Prolog
Ryan
September 2018
„Bist du glücklich?“
Ryan Price war sich nicht sicher, ob Coach Cooper wirklich ihm diese Frage gestellt hatte oder ob sie doch eher an seinen Computer gerichtet war, auf den er schon die ganze Zeit starrte. Um ehrlich zu sein, konnte sich Ryan schon gar nicht mehr daran erinnern, wie sich das überhaupt anfühlte – glücklich sein. Aber das zuzugeben, wäre ganz schön seltsam. „Klar“, sagte er also lieber.
„Super“, antwortete sein Coach abwesend. „Freut mich zu hören. Schon eine Wohnung gefunden?“
„Noch wohne ich im Hotel. Aber ich schaue mir …“
„Vermutlich bist du schon Experte, was Umzüge angeht.“ Coach Cooper blickte schließlich doch noch zu Ryan und grinste ihn an, als hätte er gerade den lustigsten Witz überhaupt gerissen. „Auch in Bezug auf Teams und Städte hattest du ja schon das volle Programm, was?“
„Ja.“ Ryan versuchte gar nicht erst, das Grinsen zu erwidern. „So ziemlich.“
Sein Coach lehnte sich zurück und verschränkte die muskulösen Arme vor der Brust. Bruce Cooper war wahrscheinlich in besserer Form als jeder Spieler der Toronto Guardians. Er hatte nie selbst in der NHL gespielt, aber seinen Körper hielt er in Bestform – als wollte er seine Spieler wissen lassen, dass er sich nur Schlittschuhe anzuziehen brauchte und jeden von ihnen zu jeder Zeit ganz einfach ersetzen könnte. „Nun, du weißt ja, warum du hier bist. Ich muss dir nicht sagen, was für eine Art Spieler du bist und was wir von dir erwarten. Du verstehst, was ich dir sagen will, oder?“ Sein Grinsen war verschwunden und er fixierte Ryan nun mit einem stechenden Blick.
Natürlich verstand Ryan, was er ihm sagen wollte. Es war das Gleiche, was alle seine Trainer zu ihm gesagt hatten, seit er siebzehn war: Wir wollen, dass du alle Gegner fertig machst, die einem unserer wichtigen Spieler auch nur zu nahe kommen.
„Ja, Coach“, erwiderte Ryan. Er hatte gerade das erste Training mit den Guardians hinter sich und es war … gut gelaufen. Ein paar Spieler hatten ihn neugierig angesehen, aber keiner war sonderlich nett zu ihm gewesen. Sein Ruf war Ryan anscheinend vorausgeeilt.
„Kent zu beschützen, hat oberste Priorität“, betonte der Trainer. „Er reißt gerne mal das Maul auf, aber wir wollen trotzdem nicht, dass er verletzt wird. Die gegnerischen Jungs werden es sich zweimal überlegen, ob sie sich wirklich auf ihn stürzen wollen, wenn sie wissen, dass sie dann den Preis dafür bezahlen müssen – du weißt schon, Pay the Price!“ Er grinste wieder.
Ryan wand sich innerlich. „Ja. Alles klar.“
„Sehr schön“, sagte Coach Cooper fröhlich. „Und dann wollte ich noch über etwas mit dir reden … du scheinst die Angewohnheit zu haben, mit deinen Mannschaftskameraden nicht gerade … gut zurecht zu kommen.“
Ryan Price fuhr mit der Zunge über die Rückseite seiner Vorderzähne und versuchte, die Rückstände der vier Rennies, die er noch schnell zerkaut hatte, bevor er in das Büro seines Trainers gegangen war, abzukratzen. Er wollte jedes Krümelchen der Kautabletten gegen Sodbrennen im Magen haben, wenn er sich dem hier stellte.
„Es ist ja nicht so“, versuchte Ryan zu erklären, „dass ich … ich mein, ich komme schon mit ihnen zurecht. Ich … bin wohl eben nur gerne für mich.“
Coach Cooper verzog das Gesicht. „Die Guardians sind aber ein Team, Ryan. Auf und neben dem Eis. Teams basieren auf Vertrauen und Kameradschaft.“
„Ich weiß. Und ich werde mich bemühen.“
„Gut zu hören“, erwiderte sein Trainer, als wäre das Problem damit gelöst. Doch Ryan rechnete gar nicht erst damit, dass er irgendwelche besonders starken Bindungen zu seinen Teamkollegen aufbauen würde. Er war von Natur aus sozial unbeholfen, schüchtern, litt unter einer diagnostizierten Angststörung, fürchtete sich vorm Fliegen und … ähm … ja, das auch noch – er war schwul. All das sorgte nicht gerade dafür, dass er in der guten alten Umkleidekabine besonders beliebt war.
Aber er würde sich wirklich bemühen.
„Noch was …“ Sein Coach senkte die Stimme und lehnte sich vor. „… du wirst doch nicht, na ja, hier auch so ausflippen, oder? Wie schon mal?“
Ryans Augenbrauen schossen in die Höhe. Wow. Das war ganz schön direkt. „Ich … äh … ich arbeite daran.“
Coach Cooper kniff die Augen zusammen. „Wie meinst du das, du arbeitest daran? Meditierst du oder machst Yoga oder was?“
„Nein. Na ja, auch. Aber eigentlich mache ich eine Therapie. Und mir wurde was verschrieben …“
„Also hast du's unter Kontrolle. Gut, gut.“ Der Coach wedelte mit der Hand und war sichtlich froh, dass das Gespräch nun damit erledigt war. „Bringen wir das Trainingslager hinter uns und dann wissen wir, welchen Platz du im Team einnehmen wirst.“
„Okay, Coach.“
Cooper wandte sich wieder seinem Computer zu. Ryan stand auf, nickte knapp und verließ das Büro. Das kurze Gespräch hatte sich nicht von dem unterschieden, das er mit seinem letzten Coach geführt hatte. Oder mit dem davor. Wir wollen, dass du auf dem Eis furchterregend bist. Und abseits des Eises ganz normal.
Ryan ging zurück in die Umkleidekabine, um sich für die Fitnesstests fertig zu machen, die diesen Nachmittag bei den Guardians anstanden. In der Kabine traf er auf Torontos Starspieler Dallas Kent, der sich mit dem anderen Starspieler, Troy Barrett, unterhielt. Für einen Hockeyspieler war Kent recht kurz geraten, hatte blonde Haare und blassblaue Augen. Ryan fand ihn nicht sonderlich attraktiv, was vor allem daran lag, dass Kent die Arroganz ins Gesicht geschrieben stand. Barrett war hübscher. Er hatte strahlend blaue Augen und dunkle Haare. Trotzdem war er überhaupt nicht Ryans Typ.
Ryan beschloss, dass er sich den Männern, die er auf dem Eis schützen sollte, auch gleich vorstellen könnte. Als er sich ihnen näherte, hörte er, wie Kent seine sexuellen Heldentaten der letzten Nacht bis ins letzte Detail vor Barrett ausbreitete. Kent würdigte Ryan keines Blickes, als dieser neben ihm stehenblieb. Stattdessen beendete er in aller Ruhe seine geschmacklose Geschichte.
„Gott, ich dachte, sie wird gleich ohnmächtig!“
Barrett lachte. Ryan räusperte sich und Kent blickte endlich zu ihm auf.
„Oh. Hey.“ In seiner Stimme schwang eine Spur Hohn mit.
„Hi“, sagte Ryan und kam sich ziemlich blöd vor. Er streckte seine Hand aus. „Ryan.“
Kent starrte auf Ryans dargebotene Hand, warf dann einen Blick zu Barrett und schüttelte sie schließlich. „Dachte, du wärst verrückt geworden.“
„Nein“, erwiderte Ryan. Er spürte, wie ihm die Hitze in die Wangen stieg. „Ich hab alles unter Kontrolle.“
Barrett grunzte. Kent sah Ryan an, als hätte er einen Haufen toter Schlangen vor sich. „Verdammt, das hoffe ich doch, Red.“
Ryan biss die Zähne zusammen. Auf diesen Namen würde er nicht reagieren.
„Ryan“, berichtigte er Kent. Ryan stellte sich gerade hin und drückte die Schultern durch. So wirkte er noch größer. Er ließ gerade genug von dem Monster erkennen, für das ihn alle hielten, um Dallas Kent klarzumachen, dass er sich mit Ryan Price gar nicht erst anzulegen brauchte. „Nicht Red.“
Kent hob beschwichtigend die Hände. „Wie auch immer, Mann.“ Er drehte sich wieder zu Barrett und erzählte einfach weiter. Als wäre Ryan gar nicht mehr da.
Ryan spürte, wie seine Brust eng wurde, als er zu seinem Spind ging. Glücklicherweise war er mittlerweile ziemlich gut darin, sich bei solchen leichten Attacken selbst zu beruhigen.
Einatmen. Bis zwei zählen. Ausatmen. Bis drei zählen. Einatmen. Bis drei zählen. Ausatmen. Bis vier zählen. Einatmen. Bis vier zählen. Ausatmen. Bis fünf zählen …
Alles war okay. Ihm ging es gut. Dallas Kent war ein verdammtes Arschloch, aber Ryan ging es gut.
Das ist nur ein Job. Das bist nicht du. Du bist mehr als nur dieser Job.
In jedem Job gab es doch so beschissene Mitarbeiter, oder?
Er atmete noch einmal ein und noch einmal aus. Um sich irgendwie zu beschäftigen, fing er an, in seiner Tasche herumzuwühlen.
„Soll ich dir ein Geheimnis verraten?“
Die unerwartete Frage schreckte Ryan auf. Er drehte sich um und sah sich Wyatt Hayes gegenüber, der schon seit Jahren Torontos Ersatztorwart war. „Klar.“
„Dallas Kent ist …“ Wyatt beugte sich ein bisschen vor und senkte die Stimme zu einem Flüstern. „… ein Drecksack.“
Vor Überraschung kam Ryan ins Stammeln. „Also … geht's nicht nur mir so?“
„Zur Hölle, nein. Aber er ist halt unser Superstar. Was soll man da machen?“
Ryan fielen da schon ein paar Sachen ein, die er nur zu gerne machen würde.
Wyatt lachte. „Heilige Scheiße, Price. Dein Gesicht! Du kannst ihm keine reinhauen!“
„Ich weiß. Wollte ich ja gar nicht.“
„Na ja, wenn du deine Meinung ändern solltest, sag Bescheid. Das will ich dann nämlich sehen!“
Ryan schüttelte den Kopf, doch er musste lächeln. Er kam zu dem Schluss, dass er Wyatt Hayes mochte. Das war doch schon mal was!
Er hatte gedacht, dass es diese Saison anders sein würde. Im Nachhinein wusste er nicht einmal mehr, warum. Seit seiner Zeit als Nachwuchsspieler hatte Ryan die Rolle des Enforcers, des Schlägers, in jedem Team, für das er spielte, einnehmen müssen. Begeistert war er davon nie gewesen. Wenn er Boxer hätte werden wollen, wäre er in die Fußstapfen seines Vaters getreten und einfach einer geworden. Doch er wollte Eishockey spielen.
Nachdem er erfahren hatte, dass er wieder einmal getradet worden war, hatte er den letzten Sommer mit hartem Training verbracht. Er hatte an seinem Skating gearbeitet, an seiner Geschwindigkeit und seiner Beinkraft und Ausdauer. In Buffalo, wo er zu diesem Zeitpunkt noch lebte, hatte er einen Trainer gefunden und sich den Arsch abtrainiert – Sprints, Ausfallschritte, Kniebeugen und noch zahllose weitere unmenschliche Übungen.
Zum Trainingslager in Toronto befand er sich daher in der besten körperlichen Verfassung seines Lebens. Er hoffte, dass man ihn nun endlich als Verteidiger ernstnahm. Doch obwohl er in den Fitnesstests alles geben würde, bezweifelte er, dass er die Meinung der anderen, was seine Rolle im Team anging, ändern konnte.
Gott. Ryan war sich nicht sicher, ob er noch lange so weitermachen könnte. Aber er würde es natürlich – denn was sollte er sonst machen? Sein Lebenslauf hatte nicht viel zu bieten.
„Bereit, durch die Hölle zu gehen?“, fragte Wyatt. Ryan wusste, dass sich seine Frage auf die Fitnesstests bezog, aber er dachte an die ganze Saison.
„Klar“, sagte er. „Bringen wir's hinter uns.“
Kapitel 1
Fabian
Fabian Salah hasste Eishockey.
Und offensichtlich fand heute irgendein Spiel statt, denn die U-Bahn war voller Leute in den blauen Trikots der Toronto Guardians. Fabian würde sich zu gerne hinsetzen. Er mochte es nicht, zwischen all diesen langweiligen Ignoranten stehen zu müssen, die ihn zu verurteilen schienen. Mindestens einer dieser dämlichen Sportfreaks starrte Fabian schon gehässig und voller Verachtung an.
Fabian hielt die Augen gesenkt und hinderte sich so selbst daran, den höhnischen Blick zu erwidern.
Nur noch drei Haltestellen und dann bist du schon zu Hause, beruhigte sich Fabian selbst.
Ein kleines Mädchen, das die pinkfarbene Version des Trikots der Guardians trug (offenbar konnte man seiner Tochter ja nicht erlauben, eine andere Farbe als Barbiepink zu tragen) lächelte zu ihm auf. Er zwang sich ebenfalls zu einem Lächeln.
Es war schließlich nicht ihre Schuld, dass er so schlechte Laune hatte. Und es war auch nicht ihre Schuld, dass er Eishockey hasste – und die Leute, die es liebten. Außerdem konnte sie auch nichts dafür, dass ihre Eltern offenbar viel zu viel Wert darauf legten, das Geschlecht ihres Kindes durch ihre Kleiderwahl zur Schau zu stellen. Sie genoss es doch nur, einfach mit ihren Eltern unterwegs zu sein und ihre Heimmannschaft anzufeuern.
Fabian war sich sicher, dass das Team aus lauter heroischen, aufrechten jungen Männern bestand. Ganz bestimmt nicht aus einem Haufen homophober Alpha-Arschlöcher, die ihren Sieg heute Abend mit irgendwelchem ekeligen Alphamännchen-Zeugs feierten. Nein, natürlich nicht. Sein Leben lang war Fabian die Gesellschaft von Eishockeyspielern aufgezwungen worden und in dieser ganzen Zeit hatte er gerade mal einen kennengelernt, der kein totaler Vollpfosten gewesen war.
„Hast du da eine Gitarre?“, fragte ihn das kleine Mädchen in dem pinkfarbenen Trikot.
Fabian blinzelte. „Das ist eine Geige“, antwortete er so freundlich, wie es gerade eben ging.
„Gehört sie dir?“
„Ja.“
„Und kannst du sie auch spielen?“
Fabian lächelte. „Ja, das kann ich. Ich war ungefähr so alt wie du, als ich mit dem Spielen begonnen habe. Spielst du auch ein Instrument?“
Sie schüttelte den Kopf. „Aber ich singe und tanze gerne“, sagte sie.
„Ich auch.“
Die Mutter des Mädchens zog sie näher an sich heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr, das vermutlich ganz harmlos war. So etwas wie „Lass den netten Mann doch in Ruhe“ vielleicht, oder „Sprich nicht mit Fremden“. Doch Fabian konnte nicht anders, als sich vorzustellen, dass sie eher etwas in die Richtung „Sprich nicht mit Männern, die Eyeliner tragen und lackierte Nägel haben“ gesagt hatte.
Jedenfalls sprach das Mädchen nun wirklich nicht mehr mit ihm, doch den ganzen Weg bis zu seiner Haltestelle beobachtete sie ihn aufmerksam. Fabian war froh, als er in Wellesley endlich dem Pulk aus Eishockeyfans entkommen konnte.
Während er die Church Street herunterging, merkte er, wie die Anspannung, die die U-Bahn-Fahrt heute bei ihm verursacht hatte, langsam nachließ. Er hatte wirklich Besseres zu tun, als sich den Kopf über diese dämlichen Sportfanatiker zu zerbrechen. Schließlich hatte er es gestern Abend endlich geschafft, die Sache mit Claude zu beenden. Und zwar dieses Mal wirklich endgültig. Claude war nur der letzte in einer ganzen Reihe von egozentrischen Snobs gewesen, mit denen Fabian aus irgendwelchen Gründen ins Bett gegangen war. In seinen Augen hatten er und Claude nicht wirklich eine Beziehung geführt. Sie waren sich nur immer wieder auf irgendwelchen Veranstaltungen begegnet, was unweigerlich zu Sex geführt hatte. Aber Fabian hatte genug von dieser Scheiße.
Endlich ging es ihm wieder gut. Er war für einige Shows gebucht, sein neues Album war fast fertig und letzte Woche war er bei CBC Radio gewesen, wo er interviewt worden war und einen Auftritt gehabt hatte. Sogar seine Eltern hatten es sich angehört! Ein voller Erfolg für ihn. Wenn es so weiterginge, könnte Fabian bald seinen Teilzeitjob kündigen. Dann wäre er nämlich stinkreich und berühmt und könnte auf einer Privatinsel residieren, wo er nie wieder ein Eishockeytrikot sehen müsste.
***
Ryan
Ryan war sich ziemlich sicher, dass er einen hässlichen Schwanz hatte.
Der Typ auf seinem Laptop-Bildschirm, der sich gerade einen runterholte, hatte dagegen einen wirklich schönen Schwanz. Lang und gerade und nicht zu dick. Ganz glatt und beschnitten. Und seine Hoden waren perfekt rasiert. Der Schaft dagegen ragte stolz aus dunklen Locken.
Ryans Schwanz war dick und rot. Und seine Schamhaare sogar noch röter. Er versuchte ja, sie regelmäßig zu kürzen und alles irgendwie in Form zu bringen, doch sie waren genauso widerspenstig wie die Haare auf seinem Kopf oder sein Bart. Seine Eier waren auch zu groß und hingen schlaff herunter. Und sein Schwanz lugte aus einer viel zu großen Haube aus Vorhaut heraus. Die Eichel war dick und dunkel gefärbt und eine ziemlich auffällige Ader zog sich um seinen Schaft.
Und im Gegensatz zu dem Kerl in dem Video, das er sich gerade ansah, brauchte Ryan eine Ewigkeit, um zu kommen. Er war schon immer ein bisschen langsam beim Sex gewesen, aber seit letztem Jahr machte es ihm einige Mühe, überhaupt einen Orgasmus zu haben. Er wusste, dass das zum Teil an den Medikamenten lag, die er wegen seiner Angststörung einnahm.
Ryan schloss die Augen. Er wollte Mr Perfekter Schwanz nicht mehr sehen, sondern nur noch sein glückliches Stöhnen hören. Ryan atmete langsam ein und wieder aus und schaute dann zu seinem Schwanz herab.
„Okay, mein Freund. Wir schaffen das. Kein Druck. Wann immer du bereit bist. Aber versuchen wir doch dieses Mal, ans Ziel zu gelangen, ja?“
Er ließ es ruhig angehen, streichelte sich selbst nur leicht und nutzte dazu viel Gleitgel. In letzter Zeit klappte Sex – auch wenn er es sich selbst besorgte – nur mit viel Geduld. Und diese Tortur wollte er eigentlich keinem anderen, keinem möglichen Sexpartner, antun.
Der Typ auf dem Bildschirm hatte wirklich Spaß, er fluchte und japste nach Luft und versprach, dass er bald in einem Schwall kommen würde. „Angeber“, murmelte Ryan und begann, durch die Videovorschläge zu scrollen, die unter diesem aufgelistet waren. Er wusste, dass er noch eins brauchen würde.
Ryan war sich nicht sicher, wonach er eigentlich suchte. Er mochte die Videos, in denen sich ein Mann selbstbefriedigte. Denn das gab ihm das Gefühl, sich mit jemandem eine Erfahrung zu teilen. Er stellte sich dann vor, dass er derjenige wäre, der den bezaubernden Typ auf dem Bildschirm zum Stöhnen brachte.
Doch stattdessen saß Ryan allein in seinem Apartment und musste seinem Schwanz auch noch gut zureden.
Warum klappte das alles eigentlich nicht? Er war absolut geil, das war sicher. Schon seit Monaten war er mit niemandem mehr zusammen gewesen. Und sein letzter Orgasmus lag auch schon zwei Wochen zurück. Langsam spitzte sich die Lage wirklich zu.
„Nur ein kleiner Orgasmus, Kumpel. Na, wie klingt das?“
Es fühlte sich durchaus gut an, wenn er sich so streichelte. Na ja, jedenfalls fühlte es sich nicht schlecht an. Und er könnte ewig so weitermachen, einfach die kleinen Schauer der Lust genießen, die ihn überkamen, aber sich niemals bis zum Höhepunkt steigerten. Und das machte er auch oft. Er streichelte sich eine Stunde oder sogar länger und hatte einfach keinen Orgasmus. Es war schon irgendwie frustrierend. Aber heute war er fest entschlossen zu kommen.
„Oh, Scheiße“, keuchte der Kerl aus dem Video. „Oh, fuck … ich komme, ich komme …“
Und dann kam er. So ein Arschloch.
„Weißt du was?“, zischte Ryan seinen Schwanz an. „Heute habe ich das Sagen! Ich such jetzt ein anderes Video und das schauen wir uns beide an. Dann fang ich noch mal ganz von vorne an. Ich werde es zwar langsam angehen lassen – aber, verdammt noch mal, heute Abend kommen wir!“
Es war ja auch nicht so, dass es ihm gar nicht möglich war, zum Orgasmus zu kommen. Aber dafür musste er entspannt sein. Und er durfte sich nicht ablenken lassen, jedoch auch nicht zu konzentriert sein. Die Umstände mussten eben genau richtig sein – wie für den perfekten Schuss auf ein leeres Tor. Wenn er nur die richtige Mischung fände, könnte er auch kommen. Aber das war eine echte Herausforderung.
Deswegen war es jetzt auch an der Zeit, die schweren Geschütze aufzufahren. Er öffnete seinen Favoritenordner und klickte auf ein Video seines Lieblingspornodarstellers namens Kamil Kock. Der war klein und zart und ein bisschen feminin. Die linke Seite seines Oberkörpers schmückte ein aufwendiges Tattoo einer Pfauenfeder. Er hatte herrliche dunkle Augen und hellbraune Haut. Ryan hatte sich wirklich viele seiner Videos heruntergeladen.
„Schau mal“, sagte er zu seinem Schwanz. „Da ist Kamil. Und wir lieben Kamil.“
Sein Schwanz zuckte leicht. Immerhin ein Anfang.
Die folgenden siebenundzwanzig Minuten verbrachte Ryan damit, Kamil Kock dabei zuzusehen, wie der seinem schlanken, eleganten Körper Freude bereitete, aber auch damit, seinen eigenen Körper zu quälen. Kamil sprach in einem singenden Tonfall und an seinen langen, schmalen Fingern steckten kunstvolle Ringe. Er war auf eine Art und Weise schön, wie Ryan es niemals wäre.
Ryan stand ganz klar auf einen gewissen Typ Mann. Er mochte Männer, bei denen … sich die Grenzen ein bisschen verwischten. Androgynität fand er richtig sexy. Doch er fand nicht nur die körperliche Schönheit eines schillernden, zurechtgemachten Mannes anziehend, sondern war vor allem von dessen Selbstbewusstsein beeindruckt. Von dem Mut, offen zu sich zu stehen und es jedem zu zeigen, der etwas dagegen sagte. Das machte Ryan unglaublich an.
Er selbst hatte sich schon vor einer Weile geoutet. Doch auch wenn er seine Sexualität nicht bewusst versteckte, so redete er auch nicht darüber. Wenn er flachgelegt werden wollte, verabredete er sich online zu einem Treffen in der Stadt, in der er gerade war. So hatte er es im Laufe seiner Eishockeykarriere jedenfalls immer gehalten. Seine Mannschaftskameraden stellten keine Fragen. Vermutlich war es ihnen einfach egal, mit wem er rummachte. Da er jede Saison für ein anderes Team spielte, war es Ryan sowieso immer schwer gefallen, eine enge Bindung zu seinen Mitspielern aufzubauen.
All das spielte zusammen und sorgte dafür, dass Ryan schon seit fast einem Jahrzehnt als sexuell aktiver schwuler NHL-Spieler keine Beachtung fand. Doch jetzt, in dieser neuen Ära, wo Scott Hunter nach dem Gewinn des Stanley Cups seinen Freund live im Fernsehen geküsst hatte, war es wohl auch nicht mehr nötig, sich zu verstecken. Hunter war mutig genug gewesen, sich als Erster zu outen und jetzt war es kaum noch eine Nachricht wert, wenn ein NHL-Spieler queer war. So hatte einer der Torhüter von Vancouver diesen Sommer seinen langjährigen Freund geheiratet – einen kräftigen, älteren Typ, der sein Geld damit verdiente, Holzhütten zu bauen. Und ein Schwede, der für Los Angeles spielte, postete nun ständig Fotos von sich und seinem Freund auf Instagram. Der Freund war ein Model. Oder ein Instagram-Model. Oder so. Jedenfalls war er ein muskulöser, durchtrainierter heißer Kerl.
Eine Sache war Ryan bei den Partnern der NHL-Spieler jedoch aufgefallen: Sie waren alle sehr maskulin. Der Freund von Scott Hunter war süß, aber nicht gerade das, was Ryan einen Twink nannte. Und die Bezeichnung Twink traf nicht einmal den Typ Mann, auf den Ryan stand.
Jedenfalls schien es plötzlich akzeptabel zu sein, dass ein NHL-Spieler einen festen Freund hatte. Doch Ryan vermutete, dass von Eishockeyspielern erwartet wurde, einen bestimmten Typ Freund zu haben. Und obwohl es Ryan zumeist egal war, was andere Leute von ihm dachten – er hatte ja nicht einmal einen Instagram-Account –, wollte er doch seine Entscheidungen wirklich nicht erklären müssen.
Außerdem hatte er noch ein Problem: Wenn er es mit schönen Männern zu tun hatte, wurde er einfach verdammt schüchtern. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie ihn überhaupt ansehen, geschweige denn berühren wollten. Daher hatte er auch nur selten die Männer abgeschleppt, die er wirklich wollte. Stattdessen hatte er sich mit denen zufrieden gegeben, die sozusagen mehr in seiner Liga spielten.
Einmal hatte sich ein junger Mann in New Jersey – ein atemberaubender junger Mann namens Anthony, um genau zu sein – überraschenderweise sehr für Ryan interessiert. Er schien Ryans Größe und seine Stärke zu lieben. Also waren sie für eine Weile recht gut zusammen gewesen. Doch dann wollte er, dass Ryan ihm wehtat, wenn sie Sex hatten. Er sollte ihm natürlich keine echten Wunden zufügen, aber Anthony wollte Schmerz empfinden. Und das konnte Ryan ihm nicht geben. Die meiste Zeit seines Lebens musste Ryan anderen körperlich wehtun und der Gedanke, dies nun auch noch im Bett tun zu müssen, verursachte ihm Übelkeit.
Das war es dann also mit Ryan und Anthony gewesen.
Er hoffte, dass Anthony bei einem anderen Mann gefunden hatte, was er brauchte. Bei einem Mann, der nicht wie Ryan einen Haufen Probleme mit sich herumschleppte.
Ryan wurde sich plötzlich bewusst, dass er eine Weile gedanklich völlig weggetreten war und nur noch mit leerem Blick auf den Bildschirm starrte, wo immer noch Kamil zu sehen war, der sich gerade mit einem Vibrator an seinem Eingang kitzelte. Ryan hielt seinen Schwanz noch locker in einer Hand, doch der wurde schon immer schlaffer.
Verdammt. Er hatte sich ablenken lassen. Jetzt war es vorbei.
Er ließ seinen Schwanz los und der plumpste, völlig erschöpft, auf seinen Oberschenkel.
Ryan beendete das Video und klappte seinen Laptop energisch zu. Scheiß blöde Medikamente. Scheiß blöde Angststörung. Scheiß blöde Pornostars mit ihren perfekten und funktionierenden Schwänzen.
Er rieb sich mit einer Hand übers Gesicht. Was für ein toller Fang er doch war! Vor ein paar Monaten hatte er sein Grindr-Profil gelöscht und nun überlegte er, ob er es wieder aktivieren sollte. Vielleicht sollte er auch gleich eine neue Beschreibung hinzufügen: Suchst du nach einer enttäuschenden Zeit mit einem struppigen Depp, der wahrscheinlich nicht mal kommt, wenn du ihm eine Stunde lang einen bläst?
Fuck! Ryan sollte lieber schlafen gehen.
„Wir versuchen es morgen Abend noch mal“, richtete er eine Warnung an seinen Schwanz. „Du, ich und Kamil. Und dann ziehen wir das durch.“
Sein Schwanz schien sich bei dieser Ankündigung tatsächlich noch weiter in seine Vorhaut zurückzuziehen.
„Ich sollte dich einfach abhacken bei all dem, was du mir antust“, murrte Ryan.
Kapitel 2
Fabian
Fabian fragte sich, ob ihm der flüssige Stila Enchantress Glitter & Glow-Lidschatten wohl stünde. Der war nämlich verdammt schön.
Er probierte ihn auf seinem Handrücken aus.
Wunderschön.
Er bewegte seine Hand im Neonlicht des Ladens hin und her und bewunderte den schimmernden Lidschatten. Die Farbe harmonierte wirklich gut mit seiner olivfarbenen Haut.
Fabian stellte den Tester wieder ins Regal und kehrte zu seinem Hocker zurück, der hinter dem Kosmetikcounter stand. Er setzte sich auf die Kante und schaukelt vor und zurück. Er langweilte sich zu Tode. Noch vierzig Minuten. Dann wäre seine Abendschicht im Savers Drug Mart endlich vorbei. Schon seit einer Stunde war kaum noch etwas los und Fabian wollte endlich nach Hause.
Er begutachtete sein eigenes Make-up im Spiegel, der vor ihm auf der Theke stand. Alles sah noch perfekt aus. Vor allem sein Lidstrich war ihm heute mit dem flüssigen Eyeliner richtig gut gelungen.
Eigentlich war er schon froh, dass er einen Job hatte, bei dem es ihm erlaubt war, derart wildes und experimentelles Make-up zu tragen. Wenn er schon ein schwarzes Hemd und schwarze Hosen tragen musste – das Standardoutfit der Angestellten in der Kosmetikabteilung bei Savers –, konnte er sich wenigstens in seinem Gesicht kreativ austoben. Der Job war zwar nicht im Geringsten glamourös – da wäre selbst die Arbeit in einem Kosmetikgeschäft in der Mall glamouröser! –, aber wenigstens nicht so erdrückend wie so manch anderer. Hier durfte er immerhin er selbst sein.
Die automatischen Schiebetüren öffneten sich und Fabian blickte auf. Er sollte so viele Kunden wie möglich herzlich begrüßen, wenn sie in den Laden kamen, doch bei dem Typ war er sich ziemlich sicher, dass der nicht hier war, um Kosmetik zu kaufen. Er war riesig, hatte einen buschigen Vollbart und lange rote Haare schauten unter seiner grauen Mütze hervor. Irgendwie erinnerte er ihn an einen herbstlichen Nikolaus.
„Guten Abend“, begrüßte Fabian ihn dennoch fröhlich. Der Mann wirkte überrascht und blickte sich suchend um, bis er Fabian bemerkte. „Kann ich Ihnen he…“
Heilige. Scheiße.
„Ryan?“, platzte Fabian heraus, bevor er sich zurückhalten konnte. Selbst wenn es wirklich Ryan Price war, würde der ihn doch bestimmt nicht erkennen. Würde sich vielleicht nicht einmal mehr an Fabian erinnern.
Der Mann, der vielleicht Ryan Price war, starrte Fabian mit offenem Mund und großen Augen an. „Ja?“, erwiderte er schließlich.
„Entschuldigung“, sagte Fabian schnell. „Du erinnerst dich vielleicht nicht mehr an mich. Wir …“
„Fabian.“ Ryans Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Fabian strahlte. „Du erinnerst dich doch!“
Ryan nickte. „Fabian“, sagte er noch einmal.
Fabian kam hinter der Theke hervor und ging zu Ryan. Kurz vor ihm blieb er stehen. Ryan bewegte sich nicht.
Ryan. Fucking. Price.
„Schau dich an“, sagte Fabian. „Du bist … riesig.“
Er war sogar noch größer, als Fabian ihn in Erinnerung hatte. Ganz offensichtlich war er seit seinem siebzehnten Lebensjahr also noch gewachsen. Doch das war Fabian auch. Ein bisschen jedenfalls. Er war jedoch wahrscheinlich immer noch rund dreißig Zentimeter kleiner als Ryan. Und dann der Bart – eigentlich sein gesamter Look – ließ Ryan wie einen knorrigen Biker oder Wikinger wirken. Als Fabian ihn das letzte Mal gesehen hatte, war sein rotes Haar kurz und sein Gesicht ganz glatt gewesen.
Ryans Gesicht verzog sich zu einem schüchternen Lächeln. „Ich hätte dich fast nicht erkannt“, meinte er leise. Da kam Fabian der Gedanke, dass Ryan vielleicht wegen seines (makellosen) Augen Make-ups etwas irritiert sein könnte. Der Gedanke allein, ob begründet oder nicht, sorgte dafür, dass sich Fabian gerader hinstellte. Sollte Ryan doch irgendwas dazu sagen!
„Du siehst gut aus“, war jedoch alles, was Ryan herausbrachte.
Oh.
Fabian entspannte sich wieder. Scheinbar musste er hier keinen Kampf ausfechten. „Also, was führt Ryan Price nach Toronto?“, fragte er.
Ryans Lächeln wurde breiter und der Ausdruck in seinen Augen wärmer. „Eishockey. Ich spiele für die Guardians.“
Wie peinlich. „Ich hätte es wissen müssen“, erwiderte Fabian. „Entschuldige. Ich bin leider immer noch kein Eishockeyfan.“
Ryan lachte. „Schon gut.“ Einen Moment lang herrschte eine seltsame Stille, die Ryan schließlich durchbrach. „Machst du noch Musik?“
Fabian begann zu strahlen. „Oh, ja. Das hier“, er fuchtelte in der Gegend herum, „ist nur ein Nebenjob. Musik ist meine große Leidenschaft.“
„Hast du … eigene Songs? Also, welche, die du selbst geschrieben hast?“
„Größtenteils, ja.“
„Das ist klasse! Trittst du auch auf?“
„Tue ich. Ich spiele oft hier im Village. Aber auch in der ganzen Stadt. Und manchmal auch in anderen Städten. Nächsten Samstag trete ich im Lighthouse auf.“
Ryan runzelte die Stirn. „Im Lighthouse? Gibt es hier einen Leuchtturm?“
Oh nein. Ryan Price war immer noch so niedlich. „Nein“, lachte Fabian. „Das Lighthouse ist eine Bar, gleich hier in der Nähe.“
„Oh.“ Ryan wurde knallrot. „Ja, klar, das macht Sinn.“
„Genau. Bei der Veranstaltung werden Spenden fürs Tierheim gesammelt. Und die Location ist ziemlich groß. Das wird bestimmt gut.“
„Oh. Cool.“ Ryan blickte zu Boden. Dann wieder hoch zu Fabian. Dann auf einen Punkt hinter ihm. „Ähm … ich muss noch ein Rezept einlösen, also …“
„Klar! Ich will dich nicht aufhalten.“
„Ja. Also … äh … es war schön, dich mal wieder zu sehen.“
„Dich auch. Und herzlichen Glückwunsch? Weil du bei den Guardians spielst? Ich denke mal, dass muss ein großes Ding sein.“
Das brachte Fabian ein weiteres herzliches Lächeln ein. „Danke.“ Dann drehte sich Ryan um und ging weiter nach hinten in den Laden.
Fabian schlang die Arme um sich. Plötzlich fühlte er sich total entblößt und irgendwie merkwürdig. Er hatte nicht damit gerechnet, Ryan jemals wiederzusehen. Und plötzlich fühlte er sich in die Zeit zurückversetzt … damals als er siebzehn und völlig verwirrt war, weil er sich in den Eishockeyspieler verknallt hatte, der für nicht einmal ein Jahr bei seiner Familie untergekommen war.
Fabians Eltern hatten jahrelang Spieler aus dem Juniorenteam der Halifax Breakers bei sich zu Hause aufgenommen. Fabian hatte es immer genervt und er war den unausstehlichen Sportfreaks, die jeden Winter sein Zuhause belagerten, aus dem Weg gegangen. Und ehrlich gesagt hatten sich die Eishockeyspieler auch überhaupt nicht für Fabian interessiert.
Bis auf Ryan.
Ryan war anders gewesen. Und das hatte Fabian total aus der Bahn geworfen. Als Teenager war Fabian nur auf Krawall gebürstet gewesen. Er hatte einfach nicht verstecken können, dass er schwul war und sich daher hinter der Fassade eines selbstgefälligen Miesepeters in Schutz gebracht. Die meiste Zeit war er für sich geblieben, hatte sich seiner Musik gewidmet und jeden abblitzen lassen, der mit ihm reden wollte. So ein großer dämlicher Eishockeyspieler könnte ihm nicht wehtun, wenn Fabian sich einen Scheiß um ihn kümmerte.
Und genau deswegen war Ryan so gefährlich gewesen.
Ryan, der sich jetzt gerade hier in Fabians Laden befand.
Und da fiel es ihm endlich auf: Wenn Ryan in genau dieser Apotheke ein Rezept einlöste, hieß dies doch, dass er vermutlich auch in der Gegend wohnte. Und Fabian wohnte ebenfalls hier. Und außerdem handelte es sich bei dieser Nachbarschaft um die größte queere Gemeinde in ganz Kanada.
Was nicht unbedingt etwas bedeuten musste. Aber es war schon interessant. Also, irgendwie.
Fabian sah, wie Ryan wieder in Richtung Tür lief und den Laden verlassen wollte. In der Hand hielt er eine kleine, braune Papiertüte. Ryan wollte gerade nach draußen treten, als er noch einmal anhielt und sich zu Fabian umdrehte. Er warf ihm ein scheues Lächeln zu, winkte kurz und schon war er verschwunden.