Eine völlig neue Szene aus Heated Rivalry das erste Mal auf Deutsch! Olympische Winterspiele 2018 – Kurzgeschichte
Diese Szene wurde von Rachel Reid ursprünglich auf ihrer Website veröffentlicht. Shane und Ilya verfolgen darin ein fiktives Endspiel zwischen Kanada und Russland während den Olympischen Winterspielen 2018. Die Szene wurde letztlich gestrichen, weil bereits mehrere Telefongespräche geplant waren und sich außerdem die zeitliche Struktur des Buches änderte: Heated Rivalry endet 2017, weshalb die Olympischen Spiele 2018 gar nicht vorkommen konnten. Zusätzlich entschied sich die Autorin später dafür, Ilya zum einzigen russischen Spieler im Bostoner Team zu machen, während er in dieser Szene noch russische Teamkollegen hat. Viel Spaß beim Lesen!
Montreal, Februar 2018
Lily: Ich wünschte, wir könnten an den Olympischen Spielen teilnehmen.
Shane lachte, während er auf sein Handy schaute, und schrieb dann:
Shane: Tatsache. Das erwähnst du ungefähr in jedem Interview.
Lily: Du schaust dir meine Interviews an?
Shane: Kein Kommentar.
Lily: Russland spielt morgen gegen Kanada.
Shane: Ach, echt? Interessiert in Kanada kaum einen.
Lily: Du bist ’ne bösartige Bitch.
Shane grinste, aber entschied sich nett zu bleiben.
Shane: Kannst du morgen das Spiel schauen?
Lily: Ja, bin zu Hause.
Shane: Ich auch.
Shane ertappte sich bei dem Gedanken, wie viel Spaß es wohl machen würde, das Spiel mit Ilya zu gucken. Irgendwo gemütlich auf einer Couch, mit Bier und Snacks.
Das wäre bestimmt fast genauso gut, wie gegen ihn um die Goldmedaille zu spielen.
Die Liga verkündete bereits seit Jahren, dass die Olympischen Spiele von 2014 die letzten seien, an denen NHL-Spieler teilnehmen durften. Trotzdem wusste Shane, dass Ilya die Hoffnung gehegt hatte, 2018 doch irgendwie bei den Spielen dabei sein zu können. Und Shane hatte es sich für ihn gewünscht.
Boston, am nächsten Tag
Ilya beschloss, aus dem Spiel eine Party zu machen. Also lud er seine zwei russischen Mitspieler Anton Mironov und Lev Koslov ein und bestellte bei einem russischen Restaurant eine aufwendige Platte mit geräuchertem Fisch, Kaviar, Plinsen und sauer eingelegtem Gemüse. Außerdem stellte er sicher, dass er genug guten Wodka in seinem Gefrierschrank und eine Auswahl an russischem Bier in seinem Kühlschrank hatte.
Das Einzige, was er mit diesen Mitspielern gemeinsam hatte, war ihre russische Herkunft. Trotzdem war es entspannend, ausnahmsweise einen Nachmittag lang nicht mit der englischen Sprache kämpfen zu müssen. Anton war ein stiller Bauernjunge, der immer noch jeden Sommer nach Hause reiste, um dort auf dem familieneigenen Bauernhof auszuhelfen. Er war ein solider Verteidiger, der sich ausschließlich auf seine Aufgaben konzentrierte und ansonsten nicht weiter auffiel. Oft redete er davon, die NHL zu verlassen, um in Russland eine Familie zu gründen.
Lev war Bostons Ersatztorwart. Ehrlich gesagt war er ein ziemliches Arschloch. Und außerdem mit Sicherheit homophob.
„Ist doch totale Scheiße, dass wir da nicht mitspielen dürfen“, meinte Lev.
„Ja“, stimmte Ilya zu, obwohl er ganz bestimmt der Einzige hier war, der es ins Team geschafft hätte. Wen zum Teufel wollte Lev verarschen?
„Wenn NHL Spieler dieses Jahr bei Olympia dabei sein dürften, würde Russland Kanada zerstören“, fuhr Lev fort. „Die kanadischen Stars sind doch alle nur Pussys, so wie Hollander.“
„Mmh“, brummte Ilya nur.
„Fuck. Genau“, stimmte Lev ihm zu, als hätte Ilya irgendetwas Entscheidendes zum Gespräch beigetragen. „Hollander lässt sich bestimmt in den Arsch ficken.“ Er lachte und legte sich etwas Räucherlachs auf.
„Meinst du?“, fragte Ilya ruhig.
„Na, klar. Jede Nacht. Seine Mitspieler stehen wahrscheinlich Schlange.“
Ilya schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck aus seiner Bierflasche. Lev hatte keine Ahnung.
Ilya wünschte sich, dass Roman Ivanov noch Teil des Teams wäre. Bevor er in der letzten Saison getauscht worden war, war er Ilyas bester Freund im Team gewesen. Neben der Sprache und dem Glauben, dass die besten Eishockeyspieler aus Russland kamen, hatten sie noch einige andere Dinge gemeinsam gehabt. Obwohl sie nie offen darüber gesprochen hatten, glaubte Ilya, dass Roman seine Vorsicht gegenüber Russland teilte. Ilya liebte sein Heimatland, aber fürchtete es zugleich. Das würde er aber niemals laut sagen. Russische Prominente mussten vorsichtig sein. Und das in einer Art und Weise, die amerikanische und kanadische Superstars nie verstehen würden.
Aber heute ging es um Eishockey und darum, dass Russland bewies, dass es das beste Team der Welt war. Und dass die Olympischen Spiele von 2014 einfach nur eine unglückliche Ausnahme gewesen waren. Ilya hatte sein Land enttäuscht und jetzt lag es an diesen Männern, das wieder zu richten.
Kanada machte das erste Tor. Lev beschimpfte den Bildschirm und Anton seufzte nur leise.
Ilyas Handy leuchtete auf.
Jane: Oh oh …
Ilya vergewisserte sich mit einem Blick zur Seite, dass ihn niemand beobachtete. Er grinste und schrieb:
Ilya: Ich mach mir da gar keine Sorgen.
Jane: Solltest du aber.
Ilya: Wo schaust du das Spiel?
Jane: Ich bin bei Hayden. Eine ganze Gruppe von uns ist hier. Und Haydens Familie.
Jane: Bei Hayden Pike, meine ich.
Ilya: Ich schaue mit Mironov und Koslov.
Jane: Scheiße. Wenn das Spiel vorbei ist, wird bei euch ganz schön miese Stimmung sein.
Ilya schüttelte den Kopf und, bevor er noch weiter darüber nachdenken konnte, schrieb er schon:
Ilya: Die ist jetzt schon mies. Die Typen sind Arschlöcher.
Jane: Ha!
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