Kapitel 1
Nova
»Ich kann es noch immer nicht glauben!«
Etwas in mir zuckt, als ich den Ring am Finger von Ann-Kathrine sehe. Schlicht, simpel und doch so viel mehr.
Meine Finger verharren über der Tastatur des Laptops, bereit das Reel zu beenden. Doch ich kann mich nicht rühren, nur weiter stumm zuschauen, wie glücklich sie ist, wie ihre Follower regelrecht durchdrehen.
Als er auftaucht, ist es der Todesstoß. Ihr Verlobter. Er fühlt sich eindeutig nicht wohl vor der Kamera und das macht es so verdammt authentisch. Und der Blick, den er ihr zuwirft – so voller Liebe, so voller Hingabe … Mir wird flau im Magen. Ich —
»Nova? Bist du noch da?« Die helle Stimme von Harper – meiner Agentin – dringt langsam wieder durchs Telefon bis zu mir vor.
Sofort switche ich wieder um, justiere mein Lächeln mit der gleichen Präzision, mit der ich jedes Jahr meinen Weihnachtsbaum schmücke, beziehungsweise schmücken lasse. Nicht zu gezwungen oder entspannt. Die perfekte Mischung aus Wärme und Mühelosigkeit. Ganz egal, ob sie es sehen kann oder nicht. Es ist Gewohnheit.
»Ja, natürlich.« Meine Stimme klingt so unglaublich müde. Wann habe ich das letzte Mal etwas gegessen?
Hinter mir funkelt eine fast vier Meter hohe, flockige Tanne. Goldene und kristallene Ornamente fangen das weiche Licht der Lichterketten ein. Designerverpackte Geschenke – natürlich leer – liegen kunstvoll unter dem Baum. Jinx, mein winziger weißer Pudel, thront auf einem rosafarbenen Kissen aus Kunstpelz, eine Paillettenschleife zwischen den Ohren. Er beobachtet mich mit schräg gelegtem Kopf, als ahne er, wie erschöpft ich bin.
»Gut, dann weißt du ja, was du zu tun hast. Du bist die Königin der Weihnachtsdekorationen. Nicht Ann-Kathrine. Du, Nova.«
Ich zucke zusammen. Blicke auf das Standbild ihres Reels. Ann-Kathrine ist jung, authentisch und auf dem besten Weg, mir meine Follower streitig zu machen. Nun noch mehr denn je.
In den letzten fünf Jahren habe ich mir als Christmas-Creatorin eine Marke aufgebaut, mich gegen die meisten Konkurrenten durchgesetzt und mich ganz weit nach oben an die Spitze katapultiert. Doch Ann-Kathrine hat es mit ihrer lockeren, authentischen Art geschafft, sich über die Massen zu erheben und mir viel zu nah zu kommen.
»Der Stream heute muss sitzen, Nova. Gib ihr keinen Raum, Verlobung hin oder her. Ich verlasse mich auf dich.« Damit legt sie auf und lässt mich mit diesem Gefühl der Leere zurück. Der Druck auf meiner Brust ist beinahe schmerzhaft. Das letzte Video lief gut, aber Ann-Kathrine hat es mit einem Post über ihren Welpen ausgehebelt. Ein süßes Hundebaby mit Santa Mütze? Dagegen kommt auch mein geliebter Jinx nicht an. Und jetzt das …
Mein Blick fällt auf das kleine samtbezogene Kästchen, das auf dem Beistelltisch neben dem Stativ liegt. Noch ungeöffnet, trotzdem weiß ich, was drin ist. Ein Marketinggag einer Luxus-Schmuckmarke. Es wurde zusammen mit einem handgeschriebenen Kärtchen geliefert:
Vielleicht findest du dieses Jahr den Richtigen unter deinem Baum … ;) Frohe Feiertage, dein Levalier-Team.
Wieder zuckt mein Blick zum Standbild auf meinem Bildschirm, direkt auf Ann-Kathrines Hand mit dem Ring.
Bevor ich wirklich begreife, was ich tue, habe ich den Laptop zur Seite gestellt, die Schatulle schon geöffnet und den darin befindlichen Ring angesteckt.
»Na, was meinst du?« Ich halte ihn Jinx hin. Der schnüffelt aufgeregt daran. »Wäre das ein Up- oder ein Downgrade?«
Der Diamant funkelt im Licht des Weihnachtsbaums. Fast wie ein Versprechen. Wie es wohl ist, verlobt zu sein? Sich auf ein Leben mit jemandem vorzubereiten?
Meine letzte Beziehung ist drei Jahre her und das Wort Beziehung muss dabei kleingeschrieben werden. Allein bei dem Gedanken an Kai schüttelt es mich. Nein. Das ist definitiv nichts für mich. Ich genieße meine Singlefreiheit.
Der Ring ist wirklich schön. Fein gearbeitet. Aber das ist nicht anders zu erwarten von Levalier.
Ich kichere, als Jinx über meine Hand leckt und sich dann provokant an mich schmiegt. »Ja, ich weiß, Baby, an dich kommt einfach kein Mann ran.« Lächelnd kraule ich seine Schulter, woraufhin er sich auf den Rücken legt und mir seinen Bauch präsentiert. »So ein braver Junge.«
Mein Handywecker schrillt auf und reißt mich augenblicklich ins Jetzt zurück. Verdammt, schon kurz vor acht!
Schnell montiere ich mein Handy auf dem Stativ und setze mich auf die Kante meines cremefarbenen Samtsessels. Ein rascher Blick in den Spiegel, um zu prüfen, ob alles sitzt. Meine Frisur ist leicht außer Form. Schnell binde ich die langen blonden Strähnen zu einem Messy Bun. Um das Make-up aufzufrischen, bleibt keine Zeit. Egal, ich lege einfach einen Filter darüber. Das Blau meiner Augen wirkt matt, aber dagegen kann ich nichts tun.
»Okay, dann wollen wir mal.« Mein gespielter Enthusiasmus täuscht nicht einmal Jinx, der gähnend eine Pfote über seine Augen legt. »Live in drei … zwei …«
Ich tippe auf den Bildschirm und gleite nahtlos in die Version von mir, die ich am besten kenne. »Hellooo, meine Glitzer-Gang!« Euphorisch und sympathisch, genau wie ich es eingeübt habe. »Kaum zu glauben, dass Weihnachten schon in vier Wochen ist, oder?«
Herzchen tanzen über den Bildschirm. Kommentare überschwemmen den Chat.
@chloes.crafts: OMG dieser Baum!
@glitterqueen: Dein Make-up ist PERFEKT
@gingerbreadgirl33: Darf ich bei dir einziehen??
Ich neige den Kopf, lache mit genau der richtigen Portion Freude und hebe meinen gebrandeten Pfefferminz-Latte in die Kamera.
»Ihr kennt mich: Koffein, gemütliches Chaos und tonnenweise Lichterketten! Gefällt euch die Tasse? Ist vom zauberhaften Team von Sip & Spark – natürlich unten verlinkt.«
@cozycornerdesigns: Ist das die Sip & Spark Collab-Tasse???
@nora_guiltless: Ich. Brauche. Die. Sofort!
Ich lehne mich ein wenig zurück, lasse meine Follower die ganze Szenerie bewundern: den flackernden Kamin hinter mir, den echten Schnee draußen vor den bodentiefen Fenstern. Letztes Jahr musste ich den noch faken, dieses Jahr scheint es kälter zu werden.
»Ich habe euch Weihnachtsmagie versprochen und ich liefere, Babes«, sage ich und schlage elegant die Beine übereinander. »Heute Abend gibt es meine zehn besten Last-Minute-Hacks für alle Aufschiebe-Königinnen und festlichen Könige da draußen.«
Während ich meine Liste präsentiere – von Mini-Geschenktürmen aus Badebomben bis hin zu essbaren Garnierungen für Drinks –, streue ich Sponsornennungen ein wie Kunstschnee.
»Dieser Schimmer-Lippenbalsam von Frosted? Ein Muss fürs Nikolaussäckchen. Er riecht nach Zuckerplätzchen.« Genussvoll verdrehe ich die Augen, obwohl ich nicht mal weiß, wann ich zuletzt ein echtes Plätzchen gegessen habe.
»Kränze aus Restgirlanden? Absoluter Gamechanger. Danke an Spring & Pine! Und Jinx‘ Schleife? Natürlich aus der Sparkle Pup Collection. Rabattcode in der Bio.«
Es fühlt sich mühelos an. Gewohnt. Harper hat recht, ich kann das. Ich mache das schon länger als Ann-Kathrine. Genau das hier ist, was ich mir in den letzten fünf Jahren erfolgreich aufgebaut habe.
»Okay«, sage ich schließlich nach einem Schluck viel zu kalten Kaffees, bei dem ich fast den Mund verziehe. »Wir haben noch Zeit für ein paar Fragen, bevor wir den cozy Abend ausklingen lassen.«
Ich scrolle durch die Kommentare.
@blitzenbabe: Du strahlst!
@merryandbrightxx: Was ist dein Lieblingsornament??
@holidayhannah: Wo ist dein Mann heute?
Ich lache, streiche mir eine Locke hinters Ohr. »Noch auf der Suche nach dem Richtigen«, sage ich mit einem Augenzwinkern.
Ich will gerade den Stream beenden, als mir noch ein Kommentar ins Auge fällt:
@lovemenot: Ist das ein VERLOBUNGSRING?
Mein Lachen gerät ins Stolpern. Unauffällig starre ich auf den Ring, der unschuldig an meinem Finger glänzt. Mein Herz rast – das ist nicht gut. Ich darf nicht noch mehr Follower verlieren. Nicht noch mehr Sponsoren an Ann-Kathrine abtreten.
Aber was kann ich tun? Ich habe keinen Mann. Keinen Verlobten, den ich präsentieren könnte.
Im Geiste höre ich schon Harper, wie sie mich kritisiert, wie dieser Patzer mich endgültig ins Aus befördert. Sie ist mit ihren 30 Jahren kaum vier Jahre älter als ich, strahlt aber eine Autorität wie eine Businesschefin in ihren 50ern aus. So oder so. Ich muss das richtigstellen. Sonst wird es nur schlimmer.
»Leider war Santa da bisher nicht so kooperativ, aber –«
Die Kommentare verselbstständigen sich bereits.
@engagedempress: NIEMALS
@cinnamoncurls_: ICH SCHREIE
@glittercupcakes: WER IST ER???
Ich setze ein charmantes Lächeln auf. »Es ist wirklich nicht …«
@eggnog1987: Komm schon, Nova. Du kannst es uns sagen! Wer ist es? :D
Die Zahlen steigen immer mehr. Ein Hashtag – NovaEllisEngaged – trendet bereits.
Mein Handy vibriert ununterbrochen. Nachrichten. E-Mails. Tags. Und Benachrichtigungen ploppen eine nach der anderen auf.
Ich erstarre für einen Moment. Spüre den Adrenalinstoß, den Rausch. Endlich bin ich wieder ganz vorne. Wenn auch vermutlich nur für einen Moment.
Dann kommt die Schuld. Gefolgt von Hilflosigkeit. Das ist falsch, alles daran. Dennoch lächle ich, halte weiter meine Pose, während ich fieberhaft überlege, wie ich da rauskomme. Die Fragen überschlagen sich, die Annahme wird zum Selbstläufer. Schließlich übernimmt die Panik.
»Ich verspreche euch, ich erzähle bald alles – heute Abend genießen wir einfach. Love you all. Gute Nacht!«
Ich beende den Stream. Kann endlich wieder atmen. Totenstille bricht über mir zusammen, verschluckt mich beinahe.
Jinx springt von seinem Kissen und tappt auf mich zu. Seine kleinen Krallen klackern auf dem Marmorboden.
Ich lasse mich nach vorne sinken, die Ellbogen auf den Knien abgestützt. Mein Handy liegt mittlerweile in meiner Hand, ich traue mich kaum darauf zu sehen. Der Ring glänzt wie ein Mahnmal im Schein des Weihnachtsbaums an meiner anderen Hand. Brennt förmlich auf meiner Haut.
Mein Herz hämmert wie verrückt. Auf dem schwarzen Handybildschirm starrt mir mein eigenes Spiegelbild entgegen. Meine Augen sind weit aufgerissen, mein Lächeln eingefroren, wie bei einer Schaufensterpuppe in einer Glamourpose.
»Was ist da gerade passiert?«, flüstere ich in die Stille meines Apartments.
***
Ein unaufhörliches Surren reißt mich aus dem Schlaf.
Ping. Ping. Ping.
Ich blinzle gegen das grelle Licht der Wintersonne, die durch meine Vorhänge linst. Blind greife ich nach meinem Telefon auf dem Nachttisch. Mein Herz bleibt beinahe stehen: zwanzig Nachrichten, zehn verpasste Anrufe – alle von Harper, die vermutlich bereits etliche Angebote eingeholt, geprüft und abgeschlossen hat – und mindestens ein Dutzend E-Mails. Mein Bildschirm glüht beinahe.
Schlagartig bin ich wach. Okay, das ist normal. Du kennst das. Du kannst das, Nova. Aber in mir übernimmt wieder die Panik. Genau wie letzte Nacht.
Ganz langsam lege ich das Handy zurück und stehe auf. Anziehen, ins Bad gehen. Fertig machen. Danach kann ich mich immer noch um mein Chaos kümmern.
Als ich schließlich in die Küche gehe, steht der Pfefferminz-Latte noch immer auf der marmornen Küchentheke. Perfekt, ansprechend – aber kalt und ohne Substanz.
Bevor ich mich der Realität stellen, irgendetwas filtern, sortieren oder denken kann, vibriert das Handy erneut.
Harper.
Dritter Anruf innerhalb der letzten fünf Minuten.
Ich stöhne leise, ziehe mir den seidigen Morgenmantel fester um den Körper und nehme ab.
»Nova!« Sie quietscht meinen Namen regelrecht ins Telefon vor Aufregung. »OMG! Du bist ein verdammtes Genie! Die Brautmoden-Marken drehen durch. Wir haben fünf große Angebote auf dem Tisch! Bachelorette-Content, luxuriöse Kleid-Sponsoring-Deals, Ringkooperationen … du nennst es, wir kriegen es!«
Ich zwinge ein Lächeln in meine Stimme, das ich absolut nicht fühle. »Richtig. Genie.« Mein Magen zieht sich zusammen, als würde ich eine Tasse Essig trinken.
»Levalier will eine Exklusivpartnerschaft! BridalGlow plant eine Sonderedition deiner Lieblingslippenstifte! Nova, das hier wird die Saison deines Lebens!« Harper lacht triumphierend. »Wir sind offiziell die Lovestory des Jahres. Ann-Kathrine ist Schnee von gestern. Nova Ellis ist wieder ganz vorne!«
Ich presse die Hand gegen meine Stirn. Wie kann ein kleiner Funke so schnell so viel Aufmerksamkeit entwickeln? Zu einem regelrechten Flächenbrand werden?
»Freust du dich nicht?«, hakt Harper nach, als ich nicht antworte.
Ich öffne den Mund, schließe ihn wieder. Was soll ich sagen? Dass es ein Versehen war? Dass meine Follower es falsch interpretiert haben?
»Nova? Bist du noch da?« Ungeduld schleicht sich in Harpers Ton.
»Natürlich. Ich bin … völlig überwältigt.« Wenigstens das stimmt.
***
Zwei Stunden später balanciere ich auf zehn Zentimeter hohen Stilettos durch die Eingangstür von Le Petit Jardin, unserem Stammcafé in Manhattan. Die Luft riecht nach Vanille und frischem Gebäck, für das ich zwar das Werbegesicht bin, das ich aber schon seit Jahren nicht mehr angerührt habe.
Harper winkt mir von unserem Lieblingsplatz aus aufgeregt zu. Dabei wippt ihr schwarzer Bob hin und her. Ihr Tablet liegt wie immer griffbereit neben ihr. Als ich nähertrete, erkenne ich Schlagwörter in unterschiedlichen Schriftarten: Bridal Bliss. Evergreen Engagement. Countdown to I Do.
Mir wird schwindlig.
»Setz dich!« Harper strahlt mit den Lichterketten hinter ihr um die Wette. Das wird offenbar nicht nur meine Saison des Jahres.
Ich zwinge meine Lippen zu einem charmanten Lächeln und lasse mich auf die samtbezogene Bank fallen. Harper schiebt mir einen Cappuccino zu und wischt zeitgleich auf ihrem Tablet herum.
»Hier ist der Plan«, sagt sie, ohne aufzusehen. »Im ersten Quartal launchen wir deine exklusive Engagement-Serie. Backstage bei Brautkleidanproben, Shootingtage in Designer-Locations, Story-Countdowns bis zum großen Tag … und das Wichtigste …« Jetzt sieht sie mich direkt an. Ihre braunen Augen blitzen. Mir schnürt sich augenblicklich die Kehle zu. Ich kenne diesen Blick. Sie wittert eine große Story. Kooperationsverträge. Geld. »Die Enthüllung deines Verlobten. Eigentlich sollte ich sauer auf dich sein, dass du mir das verschwiegen hast, aber für diese Zahlen lasse ich mich gerne jederzeit überraschen. Die Leute sind besessen. Wir müssen ihn liefern.«
Mein Herz setzt einen Schlag aus. Genau davor habe ich mich gefürchtet. Ich räuspere mich. »Richtig. Darüber wollte ich …«
Aber Harper ist schon wieder in Bewegung, tippt hektisch auf dem Bildschirm herum und zeigt mir ein Mock-up eines Werbeplakats. Nova Ellis und ein verpixelt dargestellter Mystery Man mit dem Hashtag: CountdownToLoveNova.
»Stell es dir vor!« Sie lehnt sich vor, ihre Stimme vibriert vor Aufregung. »Matching Pyjamas. Ein verschneites Berghotel. Tassen mit euren Initialen. Kuscheln vor dem Kamin. Das ultimative Wintermärchen!« Sie lacht glockenhell. »Und natürlich drehen wir Content für die Feiertage. DIY-Weihnachtsdeko, romantische Couple-Challenges, ein exklusives Engagement-Livestream-Event an Silvester. Nova, die Welt liegt uns zu Füßen!«
Ich nicke stumm, die Finger um die Kaffeetasse gekrampft.
Was soll ich sagen? Dass mein Verlobter genauso fiktiv ist wie der künstliche Schnee auf meinem Weihnachtsbaum? Dass ich in einem Anflug von Einsamkeit und Erschöpfung einen Ring übergestreift und der Welt aus Versehen die romantischste Lüge meines Lebens verkauft habe? Oder dass ich keine Ahnung habe, wie ich aus diesem Schlamassel wieder herauskommen soll?
»Wir brauchen ihn unbedingt«, sagt Harper jetzt eindringlich, als wäre sie sich meines inneren Zögerns bewusst. »Die Story lebt von ihm. Ohne ihn fällt das Kartenhaus zusammen. Sag mir bitte nicht, er ist kamerascheu. Das wäre im Moment –«
»Mach dir keine Sorgen. Ich bekomme ihn überredet. Er wird bereit sein.« Ich höre mich selbst sprechen, höre das falsche Versprechen in meiner Stimme, wie ich mir mein eigenes Grab immer tiefer schaufle. Am liebsten würde ich aufspringen und davonlaufen. Stattdessen lächle ich breiter. Nippe an meinem Cappuccino. Spiele die Rolle, die ich mir nicht ausgesucht habe, aber aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Tief in mir schreie ich. Laut. Verzweifelt. Verdammt! Wie komme ich da je wieder heraus?