müsste er den Smoking morgen noch einmal tragen. Ilya sah ihm dabei zu und fand die ganze Sache eher amüsant als verführerisch.
„Sollten wir nicht …“, begann Hollander, als er nur noch seine Boxershorts trug. „Ich meine, da sind Fenster.“
„Wir sind in der sechzehnten Etage.“
„Ja, aber …“
So viel also dazu, Hollander gegen das Fenster zu vögeln, während der Vegas-Strip unter ihnen ausgebreitet lag. Aber naja; Ilya hatte eine Menge Ideen. Ohne ein weiteres Wort ging er ins Schlafzimmer, sodass Hollander ihm folgen musste. Er zog die Vorhänge zu, aber ließ nicht zu, dass Hollander sich zu sehr entspannte.
„Aufs Bett“, sagte Ilya bestimmt, ohne ihn anzusehen. Als er sich ihm endlich zuwandte, befand sich Hollander bereits auf dem Bett, immer noch in seiner Unterhose. Seine Haut sah im gedimmten Licht makellos und golden aus, seine Haare waren ein wenig unordentlich, nachdem er sich ausgezogen hatte. Gedankenverloren kaute er auf seiner Unterlippe und starrte Ilya an, als erwarte er weitere Anweisungen.
Ilya verließ den Raum.
Er hätte Hollander nicht in sein Hotelzimmer einladen sollen. Sie hatten es geschafft, sich monatelang aus dem Weg zu gehen, und Ilya hätte es einfach so weiterlaufen lassen können. Für immer. Denn das machte Sinn. Shane Hollander, der ausgestreckt auf Ilyas Bett lag, als wäre er sein verdammter Preis, machte keinen Sinn. Dass er sich mehr danach sehnte, Hollander in seine Arme zu nehmen und ihn die ganze Nacht festzuhalten als ihn zu vögeln, machte keinen Sinn. Dass Ilya wusste, dass er niemals wieder aufhören könnte, wenn er ihn einmal küsste, machte ganz und gar keinen Sinn.
Heute Nacht musste er vorsichtig sein.
Ilya goss sich einen Wodka ein, kippte ihn hinunter und füllte sich nach. Nachdem er einmal tief durchgeatmet hatte, um sich zu beruhigen, kehrte er mit dem Glas in seiner Hand ins Schlafzimmer zurück. Hollander lag immer noch auf dem Bett, wartete immer noch. Gott.
Ilya setzte sich auf den Stuhl, der am Fußende des Bettes stand, und trank still einen Schluck Wodka. „Mm. Ich bin beeindruckt von diesem Hotel. Dieser Wodka ist nicht leicht zu finden.“
„Okay“, sagte Hollander. In seiner Stimme schwang klar und deutlich Ungeduld mit, was Ilya nur dazu animierte, das Ganze noch ein wenig mehr in die Länge zu ziehen. Statt diesem Gefühl jedoch nachzugeben, entschied er sich, Hollanders Grenzen auszuloten.
„Fass dich an.“
Hollanders Augen wurden groß. „Was?“
So etwas hatten sie noch nie zuvor getan. Vielleicht hatte Hollander ein paarmal träge über seinen Schwanz gestrichen, während er darauf wartete, dass Ilya sich das Kondom überzog, oder ein bisschen weniger träge, um sich zum Höhepunkt zu bringen, während Ilya in ihn stieß. Aber noch nie so.
„Zeig es mir“, wurde Ilya deutlicher. „Lass mich dir zuschauen.“
Hollander schien dadurch nicht weniger verwirrt. „Du … was?“
„Ist meine Nacht, Hollander. Ich will dir zusehen.“
Röte breitete sich auf Hollanders Wangen, seinem Hals und bis hinunter auf seine Brust aus. „Ich … ich habe noch nie …“
Natürlich hatte er noch nie, und genau deswegen wollte Ilya, dass er es jetzt tat. Für ihn. „Das dachte ich mir schon. Also, zeig es mir. Wie berührst du dich, wenn du allein bist, Shane Hollander?“
Für einen langen, angespannten Augenblick schwiegen beide, wobei sie sich jedoch mit ihren Blicken gefangen nahmen. Ilya würde ganz sicher nicht als Erster die Stille brechen. Er trank einen weiteren Schluck Wodka und wartete.
„Dann gib mir etwas von dem Wodka“, sagte Hollander schließlich. „Ich bin zu nüchtern dafür.“
Ilya hätte am liebsten triumphierend die Faust in die Luft gereckt, aber er blieb cool. „Nein. Den Wodka kannst du danach haben. Als Belohnung.“
„Fick. Dich.“
Ilya genoss das Ganze. Er hatte vergessen, wie viel Spaß er mit Hollander hatte. „Ist guter Wodka! Komm schon. Schau dir deinen armen Schwanz an, Hollander. Gib ihm ein bisschen Aufmerksamkeit, ja?“
Die Beule in Hollanders Unterhose war schwer zu ignorieren. So sehr er auch aussah, als würde er Ilya am liebsten schlagen, so sehr musste er sich danach verzehren, sich endlich anzufassen.
„Schließ deine Augen“, meinte Ilya ermunternd. „Stell dir vor, du bist allein. Wie fängst du an?“
Daraufhin legte Hollander seine Hand schließlich langsam auf seinen Bauch. Er hielt seine Augen geschlossen, während er seine Finger sanft über seine Haut gleiten ließ, sodass er sie nur gerade so berührte. Aus irgendeinem Grund machte ihn dieser Anblick mehr an als alles, was Ilya bisher erlebt hatte. Hollander war nervös, aber er tat es. Für Ilya.
PART 4
Als Hollander schließlich seine Hand auf seine Erektion presste, war es, als hätte er damit einen Schalter umgelegt. Seine Nervosität war wie weggeblasen, als er kehlig aufstöhnte und die Show beginnen ließ.
Ilya war von dem Anblick gefangen, beeindruckt und so erregt, dass es ihn alle Kraft kostete, weiterhin cool zu bleiben. Er lehnte sich begierig in seinem Stuhl nach vorn, was ihm erst auffiel, als Hollander seine Augen öffnete und seinen Blick einfing.
Ilya kämpfte um seine Selbstbeherrschung. „Komm schon, Hollander“, brachte er hervor. „Ich will alles sehen.“
Hollander schob seine Unterhose von den Hüften, bis sie sich über seine massiven Oberschenkel spannten. Sein Schwanz tropfte bereits.
„Berühr dich“, hörte Ilya sich selbst sagen. „Sorg dafür, dass du für mich kommst.“
Hollander verteilte langsam einen cremigen Lusttropfen auf seiner Schwanzspitze, während er Ilyas Gesicht dabei nicht aus den Augen ließ. Ilya stand kurz vorm Herzinfarkt.
„In der Schublade ist Gleitgel“, sagte Ilya mit einiger Schwierigkeit, denn fast wäre ihm das Wort Schublade nicht eingefallen, oder Gleitgel oder der. Er hatte definitiv nicht mehr die Kontrolle über die Situation. „Neben dem Bett.“
Als würde Hollander diese Selbsterkenntnis bestätigen wollen, sagte er: „Bring es mir.“
Ilya brachte es ihm. In einem kindischen Versuch, besagte Kontrolle wiederzuerlangen, entzog Ilya die Tube Hollanders Reichweite, als dieser danach griff. Dann warf er sie aufs Bett und genoss es, zu sehen, wie Hollander sie sich wütend angelte.
Er wollte mehr von dieser Wut.
„Willst du wissen, wie es sich anfühlt?“, fragte er, während er sich wieder auf seinen Stuhl setzte.
„Wie sich was anfühlt?“
„Der Cup. Willst du wissen, wie es sich anfühlt, den Stanley in Händen zu halten?“
Hollanders Blick war wutentbrannt. „Oh, fick dich.“
Ilya lachte. „Ich kann es eh nicht beschreiben. Unmöglich.“
„Ich werd es selbst bald rausfinden.“
Daran zweifelte Ilya nicht. „Natürlich. Und jetzt zeig mir, wie du es magst, Hollander.“
Hollander gehorchte. Er machte es sich selbst ohne jede Scham und so eifrig, als hoffte er danach auf positives Feedback. Er war atemberaubend schön, und Ilya musste in ihm sein. Er konnte nicht einfach nur zusehen.
„Öffne dich“, forderte Ilya. „Mit deinen Fingern.“
Hollander gehorchte. Er tröpfelte Gleitgel über seine Finger und begann damit, seinen Eingang zu massieren. Ilyas Schwanz wölbte sich gegen seine Hose und seine Gedanken verflüchtigten sich vollends. „Ja“, sagte er, „lass mich sehen, wie du dich für mich öffnest.“
Diese Anweisung war vollkommen unnötig. Hollander hatte bereits einen Finger in sich. „Wirst du mich ficken?“
Ilya würde wahrscheinlich nie wieder aufhören. Noch nie in seinem Leben hatte er etwas mehr gewollt. „Werden wir sehen“, sagte er mit erstaunlich ruhiger Stimme. Er nippte an seinem Wodka und hoffte, sich nicht zu verraten.
Aber dann brach Hollander ihn mit einem einzigen Wort:„Bitte.“
Oh, Gott. Hollander bettelte. Ilya schluckte schwer. „Bitte, was?“
„Ich … Ich brauche …“
Ilya wollte, dass er es sagte. Er wollte, dass er Ilya sagte, dass er ihn ficken, ihn festhalten, bei ihm bleiben sollte. „Was brauchst du, Hollander?“
„Dich. Fick mich. Bitte.“
Dich hallte wie ein Echo in Ilyas Kopf wider, pochte wie das Blut in seinen Venen, als er aufstand. Er zog sich aus, kam jedoch nur bis zu seinem Hemd, bis Hollander auf allen Vieren sein Gesicht an Ilyas Schoß rieb.
Die englische Sprache verließ Ilya. Alles verließ Ilya, abgesehen von rasender Lust und einem noch schneidenderen, schmerzhafteren Gefühl, das Ilya dringend ignorieren musste.
„Warum musst es ausgerechnet du sein?“, sagte er laut auf Russisch. „Warum bist du so verdammt perfekt? Es ist furchtbar.“
Als Hollander seine Lippen um Ilyas Schwanz schloss, fragte er sich, ob Hollander eine Art Prüfung von Gott war, etwas, dem Ilya widerstehen sollte.
Sorry, Gott.
„Fuck, Hollander“, stöhnte Ilya, nachdem er sein Englisch wiedergefunden hatte. „Sieh dich nur an.“
Hollander hörte nicht auf und Ilya genoss es, so lange er konnte. Als er bereits gefährlich nah dran war, zu kommen, zog er sich aus Hollanders Mund zurück und sagte: „Dreh dich um.“
Ilya versuchte erst gar nicht mehr, cool zu sein; nicht, wenn Hollander ihm seinen Hintern so folgsam präsentierte. Ilya gelang es gerade so, das Kondom überzuziehen und Gleitgel auf seinem Schwanz zu verteilen, bevor er sich in Hollander versenkte und ihn ohne jede Eleganz oder Geduld nahm. Er trieb sich in ihn, wütend auf Hollander, dass es ihn gab, wütend auf sich selbst, dass er ihn brauchte. Wie ein Mantra sagte Hollander immer wieder „Bitte“, und Ilya versuchte sein Möglichstes, ihm alles zu geben, was er zu geben hatte.
Sein Orgasmus war heftig und wunderbar, und Ilya schrie auf, als er ihn zerriss. Am Rande bekam er mit, dass Hollander ebenfalls gekommen war, und wünschte sich, er hätte es gesehen. Er ließ seine Stirn zwischen Hollanders Schulterblättern ruhen, atmete schwer und sog Hollanders Geruch ein. Schließlich fiel er neben ihm aufs Bett.
„Gott, Hollander.“
Hollander sah vollkommen zerstört aus, seine Haut war gerötet, glänzte vor Schweiß. Er lächelte Ilya an und sagte: „Was ist jetzt mit dem Wodka?“
Ilya lachte und sein Herz machte einen Satz. „Ja. Gib mir eine Minute.“
Er wollte nicht aus dem Bett aufstehen, denn wenn er das tat, wäre all das hier vorbei. Hollander würde ihn nicht mehr so atemberaubend und verausgabt anlächeln. Er würde sich anziehen und gehen. Und Ilya wäre allein.
Er ließ sich Zeit, Hollander zu betrachten, und versuchte, sich jedes Detail dieses Augenblicks einzuprägen. Er wollte ihn küssen. Er wollte sich auf ihn rollen und ihn küssen, bis sie beide einschliefen. Er wollte ihn morgen früh küssen, und den ganzen restlichen Tag.
Ilya stieg aus dem Bett. Er wusch sich und brachte Hollander einen Waschlappen und ein Glas Wodka. Für sich selbst eine Zigarette und ein Feuerzeug. Ilya wollte, dass Hollander sich über die Zigarette aufregte, aber Ilya wusste, dass er diesen deswegen nicht weniger mögen würde.
Hollander sagte nichts zu der Zigarette, selbst dann nicht, als Ilya den Rauch in langen, unausstehlichen Wolken über das Bett, auf dem sie beide lagen, blies. Hollander nippte still an seinem Wodka, während Ilya darauf wartete, dass der Moment zerbrach.
„Gehst du bald zurück?“, fragte Hollander.
„Zurück?“
„Nach Russland. Über den Sommer.“
Ah, na also. Weg war der schöne Moment. „Ja.“
„Oh.“
Es überraschte Ilya, dass Hollander nach einer Weile fragte: „Warum?“
Gereizt antwortete Ilya knapp: „Es ist Zuhause.“
„Aber … bist du gerne dort?“
Hollander hätte Ilya genauso gut ein Messer zwischen die Rippen rammen können. Ilya spürte quasi, wie sich die Klinge drehte und seine Innereien aufschlitzte. Er hoffte, dass Hollander das Zittern seiner Hand nicht bemerkte, als er die Zigarette wieder zwischen seine Lippen schob. In diesem Moment wollte Ilya Hollander alles erzählen. Stattdessen schloss er nur seine Augen und sagte: „Ich sollte schlafen.“
„Oh.“ Hollander klang enttäuscht. Oder vielleicht nur peinlich berührt. „Ja. Ich sollte … Ich muss so oder so gehen.“
Ilya hielt die Augen geschlossen, damit er nicht dabei zusehen musste, wie er ging. „Ja.“
Er hörte Hollander durch die Suite gehen, erst im Schlafzimmer, dann im Hauptraum, während er seine Kleidung zusammensuchte. Ilya blieb auf dem Bett liegen.
„Bis bald“, sagte Hollander aus dem anderen Zimmer.
Ilya ließ seine Zigarette in Hollanders immer noch volles Glas fallen und sah dabei zu, wie die Asche etwas Reines und Perfektes in etwas Dunkles und Hässliches verwandelte. „Bis dann, Hollander.“
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