Leseprobe Mord zwischen den Tönen | Ein Cornwall Cosy Crime

Kapitel 2

Um etwa halb vier gingen uns die Pies aus. Wir hatten noch nicht alles für den Tag gebacken, da wir bis elf Uhr dreißig noch nicht ganz aufgebaut und für die Öffentlichkeit zugänglich waren, aber trotzdem waren wir früher ausverkauft, als wir erwartet hatten. Es waren nicht mal mehr Hans Gruber Pies übrig. Ich hätte eine weitere Ladung in den Ofen schieben können, als uns die Bruce Willis Pies ausgingen, aber um ehrlich zu sein, konnten wir beide schon keine Pies mehr sehen, was nicht gerade eine rosige Aussicht war, da wir noch zwei volle Tage auf dem Festival überstehen mussten.

Außerdem waren wir, dank des Aussichtspunkts, auf dem wir uns befanden und der den Rest des Festivals überblickte, weniger gefährdet, von potenziellen Jongleuren und Idioten auf Einrädern belästigt zu werden, wir waren aber auch weit entfernt von dem Spaß, den alle anderen zu haben schienen. Ich hörte immer wieder Musikfetzen, die über die Brise zu uns herüber waberten, und ich begann, mich ausgeschlossen zu fühlen, trotz meiner Abneigung gegen Festivals.

Nathan reichte mir den letzten Pie und wandte sich mit einem flehenden Blick an mich. Ich lachte.

„Also gut, gehen wir hier raus, yippie-Pie-yay …“

Wir putzten alle Oberflächen (obwohl es nicht viel zu tun gab, da ich immer schon beim Arbeiten versuche, aufzuräumen, und ich hatte auf Nathan dieselbe Einstellung übertragen), dann wuschen wir uns kurz mit einem Eimer kalten Wassers und wechselten in T-Shirts, die keinen Hauch von Sauerkraut oder Hühnchen Teriyaki an sich hatten. Wir trotteten Hand in Hand an den anderen Essensständen vorbei und zum richtigen Festivalgelände.

Es war ein fröhlicher Wahnsinn. Es befand sich eine kleine Anzahl an Familien hier, Hippie-Eltern, die ihren anarchischen Kleinkindern nachsichtig hinterher blickten, die absolut außer Kontrolle waren und allen anderen in den Weg rannten, aber niemandem machte es etwas aus, weil sie süß oder betrunken waren (ich meine, die Kinder waren süß, nicht betrunken – die Leute, denen es nichts ausmachte, waren die, die betrunken waren, der kleine Timmy hatte kein Selbstgebrautes oder Ähnliches in seiner Schnabeltasse). Es war überraschend (für mich), wie viele mittelalte Raver und Stoner mit Happy-Mondays-T-Shirts hier waren, mit anständigen Campingbauten, weil sie natürlich alte Hasen im Geschäft waren und wussten, dass es sich lohnte, Geld in eine gute Luftmatratze zu investieren, damit man am nächsten Tag noch tanzen konnte. Und dann waren da die Jungen, die, die sich von ihren Eltern losreißen konnten (für ein paar Tage jedenfalls) und die alles mitmachen (und mitnehmen) wollten. Ich realisierte, zu meiner Erschütterung, dass meine eigene Tochter zu dieser Gruppe gehörte.

Wir beobachteten einen jungen Mann, in seinen frühen Zwanzigern, der allein tanzte, zu Gott weiß welchem Song, denn es war offensichtlich nicht zu dem, der im Moment auf der Bühne gespielt wurde. Er war gedanklich definitiv im Land der Fabelwesen von Cornwall, aber wenigstens schien er glücklich.

„Mach dir keine Sorgen“, sagte Nathan, der scheinbar meine Gedanken lesen konnte. „Daisy und ihre Freundinnen sind vernünftig. Die werden nicht so durchdrehen.“

„Nein“, sagte ich. Ich hoffte, dass er Recht hatte. Daisy und ich hatten vor kurzem das Gespräch über ‚die Bienchen und Blümchen‘ und über ‚bewusstseinserweiternde Mittelchen‘ geführt. Ich hatte dabei viel gelernt. „Ich hab ihr gesagt, dass es ganz natürlich ist, experimentieren zu wollen, aber dass man vorsichtig sein muss. Ich meinte, wenn sie irgendwelche Drogen nehmen will, soll sie erst die anderen probieren lassen und sehen, wie es ihnen nach einer Stunde geht …“

Nathan lachte. „Das klingt nach einer sehr pragmatischen Herangehensweise.“

„Wenn sie es wirklich probieren möchte, kann ich sie nicht aufhalten“, sagte ich.

„Nein. Ich habe ihr mehr oder weniger dasselbe gesagt.“ Nathan nickte hinüber auf die andere Seite des Feldes, wo zwei große Zelte errichtet worden waren, etwas abseits des Wahnsinns. „Ich habe ihr gesagt, wenn ihre Freunde irgendetwas mitgebracht haben, sollen sie es zuerst zum Drogentest-Zelt bringen, damit sie wissen, was da überhaupt drin ist.“

„Das wird sie vermutlich nicht machen, weil Debbie eine der Freiwilligen ist.“ Meine Freundin Debbie, eine Krankenschwester aus Manchester, war mit ihrem Ehemann Callum, einem alten Schulfreund von mir, nach Penstowan gezogen, nicht lange, nachdem ich zurückgekommen war. Wir hatten uns sofort gut verstanden.

„Und sie denkt, dass, wenn sie da Drogen zum Test bringt, würde Debbie dir das sofort sagen?“

„Ja. Was sie, um ehrlich zu sein, vermutlich tun würde …“

Wir gingen weiter, entfernten uns vom Campingplatz und liefen näher an die Bühne heran. Ein Meer an Musikliebhabern stand zwischen uns und der Band, die ich nicht kannte, aber sie könnten die letzten drei Jahre jede Woche Nummer Eins Hits gehabt haben (gab es so was heute überhaupt noch?) und ich hätte trotzdem nicht gewusst, wer sie waren. Ich mochte ihre Musik aber.

„Die sind gut, oder?“, fragte Nathan und nickte in Richtung Bühne.

„Ja, wer sind die?“

„Keine Ahnung.“ Er grinste mich an. „Wenigstens sehen sie nicht so aus, als würden sie jeden Moment in Inuitgesänge ausbrechen.“

„Und ich danke dem Herrn dafür!“

„Lass das nicht Carmen hören“, sagte eine Stimme hinter uns. Wir wandten uns um und entdeckten einen verschwitzten, aber glücklich aussehenden Mann im Foo-Fighters-T-Shirt. Tony Penhaligon war mein ältester Freund auf der Welt. Wir saßen am ersten Schultag nebeneinander und ich hatte es bisher nicht geschafft, ihn loszuwerden. Nicht, dass ich es wollte. Er hatte offensichtlich getanzt und sich köstlich amüsiert, obwohl, um ehrlich zu sein, war ‚Tanzen‘ sehr optimistisch ausgedrückt. Mit etwas mehr Enthusiasmus als Fähigkeiten herumzuzappeln war eine bessere Umschreibung von Tonys Herumwirbeln. „Wenn Carmen hört, was du für Sachen sagst, wird sie dich schneller taufen und dazu bringen, ihr im Friedenszelt zu helfen, als du ‚Ich bin Atheist‘ sagen kannst. Shirley war vorhin dort.“

„Mum war im Friedenszelt?“, fragte ich besorgt. „Alles gut bei ihr?“

„Ja, ja, sie hatte sich nur ein bisschen verlaufen.“

„Spirituell oder physisch?“, fragte Nathan. Tony lachte.

„Ein bisschen von beidem, denke ich … Nee, sie konnte ihre Freundin nur nicht finden. Diese komische Mittelklasse-Hippie-Frau? Ich glaube, sie war ein bisschen überfordert von dem Lärm und den Leuten, aber Carmen hat sie dazu gebracht, sich zu setzen und eine Tasse Tee zu trinken.“

„Ist sie immer noch dort?“

„Nein, ihre Freundin kam und hat sie gefunden. Ich glaube, sie hatten vereinbart, sich dort zu treffen, wenn sie getrennt werden.“

„Oh ja. Das hab ich Daisy auch geraten – Tante Carmen suchen, wenn sie Hilfe bräuchte oder wenn ihr alles zu viel wird und sie sich irgendwo ausruhen möchte.“ Ich grinste. „Ich glaube, sie ist ein bisschen genervt, dass so viele ihrer ‚Tanten‘ auf dem Festival anwesend sind, oder nicht, Nath?“

„Jap …“, sagte Nathan, in Gedanken verloren. Er beobachtete eine Gruppe nervöser, nerdiger Teenager-Jungs auf der anderen Seite des Feldes. Ich folgte seinem Blick und sah, wie sie einem größeren, älteren Kerl heimlich Geld zuschoben, der einen Kapuzenpullover trug, obwohl wir Temperaturen über zwanzig Grad hatten. Er übergab einem von ihnen etwas, sah sich aber vorher um, ob sie beobachtet wurden. Offensichtlich hatte er sich nicht genau genug umgesehen, denn er hatte mich oder Nathan nicht bemerkt.

„Nath, misch dich nicht ein …“, sagte ich. „Du bist nicht im Dienst.“

„Mach dir keine Gedanken“, sagte er. „Ich hab Urlaub. Den versaue ich mir nicht wegen denen.“ Und dann war er unterwegs zu ihnen. Ich tauschte einen Blick mit Tony aus und dann eilten wir ihm hinterher.

Der Typ in dem Kapuzenpulli war schon weggeschlendert, aber die beiden jüngeren sahen sich ihre Beute aufgeregt (und nicht besonders diskret) an. Nathan ging auf sie zu, ohne dass sie es bemerkten. Er legte eine Hand auf je eine Schulter der Jungs.

„Alles klar, Jungs?“, sagte er mit seinem stärksten Liverpool Akzent. Er schien ihn immer zu übertreiben – oder vielleicht nicht zu unterdrücken –, wenn er wollte, dass sich Menschen in seiner Gegenwart entspannten. Es klappte allerdings nicht, da die beiden vor Schreck aufsprangen. „Was habt ihr denn da?“

„Gar nichts!“, rief der erste Junge, der furchtbar unter Akne litt, obwohl, von seinem Geruch auszugehen, war das nichts, was vielleicht mit einer guten Seife und Clearasil gepflegt werden konnte.

„Was geht dich das an? Bist du Bulle?“, fragte der andere, der ein wenig mutiger war. Nathan grinste.

„Bin ich tatsächlich.“ Beide Jungs fielen in sich zusammen, hofften vermutlich, im rauen Gras unter ihren Füßen zu versinken. „Also, ich sollte euch eigentlich für den Besitz verhaften oder euch dazu bringen, euren Drogendealer-Kumpel zu verpfeifen. Aber ihr habt Glück. Ich hab Urlaub und will mich nicht mit Kleinkriminellen wie euch abgeben. Wie heißt ihr?“

„Spencer“, sagte der Picklige schnell. Der andere Junge sah ihn wütend an. „Was?“

„Du hättest ihm nicht deinen richtigen Namen nennen sollen, du Idiot!“

Hinter ihnen sahen Tony und ich einander an und mussten ein Kichern unterdrücken. Ich hatte diese Art von Unterhaltung schon so oft während meiner Zeit bei der Streife in London mitbekommen und es fühlte sich seltsam an, es hier zu sehen, aber auch bestätigend. Teenager, so schien es, waren alle gleich, egal wo sie lebten.

„Also gut, Spencer, siehst du das Zelt da drüben?“ Nathan zeigte auf das Drogentest-Zelt. „Ich will, dass du da rüber gehst und ihnen sagst, dass DCI Withers dich geschickt hat, um deine Pillen testen zu lassen. Ich will, dass du den netten Leuten da drinnen deinen Namen sagst. Und wenn du dann weißt, was in den Pillen ist, und sie dir gesagt haben, ob es sicher für dich ist, sie zu nehmen, liegt der Rest bei dir.“

„Du wirst uns nicht einbuchten?“ Der etwas clevere Junge sah, trotz seiner draufgängerischen Art, erleichtert aus. „Oder konfiszierst du die Pillen?“

„Was soll ich denn mit Etwas, das aussieht wie –“ Nathan blickte in die Hände des anderen Jungen, der die Tabletten hielt „– ein paar Aspirin und Magentabletten?“

„Magentabletten? Aber wir haben einen Haufen Geld –“

„Halt die Klappe, Spencer!“, zischte der andere Junge.

„Dann geht mal los, Jungs“, sagte Nathan und trat einen Schritt zurück, um sie vorbeizulassen. Sie begannen loszuschlurfen, doch er hob eine Hand, um sie zurückzuhalten. „Die Dame, die das Zelt leitet, ist eine Freundin von mir, und ich werde sie nachher fragen, ob sie euch gesehen hat. Und wenn sie das nicht hat …“ Er beendete seinen Satz nicht, sondern ließ die Drohung in der Luft hängen. Ich sah auf den Boden, damit die Jungs mich nicht lachen sahen.

„Verdammt, Mann!“, sagte Tony bewundernd, als die beiden gegangen waren. „Das war brillant! Denen hast du ganz schon Angst eingejagt! Haben die wirklich nur Magentabletten gekauft?“

„Wahrscheinlich nicht“, meinte ich. „Aber sie gehen jetzt auf jeden Fall zum Testen, oder?“ Wir lachten. „Was ist mit dem Dealer?“

Nathan zuckte mit den Schultern. „Ich hab’s dir doch gesagt, ich habe Urlaub.“

„Wer bist du und was hast du mit dem echten Nathan Withers gemacht?“

Er grinste. „Ich bin nicht völlig außer Dienst. Ich gebe meine Beschreibung den Sicherheitsleuten und die können nach ihm suchen. Aber um ehrlich zu sein, ist das vermutlich sinnlos, oder? Wenn sie ihn verhaften, kaufen die Leute einfach bei einem anderen Dealer. Er wird hier nicht der einzige sein.“ Er kräuselte seine Augenbraue. „Ich konnte ihn mir nicht allzu genau anschauen, du?“

„Mitte dreißig, etwa eins achtzig, gebräunt, dunkelblondes Haar, glaube ich – es war mit seiner Kapuze schlecht zu erkennen –“ Ich hielt inne, als ich bemerkte, wie Tony und Nathan mich anstarrten. „Was? Das war zwanzig Jahre lang mein Job. Man kann das nicht abstellen.“

„Offensichtlich nicht! Konntest du seinen Pullover genauer sehen? Er hatte ein Muster an einem Ärmel, aber ich konnte es nicht genau erkennen.“ Nathan rieb seinen rechten Arm, um mir die Platzierung zu demonstrieren.

„Es war eine Schlange“, sagte Tony. „Eine gewundene grün-gelbe Schlange. Der Kopf war oben an der Schulter und sie hatte irgendetwas im Mund …“

„Eine Rose!“, rief ich. „Eine rote Rose.“

„Okay“, sagte Nathan. „Ich geh mal zu den Sicherheitsleuten und sag es ihnen, dann können sie entscheiden, was sie damit anfangen. An diesem Wochenende bin ich Zivilist.“

Nathan ließ mich und Tony zum Tanzen zurück, während er loszog, um einen Aufpasser zu finden. Tony wollte sich durch die Menge in Richtung Bühne aufmachen, aber ich ergriff seinen Arm, um ihn aufzuhalten.

„Da sind zu viele Leute“, sagte ich. Ich mochte Menschenmengen noch nie, aber meine Zeit bei der Metropolitan Police hatte richtigen Hass geschürt. Schlimme Dinge können in großen Menschenmengen passieren. „Lass uns lieber da rüber gehen.“ Ich zeigte auf eine Stelle an der Seite der Bühne, wo weniger Menschen standen und weniger aufgeregt herumhüpften.

„Anfänger“, meinte Tony, aber er ließ es zu, dass ich ihn zu dem im Vergleich ruhigeren Platz führte, wo wir nicht geschubst werden würden und wo Nathan uns einfacher wiederfinden würde.

Vor der Bühne war eine Sicherheitsbarriere aufgebaut worden, um übereifrige Fans davon abzuhalten, den Bands Gesellschaft zu leisten oder in die Menge zu hüpfen wie beim Crowdsurfing. Die Barriere bog an uns vorbei ab und endete dann, beziehungsweise traf auf einen hohen, temporär errichteten Zaun, der den Backstagebereich von dort trennte. Es gab ein Tor, das dort hineinführte und von einem muskulösen Sicherheitsmann mit einem ernsten Gesichtsausdruck bewacht wurde und der vor einem Schild stand, das besagte ‚Nur für Künstler und Crew‘. Daneben, auf den Zaun geklebt, war ein Plakat mit dem Ablauf des Wochenendes. Tony zeigte mit seinem Daumen darauf.

„Also was denkst du, wer die sind?“, fragte er.

„Wer? Wen meinst du?“

„Na, die da …“ Er tippte auf das Plakat und las laut vor. „‚Überraschungsgast The Burnouts‘. Ich hoffe, das ist nicht so eine komische Burners Tribute-Band.“

Ich sah ihn an und der Geist der Teenager-Jodie begann in mir auf und ab zu hüpfen. „Oh mein Gott, Tony, das ist keine Tribute-Band, das sind die echten!“

„The Burners? Was, die spielen hier?“ Er schüttelte seinen Kopf. „Das bezweifle ich.“

„Nein, nein, es stimmt! Das müssen sie sein. Du kennst doch das Pärchen, das die Hilltop Farm gekauft hat …“

„Meine Mum hat sie getroffen. Sie nimmt an, dass sie Bänker oder so etwas, wo man viel verdient, waren, sich früh zur Ruhe gesetzt haben und hierhergezogen sind.“ Er hatte den etwas urteilenden Tonfall von jemandem drauf, der sein ganzes Leben lang in einer Kleinstadt gelebt hatte und nicht verstehen konnte, warum jemand es anders machen sollte. Er hatte auch nie verstanden, warum ich, sobald ich alt genug war, nach London gezogen war.

„Nun, da liegt sie falsch. Es sind Caz Harper und Ian Holt! Von den Burners! Ich hab für sie gekocht!“

Er sah mich überrascht an. „Was? Warum hast du das nicht erzählt?“

„Weil ich es eben erst selbst kapiert habe. Nathan hat sie heute Morgen erkannt.“

„Du meinst CAZ HARPER ist tatsächlich hier?“ Er begann sofort, sich wie wild umzusehen, für den Fall, dass er sie irgendwo in der Menge entdecken konnte, aber natürlich war sie nirgends zu sehen. „Caz Harper! Verdammt nochmal. Ich hatte ein paar schöne Zeiten mit ihr auf dem Poster an meiner Schlafzimmerwand, das kann ich dir sagen.“

Ich verzog das Gesicht. „Wie auch immer, sie ist vorhin am Food Truck gewesen. Sie hat mir nicht gesagt, weshalb sie hier ist, ich hab angenommen, nur um sich zu amüsieren, weißt du, aber – The Burnouts? Das müssen sie sein, oder? Aber warum die Namensänderung?“

„Weiß nicht. Aber sie haben sich vor Jahren getrennt, oder nicht? Vielleicht ist es nicht ganz einvernehmlich ausgegangen und sie dürfen den Namen nicht mehr verwenden.“

„Einvernehmlich?“ Ich lachte. „Meine Güte, da hat jemand ein Wörterbuch verschluckt.“

„Das passiert, wenn man mit einer Frau ausgeht, die in ihrem Job Latein spricht“, grinste Tony. „Ich musste ganz schön aufholen und ein paar große Wörter lernen und so …“

Nathan fand uns und er hatte eine Freundin im Schlepptau: Debbie, frisch von ihrer Arbeit im Drogentest-Zelt. Ich öffnete meinen Mund, um sie zu grüßen, aber sie unterbrach mich gleich.

„Bevor du fragst“, sagte sie, „ich habe Daisy und ihre Freunde nicht gesehen und ich würde es dir nicht sagen, wenn ich sie gesehen hätte. Patientenschutz.“

„Ich hätte gar nicht gefragt!“, sagte ich entrüstet, aber nicht so entrüstet, wie ich es vielleicht wollte, da ich es tatsächlich später in der Unterhaltung hatte anbringen wollen. Etwa so: „Ja, diese Band ist super, oder? Übrigens, hast du mitbekommen, ob meine Tochter irgendwas eingenommen hat?“

Wir tanzten ein wenig und holten uns Getränke, bis das Herumzappeln ein verdächtiges Gefühl in meiner Blase verursachte.

„Wo ist das Klo?“, fragte ich Debbie, während ich mich umsah. Sie schnitt eine Grimasse.

„Das nächste ist dort drüben, aber das ist eklig.“ Sie zeigte auf die rechte Seite des Feldes, wo eine Reihe blauer Dixi-Klos aufgestellt war, wie eine müffelnde Tardis-Armee. „Die in der Nähe des Food Trucks sind vermutlich besser, weil dort weniger Leute sind.“

„So weit schaffe ich es vielleicht nicht“, sagte ich und hüpfte herum. Ich sah zu dem Zaun hinter mir und zu dem Schild ‚Nur für Künstler und Crew‘. Das Tor war offen und der Sicherheitstyp war nirgendwo zu sehen. In meinem Kopf formte sich eine Idee. „Ich wette, die Toiletten da hinten sind sicher besser“, sagte ich und nickte in Richtung des Backstage Bereichs.

„Da kannst du nicht reingehen!“, rief Tony schockiert. Nathan verdrehte die Augen.

„Netter Versuch, Kumpel. Jetzt geht sie da definitiv rein.“

Ich blickte mich verstohlen um, aber niemand von den Offiziellen sah in unsere Richtung. „Okay, ich geh mal bei den Stars pinkeln.“

„Ach, was soll’s“, sagte Debbie. „Ich komme mit.“

Wir huschten durch das Tor und bogen dann hinter der Bühne ein, wo wir innehielten und uns ansahen, bevor wir plötzlich in Gelächter ausbrachen. Es war dort hinten überraschend ruhig – oder zumindest nicht so laut, wie ich es erwartet hatte –, aber andererseits zeigten die riesigen Lautsprecher vor der Bühne ja in die entgegengesetzte Richtung, zum Publikum. Ein vorbeigehender Ordner sah uns mit erhobenen Augenbrauen an, aber ich zeigte ihm meinen Festivalverkäufer-Ausweis und murmelte etwas davon, dass ich Pies ausliefern würde. Er zuckte mit den Schultern und ging seines Weges.

Da war ein weiterer hoher, weißer Zaun auf der einen Seite, der einen Teil des Backstagebereichs abschirmte. An ihm hing ein Schild, auf dem ‚VIP-Bereich‘ stand, und ein weiteres mit der Aufschrift ‚Toiletten‘. Unter beiden Worten waren Pfeile aufgemalt, die in dieselbe Richtung deuteten. Debbie und ich tauschten einen Blick aus.

„Ich bin ein VIP“, sagte ich. „Es ist Verdammt wichtig, dass Ich Pinkeln kann, und zwar schnell.“ Wir folgten den Pfeilen und da war, Gott eurer Wahl sei Dank, eine Reihe Toiletten. Wir beide schlichen jeweils in eine Kabine und genossen einen kurzen Moment relativer Ruhe, während wir uns erleichterten. Die Ruhe hielt allerdings nicht lange an, denn ich konnte draußen einen Aufruhr hören.

„Nimm deine dreckigen Finger von mir!“, hörte man die wütende Stimme eines Mannes, die seltsam gedämpft war. Ich öffnete die Toilettentür einen Spalt – mittlerweile hatte ich meine Hose schon wieder hochgezogen, also gab es niemanden, den ich überraschen konnte – und spitzte hinaus, wo ich ein paar Sicherheitsmänner sah, die einen zappelnden Mann wegführten. Er kam mir vage bekannt vor; er war um die fünfzig oder sechzig, ein bisschen grau und zerzaust. Er strampelte herum, in dem Versuch, sich von den Sicherheitsleuten zu lösen, aber sie hatten ihn fest in ihrem Griff – einer der beiden hatte ihm im Halbnelson-Griff am Nacken –, und sie schafften ihn trotz all seiner Versuche aus dem VIP-Bereich. Ein weiterer Mann folgte ihnen, einen erschöpften Ausdruck auf seinem gut aussehenden Gesicht.

„Du machst es nur noch schlimmer für dich selbst“, sagte er. „Was hast du gedacht, wie sie reagieren? So macht man das nicht. Gib ihnen ein bisschen Zeit zum Runterkommen, lass mich mit ihnen reden, die Wogen etwas glätten …“

Plötzlich kam Caz Harper um die Ecke des VIP-Bereichs geschossen und stürmte wütend auf sie zu.

„Ich kann es verdammt nochmal nicht glauben, Lee!“, spie sie zornig aus. Ich war ein bisschen schockiert und sank weiter zurück in die Toilettenkabine. Ich ließ die Tür gerade noch so weit offen, dass ich durch einen Spalt spitzen konnte; so geschockt war ich dann doch nicht. „Als ob der Gerichtsbeschluss nicht schlimm genug wäre, kommst du hierher und hackst auf uns rum! Wir spielen keinen deiner verfluchten Songs!“

„Caz – so meinte ich das nicht!“, rief der zappelnde Mann – Lee. Der Leadsänger vor all den Jahren hieß Lee, wie ich mich erinnerte. Er hatte die Band verlassen und das war der Katalysator der nicht einvernehmlichen Trennung gewesen, die Tony vorhin erwähnt hatte. Aber er war jung und cool und der Inbegriff von Rock’n’Roll gewesen; dieser Mann sah wie ein Landstreicher aus. Das konnte nicht dieselbe Person sein, oder?

„Nicht? Wie meintest du es dann?“ Caz verschränkte ihre Arme und tippte mit ihrem Fuß auf die übliche Komm-schon-ich-warte-Art auf den Boden. Lee öffnete seinen Mund, um wieder zu sprechen, aber der gut-aussehend-aber-erschöpfte Typ hielt seine Hände auf die ebenso typische Jetzt-beruhigen-sich-mal-alle-Art hoch. Caz verdrehte die Augen. „Was? Lass ihn sprechen, Dougie. Ich will es hören.“

„Nein, das ist hier weder die richtige Zeit noch der richtige Ort. Ich will nicht, dass einer von euch etwas sagt, das er bereuen könnte.“ Der andere Mann, ich nahm an, dass er Dougie war, versuchte die Stimme der Vernunft zu sein, aber ich war mir nicht sicher, ob es funktionierte.

Ein weiterer Mann tauchte auf, dieses Mal einer, den ich erkannte: Ian Holt, Keyboardspieler und Carols – ich meine, Caz’s – Ehemann. Er streckte seine Hand aus und griff seine Frau, bestimmt, aber liebevoll, und hielt sie fest. „Lass es sein, Caz, er ist es nicht wert.“ Er sah seinen ehemaligen Bandkollegen an und schüttelte den Kopf mit einem verachtenden Ausdruck im Gesicht. „Sieh dich nur an.“

„Das reicht! Geht jetzt und nehmt euch einen Moment, ihr alle“, sagte Dougie. Aber das war ein überflüssiger Vorschlag, da Ian seine Frau bereits wegführte und die Sicherheitsleute ihren Griff um Lees Arme verstärkten, um ihn unehrenhaft aus dem VIP-Bereich zu führen.

Ich atmete leise aus, denn ich wollte nicht, dass jemand entdeckte, dass ich hier war.

Dougie blieb, wo er war, und beobachtete den würdelosen Abgang des sich immer noch wehrenden ehemaligen Rockstars. Er atmete tief ein, pumpte seine Fäuste und es wirkte für mich so, als zwang er sich dazu, zu entspannen. Und dann nieste Debbie in der Kabine neben mir plötzlich. Er drehte sich zu den Toiletten um, als wir unsere Verstecke verließen. Ich nickte ihm grüßend zu.

„Alles klar?“, sagte Debbie lässig, als ob wir das Drama eben nicht mitbekommen hätten. Dougie sah uns überrascht an, fragte sich offensichtlich, wie viel wir gehört hatten (natürlich alles).

„Wer seid ihr? Der Bereich hier ist nur für die Bands“, sagte er.

Ich hielt meinen Ausweis hoch, verdeckte aber den Teil mit dem ‚Essensverkäufer‘. „Testen nur die Toiletten, Kumpel. Müssen doch sichergehen, dass hier alles piekfein ist.“

„Oder pinkelfein“, sagte Debbie. Wir beide grunzten.

Er öffnete seinen Mund und ich wartete darauf, dass er uns anmeckerte oder die Sicherheitsleute rief. Aber nach kurzem Zögern entspannte er sich und lachte.

„Na schön. Ich hab euch nicht gesehen“, sagte er. „Nur weil ihr so witzig seid.“

„Danke, Boss“, sagte Debbie. Sie sah um ihn herum, versuchte einen Blick in den VIP-Bereich zu werfen. „Gibt’s da hinten Freibier? Oder eine Schüssel mit M&M’s ohne die blau ummantelten Nüsschen?“

„Bitte entschuldige sie“, sagte ich und packte sie am Arm. „Die war den ganzen Morgen im Drogenzelt und ich glaube, die Dämpfe haben ihr nicht gutgetan.“

„Hey!“

Dougie lächelte und entblößte eine Reihe perfekter weißer Zähne. Er sah wirklich nicht wie ein Landstreicher aus oder ein alternder Rockstar, wenn wir schon mal dabei sind. „Ich würde euch Ladys ja gerne in den Backstage Bereich einladen, aber die Dinge sind im Moment nicht leicht.“ Er zuckte selbstironisch mit den Schultern. „Nervöse und temperamentvolle Künstler.“

„Keine Sorge, wir waren nur wegen des weichen Klopapiers hier“, sagte ich und dann zog ich Debbie davon, bevor sie uns noch mehr Ärger machte.

Kapitel 3

„Du glaubst nicht, was wir gerade gesehen haben!“, rief Debbie aufgeregt und begann einen ausführlichen Bericht des Aufruhrs, den wir bei den VIP-Toiletten erlebt hatten.

„Lee Roskill war hier?“, fragte Nathan. „Ich dachte, der ist vor Jahren an einer Überdosis gestorben.“

„Wenn das der Fall ist, sah er für eine Leiche ziemlich fit aus“, sagte ich. „Es sah fast so aus, als ob es sich jeden Moment zu einem Faustkampf entwickeln könnte. Caz sagte etwas über einen Gerichtsbeschluss.“

„Das muss der Grund sein, warum sie unter anderem Namen auftreten“, spekulierte Nathan. „Er muss die Rechte an The Burners haben oder so was. Aber hat er nicht alle ihrer Songs geschrieben?“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, er und Caz haben sie zusammen geschrieben. Sie sagte, sie würden keinen seiner Songs spielen, also muss es ein paar geben, die sie allein geschrieben hat oder jemand der anderen.“

„Wir finden es schon früh genug heraus“, sagte Tony. „Sieht so aus, als wären sie als nächstes dran.“

„Super!“, sagte ich, holte mein Handy hervor und hielt es hoch. „Aber ich frage besser mal bei Daisy nach, wenn ich hier irgendwo Empfang habe …“

„Nicht nötig“, meinte Debbie. „Ist sie das nicht da drüben?“

Daisy war tatsächlich weit in der Menge drinnen, tanzte neben Jade und Ellie. Aber da war eine, die in ihrer Gruppe fehlte.

„Wo ist der Hund?“, schrie ich und kämpfte mich zu ihr durch. Daisy wandte sich mit einem genervten Blick an mich.

„Oh hallo Mutter, ja, mir geht’s gut, danke der Nachfrage …“

„Natürlich geht’s dir gut, es ist erst sechs Stunden her, seit ich dich das letzte Mal gesehen habe. Aber du solltest doch auf Germaine aufpassen.“

„Beruhig dich mal, Mutter, ich hab sie bei Oma gelassen.“

„Und wie findet Oma das?“

„Nun, ich weiß, dass sie immer was zu essen verlangt und aufs Klo muss, aber …“

„So spricht man nicht über seine Großmutter.“ Wir lachten. „Nein, ein Hund kann in Menschenmengen ein bisschen anstrengend sein. Für Oma ist es okay, auf sie aufzupassen, echt. Ich wollte sie ihr nicht bringen, aber ich hatte nicht genug Zeit, um die Hundepension zu buchen.“

„Du kannst Oma nicht in eine Hundepension stecken!“

„Scherzkeks. Aber ihr macht es nichts aus, Germaine mitrumzuschleifen?“

„Oma meinte, sie nimmt sie gerne bis acht Uhr, weil sie und Jocasta zu einem nächtlichen Urschrei-Kreis wollen und sie denkt, dass das Geschrei Germaine vielleicht zum Jaulen bringen könnte.“

„Gut möglich. Darf ich bei dir und deinen Freunden tanzen oder ist das peinlich?“

„Ich war ihr peinlich“, sagte ich zwei Minuten später, als ich zu Nathan und Debbie zurückkehrte, die warteten. Tony war losgezogen, um Carmen zu treffen, die für heute genug getan hatte, ihre Soutane nun ablegen und ihre Haare offen tragen durfte.

Es ging ein Raunen durch die älteren Zuschauer der Menge – und Belustigung durch die jungen –, als Caz, Ian und der Rest der Band auf der Bühne auftauchten. Ich hatte sie vor Jahren einmal gesehen und sie waren damals so energiegeladen gewesen; ich fragte mich, ob sie heute noch so lebendig sein würden.

„Hallo Cornwall, wir sind The Burnouts!“ Caz schnappte sich das Mikrofon und blickte in die Menge. „Ich möchte diesen Song meinem alten Freund Lee widmen …“

Die Band spielte einen ihrer Hits – offensichtlich war es keiner, den ihr ehemaliger Leadsänger geschrieben hatte. Caz, die zuvor nur Backgroundsängerin gewesen war, hatte eine bessere Stimme, als ich in Erinnerung hatte; nicht gerade eine Diva, eher ein richtiges Rock’n’Roll Grölen.

„Wow, die ist wirklich sauer auf ihn“, sagte Nathan ruhig. „Hör dir mal den Text an …“

‚Als ich dich das erste Mal traf, Baby, war es Hass auf den ersten Blick. Du hast mich um meine Nummer gebeten, ich dich um einen Streit. Als der Hass an deine Tür geklopft hat, konntest du dich nirgendwo verstecken, also heb deinen letzten Tanz für mich auf und triff mich draußen.‘

„Ich wäre jetzt nicht gerne Lee Roskill“, sagte Debbie, und wir alle nickten zustimmend, als Caz auf der Bühne den Refrain mit einem Knurren anstimmte:

‚Mir geht so ein Gefühl durch den Kopf. Meine Gedanken über dich treiben mich in den Wahnsinn. Gott möge mir vergeben, aber es stimmt – ich weiß nicht, warum, aber ich hasse dich!‘

Die Band spielte für beinahe zwei Stunden. Es waren nicht viele ihrer anderen Hits dabei, vermutlich weil Lee sie geschrieben oder mitgeschrieben hatte, aber der Menge schien der Auftritt trotzdem zu gefallen. Es gab ein paar neue, frische Songs, die nicht schlecht waren, aber der Hauptteil des Auftritts bestand aus Cover-Versionen von Liedern, mit denen die Band berühmt geworden war – sie spielten eine wunderbare Version von ‚Just Like Heaven‘ von The Cure –, und den neueren Kram, der von der Art zu ihrer eigenen Musik passte. Ian jaulte sich seinen Weg durch ‚Tick Tick Boom‘ von The Hives, während der Rest der Band herumhüpfte, als wären wir noch in den neunziger Jahren, obwohl ich bemerkte, dass der Schlagzeuger das Gesicht verzog; keiner von ihnen war in ihren Fünfzigern noch so fit wie er in seinen Zwanzigern gewesen war, aber wer war das schon? Sie wirkten aber so, als hätten sie eine Menge Spaß, der Ärger von vorhin schien komplett vergessen.

Der Auftritt endete mit tosendem Applaus und der Vibration des Handys in meiner Hosentasche, als ich eine Nachricht bekam (nicht, dass die Band das bemerkt hätte). Ich sah auf das Display; Mum hatte mir eine Nachricht geschickt, schon vor einer Weile, wie es aussah, aber der Empfang war hier so grottenschlecht, dass die Nachricht erst jetzt durchgekommen war.

„Oje“, sagte ich, nachdem ich auf die Uhr gesehen hatte. „Es ist fast acht Uhr. Ich geh besser los und hole die Hündin ab. Wollt ihr mit mir zurück zum Truck oder hierbleiben und die nächste Band sehen?“, fragte ich Nathan und Debbie.

„Ich hatte genug“, antwortete Nathan. „Ich will was essen, eine Tasse Tee trinken und mich hinsetzen.“

„Schon gut, Opa“, sagte Debbie grinsend. „Aber tatsächlich hört sich das für mich auch ganz gut an.“

Wir gingen den Hügel rauf zum vornehmen Camping-Bereich, wo die Jurten mit Blick auf das Meer standen. Die Aussicht von hier war sogar noch besser als die vom Food Truck aus.

„Oh Gott sei Dank, bist du da“, sagte Mum dankbar. „Jocasta macht Theater wie ein altes Weib, weil sie Angst hat, dass wir nicht rechtzeitig zum Urschrei-Zirkel kommen.“ Sie verdrehte ihre Augen. „Ich selbst hatte ja keine große Lust darauf, aber ich würde jetzt wirklich gerne schreien …“

„Oje“, sagte ich. „Ist es okay für dich, dir ein Zelt mit ihr zu teilen, oder wird sie dich zu sehr nerven?“

„Natürlich ist das okay für mich, sie ist meine Freundin“, sagte sie und reichte mir Germaines Leine. „Ich habe gesagt, dass ich mit ihr gehe, und ich will sie nicht im Stich lassen. Dieser New Age Kram ist faszinierend, oder?“ Germaine bellte kurz und stellte sich auf ihre Hinterbeine, um ihre Vorderpfoten auf Mums Schienbeine zu legen. Mum schmolz sofort dahin. „Oh, du Süße. Oma muss los und ihr inneres Traumkind befreien. Du musst mit deiner Mama gehen.“

Debbie sah ihr zu und schüttelte den Kopf. „Du meine Güte, wie sprecht ihr denn mit dem Hund?“

„Ich hab keine Ahnung, was du meinst“, sagte ich hochmütig, obwohl ich nicht leugnen konnte, dass Germaine quasi unser Fellbaby war, eine Bezeichnung, die ich immer gehasst hatte, bis ich bemerkte, dass ich den Begriff selbst völlig unironisch verwendete, kurz nachdem ich sie geerbt hatte. Mum trottete mit Jocasta davon und ich sah zu, wie sie fortgingen.

„Du kannst sie nicht leiden, oder?“, fragte Nathan leise.

„Wen, meine Mutter?“, sagte ich, obwohl ich natürlich genau wusste, wen er meinte. „Sie ist in Ordnung, manchmal etwas nervig, aber, du weißt schon – Familie.“

„Ich meinte Jocasta, und das weißt du“, sagte Nathan.

„Sie scheint nett zu sein“, sagte Debbie. „Die Batik-Sachen und das, sind ein bisschen viel, aber Shirley mag sie. Sie scheinen Spaß zu haben.“

„Ja …“, sagte ich grimmig. Nathan schüttelte seinen Kopf.

„Bist du sicher, dass du nicht eifersüchtig bist?“

„Eifersüchtig? Ich? Auf was?“, spottete ich. „Wie kommst du darauf, dass ich wie eine Patchouli riechende Explosion in einer Schalfabrik riechen will?“ Nathan und Debbie tauschten einen Blick aus, sagten aber nichts, wofür ich wirklich dankbar war, da ich mir langsam wie ein Idiot vorkam. Woran ich mich mittlerweile gewöhnt haben sollte.

Wir verbrachten einen netten Abend vor dem Truck, unterhielten uns und genossen einen Drink (hauptsächlich Tee für mich und Nathan, weil wir am nächsten Tag noch mehr Pies verkaufen mussten, Debbie schien sich nicht dieselben Sorgen wegen eines Biers zu machen). Ich machte mich daran, für uns drei Abendessen zu kochen, und erlaubte mir, mich zu fragen, ob Daisy etwas essen würde, bevor ich mich daran erinnerte, dass ich ihr an diesem Wochenende ein paar Freiheiten lassen wollte und es sie nicht umbringen würde, wenn sie ein Abendessen verpassen würde. Außerdem konnte ich sie am nächsten Tag aufsuchen und ihr einen Bruce-Willis-Pie aufzwingen.

Auf meiner vorherigen (und bis jetzt, einzigen) Festival-Erfahrung hatte ich einen Gasbrenner mit einem winzigen Ring und eine Kühlbox gehabt, die sich bereit am zweiten Morgen als nutzlos herausstellte. Ich hatte mich nur von Bohnen, einem Laib Brot und einer Menge ungesundem Fastfood ernährt. Dieses Mal hätte es nicht anders sein können. Ich hatte nicht nur einen richtigen Herd mit vier Platten, sondern auch einen Ofen und einen Kühlschrank voll guter Sachen (sowie Pies, natürlich). Ich gab Nathan und Debbie Arbeit; sie würde mir in der Küche helfen und er sollte mit der Hündin eine Runde über das Gelände drehen, da er für einen Tag schon genug gekocht hatte (nicht, dass ich glaubte, ein paar vorbereitete Pies aufzuwärmen und zu verkaufen, wäre ‚richtiges Kochen‘). Debbie kochte Wasser auf und krümelte einen Gemüsebrühe-Würfel in eine Schüssel voll Couscous, bevor sie das Ganze mit heißem Wasser übergoss und abdeckte. Ich hackte eine rote Zwiebel und briet sie in ein wenig Olivenöl an, bis sie weich wurde, dann fügte ich gewürfelte Hühnchenbrust hinzu und briet diese auch von allen Seiten an. Dann kamen ein paar Esslöffel Tajin-Würzpaste hinzu und ein großzügiger Schluck Granatapfelsaft. Ich brachte die Pfanne zum Kochen und, während wir darauf warteten, dass das Hühnchen gekocht wurde und die Soße andickte, begann ich, Fladenbrote zuzubereiten, die dazu serviert werden konnten. Ich vermischte Mehl, Backpulver und Naturjogurt, bis das Ganze zu einem Teig wurde, und dann knetete ich alles, bis es glatt wurde. Während Debbie den Couscous auffluffte, der die gesamte Gemüsebrühe in sich aufgenommen hatte, erhitzte ich eine Grillpfanne und rollte den Teig in dünne Kreise aus und grillte diese dann für ein oder zwei Minuten von beiden Seiten. Der letzte Schliff war, ein paar Granatapfelkerne und Mandeln auf den Couscous zu streuen und die Fladenbrote mit geschmolzener Butter zu bestreichen, bevor alles auf einem großen Teller platziert wurde. Ich hatte für uns drei viel zu viel gekocht, aber wir konnten es am nächsten Tag auch noch kalt essen, wenn etwas übrigbleiben sollte.

„Riecht so, als wäre ich gerade rechtzeitig gekommen“, sagte Nathan, der in den Truck spickte. Er nahm ein paar Teller und Besteck und wir setzten uns auf eine Picknickdecke neben dem Truck und aßen dort. Ein paar unserer Food Truck Nachbarn taten dasselbe und irgendwie entwickelte sich das Ganze zu einem großen gemeinschaftlichen Fest, bei dem Essen und Geschichten über die vergangenen Festivals ausgetauscht wurden. Die Sonne ging unter und es wurde kühler, aber wir konnten, alle zusammen, genug Decken und Pullover aufbringen, damit es alle warm hatten. Ich lehnte mich gegen Nathan und er legte seinen Arm um mich.

„Gefällts dir?“, fragte er. Ich nickte.

„Überraschenderweise ja“, gab ich zu. „Das ist nett, oder?“

Er lächelte. „Ja, wer braucht schon Paris?“

„Hm … Solange niemand eine Akustikgitarre rausholt und anfängt ‚Wonderwall‘ zu spielen …“

Debbie gähnte und streckte sich auf der Picknickdecke aus. „Ich denke, ich sollte zurück zum Zelt, andernfalls schlafe ich hier ein.“

„War es ein anstrengender Tag, die Jugend von den Geißeln der Drogen abzuhalten?“, fragte ich. Sie nickte.

„Ich bezweifle, dass ich irgendwen von etwas abgehalten habe“, sagte sie reumütig, „aber wenigstens wissen wir jetzt, was sie einnehmen. Die können später nicht behaupten, dass wir sie nicht gewarnt hätten.“ Sie setzte sich auf und sah Nathan an. „Oh, da fällt mir was ein! Ich hab deine beiden Freunde von heute getroffen. Zwei dumme Jungs, die von einem ‚Arschloch aus Liverpool‘, so hat dich einer von ihnen genannt, zu mir geschickt wurden.“

Nathan lachte. „Gut zu wissen, dass ich meine Sozialkompetenzen nicht verloren habe, seit ich bei der Mordkommission bin.“

„Die waren nicht glücklich, als ich ihnen gesagt habe, was sie da gekauft haben.“

„Was, haben sie etwa wirklich Magentabletten gekauft?“, fragte ich und tauschte einen überraschten Blick mit Nathan aus. Debbie schüttelte ihren Kopf.

„Nein, natürlich nicht. Ecstasy war enthalten, zusammen mit dem üblichen Zeug, das sie daruntermischen, wie Glukose, aber da war auch eine erhebliche Menge Ascorbinsäure drinnen.“ Sie sah den Wir-tun-mal-so-als-wüsste-ich-nicht-was-das-ist-Blick von meiner Seite. „Vitamin C. Weniger eine ‚Diskodroge‘, sondern eher ein Nahrungsergänzungsmittel.“

„Also werden sie nicht besonders high, aber sie fangen sich auch keine Erkältung ein?“ Nathan lachte. „Oh mein Gott, das ist brillant.“

„Ja, das dachte ich mir auch. Sie haben es zuerst nicht verstanden, aber ich habe gehört, wie sie mit ein paar älteren Jungs gesprochen haben, die ihr Zeug haben testen lassen, und die waren es, die ihnen sagten, dass sie ihr Taschengeld für ein paar Vitamine ausgegeben haben.“

Wir alle lachten. „Die Armen“, sagte ich und hoffte, dass meine Tochter gerade nicht dasselbe machte, obwohl, wenn sie das tat, würde sie hoffentlich auch nur eine Dosis Vitamine bekommen.

„Aber die interessanteste Sache war“, fuhr Debbie fort, „die älteren Typen haben ihnen von dem Dealer erzählt, von dem sie ihren Kram gekauft haben – was wesentlich stärker war –, und es war derselbe Typ!“

„Das ist seltsam“, meinte Nathan. „Er muss eine fehlerhafte Charge Drogen bekommen haben. Heutzutage gibt es da kaum noch konstante …“

„Ja“, sagte ich. „Oder er hat es absichtlich gemacht.“ Nathan wirkte skeptisch. „Es sind eine Menge Kids auf dem Festival, oder nicht? Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass viele von ihnen etwas nehmen. Wenn ich Dealer wäre, würde ich nicht wollen, dass einer von den pickligen Teenagern was von mir kauft, das zu einer Überdosis führt, weil sie keine Ahnung haben, was sie da machen. Nicht, weil ich mir große Sorgen um sie mache, sondern weil ich nicht wollen würde, dass die Polizei sich einmischt. Sie drücken bei den Drogen ein Auge zu, solange niemand verletzt wird, oder nicht?“

„Also eine schwache Charge für die Neulinge und eine stärkere für die erfahrenen Konsumenten“, spekulierte Nathan. „Ich nehme an, das ergibt Sinn.“

„Funktioniert gut, bis die Neulinge und die alten Hasen anfangen miteinander zu sprechen und Drogen zu vergleichen“, sagte Debbie. „Das Letzte, was ich noch gehört habe, war, dass die Kids den Dealer konfrontieren wollten und die älteren sie ermutigten, während sie über sie lachten.“ Sie unterdrückte ein großes Gähnen und stellte sich auf ihre Füße. „Ich muss jetzt wirklich los, ich bin total fertig.“

„Wo musst du hin?“, fragte Nathan, der sich auch aufrichtete. Germaine, die ihren Kopf auf seinem Schoß abgelegt und gedöst hatte, sprang unwillkürlich auch auf. „Du kriegst heute vermutlich nicht viel Schlaf.“

„Ich weiß … Ich bin aber im hinteren Bereich des Campingplatzes, nahe des Strandes, also hoffentlich höre ich nur das Geräusch der Wellen.“ Sie lächelte. „Wenn ich mir das Zelt nicht mit Madeleine teilen würde, wäre es sogar romantisch.“ Debbie arbeitete Teilzeit als Krankenschwester in der Region, hauptsächlich besuchte sie Senioren in ihren Häusern und Wohnungen, und Madeleine war ihre Chefin. Es war Madeleine gewesen, die sie überredet hatte, das ganze Wochenende über im Drogenzelt auszuhelfen.

Der Klang der Wellen oder der Lärm der Leute, die bis vier Uhr morgens am Strand Party machen, dachte ich, aber ich sagte nichts. Vielleicht schnarchte Madeleine und das würde jedes andere Geräusch übertrumpfen.

„Sollen wir mit dir zurücklaufen?“, fragte ich. „Bei den Zelten ist es ziemlich dunkel und Germaine könnte noch einen Spaziergang vertragen. Ich will sie auspowern, bevor wir ins Bett gehen.“

„Gute Idee“, meinte Nathan. „Der Truck riecht immer noch nach Pie und vielleicht will sie dann an Sachen kauen.“

„In dem Fall powerst du Jodie besser auch aus“, entgegnete Debbie.

Trotz der Tatsache, dass sie nach dieser Bemerkung keine Eskorte verdiente, wanderten wir drei (vier, wenn man Germaine mit einberechnete) durch das Labyrinth der Zelte. Zu sagen, dass sie halbherzig aufgebaut worden waren, war eine Untertreibung. Bevor wir angekommen waren, hatte ich mir eine saubere Reihe Stoffzelte vorgestellt, wie damals in Frankreich, als ich mit meinen Eltern campen und es einer dieser Plätze gewesen war, wo die Zelte schon aufgebaut waren und nur auf einen warteten, aber ich wurde bald nach der Ankunft enttäuscht. Hier schienen die Leute sich nach Lust und Laune zu platzieren. Manche Zelte hatten genug Platz um sich herum, dass wir einfach an ihnen vorbeigehen konnten, andere waren allerdings so eng beieinander (vermutlich eine Gruppe Freunde, die zusammen campte), sodass wenig beziehungsweise kein Platz zwischen ihnen war. Kombiniert mit Seilen, den Heringen, willkürlichem Müll, der herumlag, und dem Fakt, dass es nun richtig dunkel war, war es ein Nerven-, Geschicklichkeits- und Problemlösungstest, einer Fernsehsendung würdig, selbst mit dem Licht unserer Taschenlampe, von einer Seite des Festivalgeländes zur anderen zu kommen. Es war wirklich dunkel, da die meisten Zelte nicht beleuchtet waren, denn ihre Einwohner hüpften gerade vor der Bühne herum, wo die Headliner gerade auftraten – eine Tanzmusik-Gruppe, deren generischer neunziger Jahre Techno- und Happy-House-Mix unerklärlicherweise (meine bescheidene Meinung) bei den unter Dreißigjährigen sehr beliebt war.

Wir plauderten und lästerten über den Zustand des Campingplatzes (wir drei waren bestimmt schon jeder einmal über ein Seil gestolpert), während Germaine herum- und in ein paar Fällen in die Zelte schnüffelte, als eine Figur in Kapuze aus dem Nichts auftauchte und auf uns zu gerannt kam. Debbie sprang auf die eine Seite, als er (oder sie) an uns vorbeizischte, stürzte aber in mich, wodurch wir beide zu Boden gingen. Ich vermied es gerade noch, in das Zelt neben uns zu fallen, eine Vision von mir, wie ich darin landete und mich in allen Seilen verfing, schoss mir durch den Kopf, als ich realisierte, dass ich es verfehlt hatte. Die Gestalt wandte sich ein wenig um, um uns dabei zuzusehen, wie wir zu Boden gingen, aber sie hielt nicht inne.

„Hey, verdammter Idiot!“, schrie Nathan. Die Person rannte weiter. Ich streckte eine Hand aus, um Nathan von einer Verfolgungsjagd abzuhalten. Germaine knurrte, nicht sicher, was los war, wusste aber, dass sie jetzt an der Reihe war, der Wachhund zu sein, zu dem sie geboren war.

„Lass gut sein“, sagte ich und richtete mich auf. „Nichts passiert. Der ist wahrscheinlich betrunken oder high und hat uns nicht mal gesehen, bis er uns getroffen hatte.“

„Ja, mir geht’s gut“, stimmte Debbie zu, die sich abklopfte. Germaine beruhigte sich auch, sichtlich erleichtert, dass sie nun doch kein Wachhund sein musste.

„Weißt du, wer das war?“, fragte Nathan, immer noch gereizt. „Der Dealer von vorhin.“

„Bist du sicher?“, sagte ich. „Ich hab ihn diesmal nicht ansehen können.“

„Er hatte den Hoodie an, den mit der Schlange auf dem Arm. Das gelb-grüne Muster leuchtet im Dunkeln.“

„Es gibt bestimmt eine Menge anderer Leute mit demselben Pullover“, sagte ich, aber Debbie schüttelte den Kopf.

„Nein! Erinnerst du dich, dass ich gesagt habe, die Jungs haben mit anderen über ihn gesprochen? Die meinten, ihnen sei gesagt worden, dass sie nach einem Typen mit Schlangenpullover Ausschau halten sollten, und sie machten sich Sorgen, dass sie die falsche Person ansprechen würden, aber man sagte ihnen, dass er nicht nur Dealer, sondern auch ein Künstler ist und den Hoodie selbst entworfen hat.“

„Er muss aufpassen, wo er langgeht“, grummelte Nathan. Ich tätschelte seinen Arm.

„DCI Withers, darf ich Sie daran erinnern, dass Sie nicht im Dienst sind und Urlaub haben und wir uns das nicht von einem nervigen, tollpatschigen Drogendealer vermasseln lassen?“

Er grinste trotz allem. „Na, sieh mal, wer da eine andere Melodie pfeift“, sagte er. „Ich dachte, uns läge ein grausames Wochenende bevor?“

„Solange wir allen mit Akustikgitarre und Jonglierbällen ausweichen, wird’s uns gut gehen.“

„Da drüben tanzt eine leicht bekleidete Dame ums Feuer“, sagte Debbie und zeigte auf sie. Ich verdrehte die Augen.

„Natürlich ist da eine …“

*

Ich schlief in dieser Nacht gut, trotz der Tatsache, dass der Truck nach Pies roch (der, zugegeben, angenehme Geruch von Teig schien in jede Faser dieses Fahrzeug gekrochen zu sein). Ich hatte mir außerdem Sorgen gemacht, dass ich das Schlaf-Arrangement, was tatsächlich eine Doppelmatratze war, die über die Fahrerkabine gelegt war, etwas klaustrophobisch fände, aber Nathan ließ mich auf der Seite schlafen, die sich in den Truck öffnete, also ging es mir gut. Selbst mit Germaine, die am Fußende im Schlaf zuckte, schlief ich doch schnell ein und war bis sechs Uhr dreißig weggetreten, als wir von einem Hämmern an der Trucktür geweckt wurden.

„Wer zur Hölle ist das um diese Uhrzeit?“, grummelte Nathan verschlafen. Ich schwang meine Füße über den Rand des Bettes, erinnerte mich gerade noch rechtzeitig daran, dass ich mich nicht aufsetzte, da ich sonst meinen Kopf an der Decke angestoßen hätte, und zwängte mich seitlich heraus.

„Haut ab!“, rief ich. „Wir öffnen nicht für Frühstück, so früh jedenfalls nicht.“

„DCI Withers?“, sagte eine Stimme von draußen laut. „Sind Sie da drinnen?“

Nathan stöhnte. „Hier ist kein DCI, dieses Wochenende ist hier nur Nathan“, sagte er. „Ich habe Urlaub. Oder so was ähnliches.“

„DCI Withers – Nathan –, wir brauchen Ihre Hilfe“, sagte die Stimme – weiblich, und eine, die wir beide erkannten. Sie klang ein wenig panisch. Nathan runzelte die Stirn.

„Chrissie? Sind Sie das?“ Er kroch aus dem Schlafplatz und zog ein T-Shirt an, um sich zu bedecken, während ich die Tür öffnete, und tatsächlich stand da PC Chrissi Cardew, einen finsteren Ausdruck auf ihrem Gesicht. „Ich bin nicht im Dienst. Wenn Sie also mehr Hilfe dabei brauchen, Betrunkene oder ähnliches im Zaum zu halten, rufen Sie die Wache an.“

„Es geht nicht um Betrunkene, Sir“, sagte Chrissie und sah sich zur Sicherheit um, ob uns jemand Beachtung schenkte, was völlig unnötig war, da jeder, der um diese Zeit am Morgen nicht schlief, vermutlich noch nicht mal im Bett gewesen war, und dann wären sie sicher nicht in der Lage, irgendetwas mitzubekommen. „Es ist leider etwas ernster als das …“