Leseprobe Das Tote Moor | Ein fesselnder und düsterer Krimi

1

Heute

Die Fantasie existiert schon lange vor der eigentlichen Tat.

»Ich soll was?« Kendra schüttelte den Kopf, dass ihre dunklen Locken flogen, was ihr Gegenüber natürlich nicht sehen konnte.

Der hörte nur den erstaunten Tonfall und das Fragezeichen am Ende. Michael Losen, der Kurator des Landesmuseums Hannover, hetzte durch seine Geschichte. Er hörte sich verdächtig danach an, als bräuchte er unbedingt ihre Zusage. In den Fünfzigerjahren war man beim Torfaushub auf zwei Frauenkörper gestoßen. Eisenzeitliche Moorleichen, waren sich Anthropologen und Historiker einig. »Im Rahmen einer neuen Ausstellung soll die persönliche Geschichte dieser Frauen nacherzählt werden. Sind sie vielleicht Opfer eines Verbrechens geworden? Bei dieser Frage kommen Sie ins Spiel, wegen der Fallanalyse.«

Kendra seufzte. Kalte Fälle gehörten eher zu den ermüdenden Langzeiträtseln. Und dieses Rätsel war eiskalt. Zu klären, was in einer Nacht vor tausendachthundert Jahren geschehen war, wie nannte man das? Mumien-Profiling?

»Es war gar nicht so einfach, Sie zu erreichen«, beschwerte sich Losen. »Ich musste Hinz und Kunz fragen, um Ihren Aufenthaltsort zu erfahren. Kommen Sie, Frau Diering, Sie können mir keinen Korb geben.« Es folgte schepperndes Gelächter, der Kurator wechselte in eine unangenehme, höhere Stimmlage.

Hinz und Kunz. Ganz sicher. Normalerweise waren die Mitarbeiter der Polizeidirektion Hannover nicht fahrlässig bei der Weitergabe von Kontaktinformationen.

»Jetzt haben Sie mich ja erreicht. Erzählen Sie mir bitte noch einmal, worum es geht«, forderte Kendra Michael Losen auf und versuchte, sich auf das Gespräch zu konzentrieren.

Der Kurator erwähnte, dass die Leichen nackt waren.

Wirklich unanständig, fand Kendra und verdrehte die Augen. Womit hatte sie diesen Kerl nur verdient? Und womit das Tier, das sich auf ihrem Bürostuhl rekelte, während Kendra selbst mit gerade mal einer Pohälfte auf der Schreibtischkante hockte? Der Gecko gab komische Geräusche von sich. Fast hätte sie über ihre Vorstellung, man hätte den kleinen Kerl in Polizeigewahrsam genommen, gelacht.

Man sollte jederzeit mit dem Unerwarteten rechnen, so hieß es doch. Aber mit Mumien aus der Eisenzeit hätte sie nicht gerechnet. Sie musste erst dieses Gespräch beenden, bevor sie ein anderes beginnen konnte.

»Mir wurde gesagt, ich solle mich unbedingt an Sie wenden. Finden Sie heraus, was damals im Moor passierte, und Ihr Name wird einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden«, wollte Losen Kendra ködern. »Es wäre Ihrem guten Ruf nur zuträglich.«

Die letzte Bemerkung machte ihr den Mann nicht gerade sympathischer. Kendra konnte sich sein selbstgefälliges Nicken vorstellen. So ein Pech für ihn, denn ihr guter Ruf kümmerte sie herzlich wenig. Wenn sie einen Fall übernahm, dann nur, weil er sie auch tatsächlich interessierte. Die breite Öffentlichkeit reizte sie nicht, es würde nur seltsame Anfragen von privat hageln.

Losen hatte sie angerufen, weil sie vor drei Jahren als Profilerin geholfen hatte, einen Massenmord aufzuklären, der sich vor nahezu viertausendfünfhundert Jahren ereignet hatte. Damals in Zusammenarbeit mit Archäologen, Forschern und den Spezialisten des BKA. Eine Analyse der Universität Bristol hatte schließlich das Missing Link in der Indizienkette geliefert.

»Ich werde mir die Körper, und alles, was Sie mir zeigen können, anschauen. Gern auch Kleidungsstücke und was die Frauen bei sich trugen. Die Ereignisse liegen ja schon etwas länger zurück«, erklärte sie und untertrieb dabei gnadenlos. »Der Täter, wenn es ihn denn gibt, wird vermutlich für immer im Dunkeln bleiben.« Besser, sie sagte das gleich, bevor Losen noch Wunder von ihr erwartete.

»Das ist klar, trotzdem müssen Sie mir eine Geschichte liefern. Am besten einen mysteriösen Kriminalfall, ein düsteres Rätsel, so etwas weckt das Interesse des Publikums«, sagte der Kurator. »Und natürlich brauchen wir am Ende … ein Ende.« Wir. Und wieder dieses gruselige Lachen.

Kendra war keine Geschichtenerzählerin, sie hielt sich an Fakten und Beweise. Die Vorstellung, ein Geheimnis zu lüften, machte ihr sogar etwas Angst, aber sollte es eines geben, wäre sie bereit. Sie erklärte Michael Losen, sie wolle am Telefon keine Entscheidung treffen.

Wenn der Kurator als Antwort gemurrt hatte, hatte Kendra es überhört. Sie legte auf und glitt vom Tisch herunter. Die Knopfaugen des Bürostuhlbesetzers folgten ihren Bewegungen interessiert.

»Du siehst ungesund aus, falls dir das noch niemand gesagt hat.« Sie und der Gecko waren an diesem Morgen allein im Büro, das sie jedoch nicht als ein solches empfand. Der Charakter war ein anderer. Einzig das große Aktenregal und die drei Schreibtische ließen den Betrachter an Arbeit denken, doch die Couch, die kleine Küchenzeile und der Minikühlschrank machten diesen Eindruck schnell zunichte. Irgendwo summte ein Drucker, es waren keine Stimmen zu hören, auf dem Stuhl schlug der Grüne mit seinem Schwanz. Die Stille war nicht nur für den Gecko ungewohnt.

Am Boden neben einem der Schreibtische stand ein Glaskasten, dessen aufwendig gestaltetes Innenleben aus Sand, kleinen Stämmen und Ästen bestand. Eine Abdeckung fehlte. Deshalb war der Gecko also ausgerissen. Tierische Unterstützer im Polizeidienst; vielleicht besaß der Grüne ja besondere Fertigkeiten? Nun, sie würde es sicher noch erfahren.

Kendra hatte bislang nur mit den Namen und den Dienstbezeichnungen ihrer Kollegen Bekanntschaft gemacht: Alexander Cord, Kriminalhauptkommissar, Linda Volant, Cords Assistentin im Bereich Kriminaltechnik und Erkennungsdienst. Sie, Kendra Diering, Forensische Psychiaterin, Kriminologin und Verbrechensanalytikerin, war die Neue im Team. Und sie wusste nicht, was Teamarbeit gerade meinte und warum man sie dafür ausgerechnet in dem eigenwilligen Büro, das die Bezeichnung nicht einmal verdiente, einquartiert hatte. Sie würde es noch erfahren, wenn auch nicht von diesem kurzen Memo auf ihrem Computer, das Kendra überflogen hatte.

Mit Alexander Cord hatte sie bislang nichts zu tun gehabt, sie hatten an keinem Fall gemeinsam gearbeitet. Die Assistentin war ihr noch fremder.

Kendra war eine Einzelgängerin, zumindest war sie es im Job. Jemand, der Verbrechen analysierte, sich auf die Spur eines Täters begab und die Welt häufig nur schwarz oder weiß sah. An die Arbeit im Team würde sie sich erst gewöhnen müssen.

Polizeipräsidien in ganz Deutschland hatten erst vor Kurzem beschlossen, alte ungelöste Fälle wieder aufzurollen. Für Kendra war die Bitte um ihre Unterstützung nicht allzu überraschend gekommen. Es gab so manches ungeklärte Verbrechen in der Region, das schon Jahre auf eine Auflösung wartete. Doch damit, dass sie diese Aufgabe unmittelbar in ihren Heimatort bringen würde, hatte sie nicht gerechnet.

Sie ließ einen Espresso aus dem Kaffeeautomaten, nahm zwei der kleinen Schokobällchen mit Knusperkern aus dem Minikühlschrank, schnappte sich ein kleines Tablett und setzte sich auf den Boden. Der Bürostuhl neben ihr schaukelte leicht. Die sanfte Bewegung hätte auf sie beruhigend wirken können, tat es aber nicht.

Ein mysteriöser Kriminalfall, ein düsteres Rätsel …

Wusste Michael Losen über Kendras Vergangenheit Bescheid? Möglich wäre es, dachte sie. Jedenfalls hatte er bei ihr einen empfindlichen Nerv getroffen. Sie selbst hatte einst die Hauptrolle in einer Geschichte gespielt, die sich im Moor zugetragen hatte. Eine Abenteuernacht zweier fünfzehnjähriger Mädchen. Nur eines war zurückgekommen.

Kendra biss in ein Schokobällchen und trank ihren Espresso. In der kleinen Tasse blieb dunkler Satz zurück. Kendras Mundraum fühlte sich an, als hätte sie Lehm gegessen. Als der Kurator die beiden Moorleichen beschrieb, hatte Kendra an deren Stelle ein blondes Mädchen vor sich gesehen und sich gewünscht, Hannahs Leiche möge gefunden werden. Nach mittlerweile achtzehn Jahren durfte man sich so etwas wünschen. Die Ungewissheit, die ewigen Fragen danach, was geschehen war, und die unvermutete Freude, wenn sie wieder einmal geglaubt hatte, ihre Freundin in einer Menschenmenge gesehen zu haben, alles hatte ein riesiges Stück ihres Lebens verschlungen – wie das Moor ihre beste Freundin.

Das kannst du nicht wissen, meldete sich eine Stimme kleinlich zu Wort, als wollte sie Kendra zu verstehen geben, dass Annahme und Wissen nicht im selben Universum angesiedelt sind.

Die Tür öffnete sich. Kendra spitzte zwischen den Edelstahlbeinen des Büromöbels hindurch, ihr Blickfeld war eingeschränkt. Turnschuhe näherten sich ihrem Schreibtisch. Anscheinend Alexander Cord.

»Sie sitzen am Boden – verfolgen Sie damit einen bestimmten Zweck?«, erkundigte er sich höflich. Nur ein Schimmer Interesse.

Kendra sah auf.

Cords tiefe Stimme war angenehm, und das war nicht das Einzige an ihm. Er war ein Mann, der gefiel: groß, schlank, muskulös, ohne dabei zu kräftig zu wirken, die dunkelblonden Ponyfransen fielen ihm lässig in die Stirn. Lachfältchen um die grauen Augen, ansprechende Züge, ein attraktiver Mund und schön geformte Ohren.

Sie war sich im Klaren darüber, was sie da gerade tat. Sie erstellte in Gedanken ein Profil. Attraktivität lag nicht, wie angenommen, im Auge des Betrachters, für sie gab es eine Formel – wie für beinahe alles. Lass es!, dachte sie, doch die Ermahnung war umsonst.

Wenn man durch eine Kopfhaltung einer Meinung Ausdruck geben konnte, dann besagte seine gerade, dass er sich fragte, ob die Psychologin noch ganz dicht war. »Vielleicht ist es auch andersherum, und der Zweck verfolgt mich«, gab Kendra zurück. Es war nicht ganz ernst gemeint.

Cords Blick wanderte von ihr zum Bürostuhl, auf den sie deutete. »Er hat den Deckel aber nicht allein aufgemacht?«

Das hatte jetzt etwas vorwurfsvoll geklungen. Die Turnschuhe machten einen Schritt über Kendras ausgestreckte Beine hinweg.

Cord widmete sich dem Gecko. »Goldie, komm schon, lass los.« Vorsichtig löste er die wundersam haftenden Lamellen vom Leder des Bürostuhls.

»Er ist ziemlich grün für Goldie«, sagte Kendra, zog die Beine an und sich am Schreibtisch in den Stand. »Ich habe nicht einmal überlegt, den Deckel zu öffnen. Womit ich sagen will: Ich war es nicht, er war schon offen. Der Gecko gehört also Ihnen. Warum haben Sie ihn zur Arbeit mitgebracht?«, fragte sie.

Sie kannte diesen Mann nicht, wusste nichts von und über ihn. War er liiert, verheiratet, hatte er Kinder, gehörte der grüne Kerl überhaupt zu ihm, und was hatte er mit ihm vor?

Cords Züge verfinsterten sich. Hoffentlich hatte er die Information zur Kenntnis genommen, dass Kendra dem Tier keinen Ausgang gewährt hatte. Er strich Goldie über den Rücken. »Seine Grundfarbe ist grün, aber wenn Sie genau hingesehen hätten, hätten Sie feststellen können, dass er Goldstaub im Nacken hat. Und zu Ihrer Frage: Man hat uns ausquartiert.«

Damit wanderte der Gecko zurück in sein Terrarium und Alexander Cord an den Schreibtisch, der Kendras gegenüberstand. Er klappte sein Notebook auf.

Kendra hätte die Handlung nicht unbedingt demonstrativ genannt, aber es hatte den Anschein, als hieße das: Und frag mich bloß nicht, warum! Ausquartiert klang endgültig, die Hintergründe gingen sie nichts an. Unbewusst gab sie einen Laut von sich.

»Haben Sie ein Problem?« Cords Blick war ehrlich besorgt.

»Einen Bänderriss.« Besser, sie wäre gar nicht auf die Frage eingegangen. Natürlich gab es viel mehr dazu sagen, doch auf die Wahrheit konnte sie in dieser Situation verzichten.

Der Kriminalhauptkommissar hatte die Lüge sofort erkannt. Er sah aus, als wollte er noch etwas bemerken, aber dann senkte er den Blick und seine Augen fixierten den Bildschirm.

Kendra wollte weder zugeknöpft erscheinen noch sich dafür revanchieren, dass er vorhin das Gleiche getan hatte. »Haben Sie das Memo gelesen?«, fragte sie ihn. Bettelst du etwa gerade um gutes Wetter?, wollte die kleine innere Stimme wissen, und als wäre so eine Kommunikation völlig normal, erwiderte ihr Kendra stumm: Wir werden die nächste Zeit zusammenarbeiten müssen, da muss ich mich um eine gute Atmosphäre bemühen.

»Um die Uraltfälle reißt sich niemand. Da ist nichts mit schnell mal abhaken. Wegen einer eisigen Spur zerbricht sich niemand den Kopf«, sagte Cord.

»Aber Sie?«, fragte Kendra.

»Sicher gibt es nicht auf alles eine zufriedenstellende Antwort. Trotzdem sind Antworten immens wichtig, weil man sonst keine Chance hat, mit etwas abzuschließen. Grausam.«

»Ja, das ist es«, gab ihm Kendra recht.

Cord hörte sich an, als ginge es ihm um Antworten, die etwas betrafen, womit er selbst seit Langem kämpfte.

Kendra beschloss, nicht wissen zu wollen, was er gerade angedeutet hatte.

2

Schon Conan Doyles Sherlock Holmes sagte: »Einzigartigkeit ist fast unweigerlich ein Hinweis.«

Kendra hatte also zugesagt, sich die Moorleichen im Landesmuseum anzusehen. Was für ein Zeitsprung im Vergleich zu den Fällen, von denen Alexander Cord gesprochen hatte.

Im Memo hatte es geheißen, sie bekämen in den nächsten Tagen die Unterlagen, die bearbeitet werden sollten. Was hieß, dass ihnen jemand vorschrieb, was sie sich zuerst vornehmen sollten? Erkannt, wusste Kendra.

Zu Cord hatte sie gesagt, sie müsse noch einmal weg. Entschieden hatte sie sich wegen der Moorleichen noch nicht.

 

Die Stimme am Telefon hatte ihr schon nicht sonderlich behagt, und nun sah sich Kendra auch noch einem unsympathischen Gesicht gegenüber.

Der Blick des Kurators wirkte, als würde er sie abtasten. Michael Losen trug eine helle Baumwollhose, dazu ein Poloshirt mit dem Logo eines Golfclubs. Er hatte schütteres Haar und einen dünnen Schnauzer. Wenn der von der fehlenden Haarpracht ablenken sollte, misslang diese Absicht gründlich. Losen streckte Kendra eine feuchte Hand entgegen. »Schön, dass Sie so schnell Zeit gefunden haben.« Er hielt sich nicht mit einer Einleitung auf, kam gleich zur Sache. »Es geht ganz klar um Mord. Nur hat das außer Ihnen und mir bisher niemand verstanden.«

Aha. Dabei war eine mögliche Gewalttat bislang unbestätigt. Oder hatte sie etwas nicht mitbekommen?

Vielleicht würde es ihr bald leidtun, zugestimmt zu haben, sich die Leichen anzusehen – vielleicht tat es ihr jetzt schon leid.

»Eine halbe Million Jahre Menschheitsgeschichte werden hier dokumentiert«, erzählte Losen stolz, als er Kendra an Vitrinen und Schaukästen vorbei lotste. Dabei schwang er seine Arme wie ein Dirigent vor seinem Orchester.

»Wo wurden sie seit dem Auffinden aufbewahrt?«, fragte Kendra und machte keinen Versuch, locker zu klingen.

»Nun, ihre Überreste wurden in einem Kühlraum des Museums gelagert. Jetzt sind sie die Sensation der archäologischen Sammlung. Die Exponate sind erst seit Kurzem in diesem Glaskasten hier ausgestellt, der natürlich voll klimatisiert ist.«

Natürlich. Die Exponate hatten sich sicherlich niemals träumen lassen, dass man sie eines schönen Tages derart interessant fände. Für sie hatte man einen eigenen Raum mit Licht- und Toninstallation ausgestattet.

Kendra war die erste Besucherin, die nicht zu den Museumsmitarbeitern gehörte, die ihn zu Gesicht bekam, wurde ihr eröffnet. Vermutlich sollte sie sich geschmeichelt fühlen.

In einem großen Glaskasten, der Kendra an Goldies Terrarium erinnerte, lagen die Körper der Moorleichen auf einem Unterbau aus getrocknetem Torfmoos und gaben so die Fundsituation wieder. Die Gesichtszüge hatten sich im Moment des Todes auf den Schädelknochen verewigt, die Kiefer waren schreckgeweitet. Kendra erblickte winzige Brüste, die Haltung mit angezogenen Beinen erinnerte an die eines Kindes. Die Leichen waren klein, das Moor ließ Körper schrumpfen.

Farben und Beleuchtung wurden gekonnt eingesetzt, das musste Kendra zugeben. Beim Betrachter entstand der Eindruck, sich mitten im Moor zu befinden. Ein leises Rascheln, dann ein Blubbern. Erst war ein Aufstöhnen, dann ein Gurgeln zu hören. Es klang, als würde etwas versinken. Dazu klang es sehr echt. Die Geräuschkulisse konnte Kendra am allerwenigsten gebrauchen.

»Können Sie das bitte abschalten?«, bat sie. Ihr wurde die Kehle eng. Ein beleidigter Blick streifte sie.

»Moorstimmung. Alles wurde vor Ort aufgezeichnet.«

»Schalten Sie das bitte ab«, wiederholte Kendra.

Losen griff in die Tasche seiner Bundfaltenhose und holte eine kleine Fernbedienung heraus. Er zögerte, warf Kendra noch einen Blick zu, als rechnete er damit, dass sie es sich noch einmal anders überlegte. Schließlich drückte er doch auf eine Taste, und es wurde angenehm still.

»Erzählen Sie mir, wie die Anthropologen und Historiker den Fund bisher bewerten«, sagte Kendra.

Sofort wurde Losen wieder geschäftsmäßig, sein Tonfall bekam eine vertrauliche Färbung.

Kendra kannte sein Verhalten von Zeugen, die eine Beobachtung gemacht hatten und dachten, ohne ihre geschätzte Mithilfe würde man den Fall nicht aufklären können.

»Dunkel und verschrumpelt sind die Körper im Schlick nie aufgefallen, bis sich den Torfarbeitern plötzlich eine Hand entgegenstreckte.« Losen verzog das Gesicht, er fand die Situation nur vorgeblich gruselig.

Kendra dagegen wandte den Blick einen Moment ab.

Losen schien ihr Unbehagen entweder nicht zu bemerken, oder es war ihm schlichtweg egal. »Sie lagen nur ein Stück weit voneinander entfernt. Beide waren nackt, was zu allerhand Spekulationen führte. Nach einer ersten Leichenbeschau war klar, dass es sich um zwei Frauen zwischen sechzehn und zwanzig Jahre handelt.« Er unterbrach sich kurz, um dann mit verschwörerisch gesenkter Stimme fortzufahren. »Zuerst fanden umfangreiche kriminaltechnische Untersuchungen statt, weil man damals in den 1950er-Jahren annahm, es könnte sich um zwei Freundinnen handeln, die zu dieser Zeit spurlos verschwunden sind. Sozusagen um Opfer eines moderneren Verbrechens.«

Für Kendra klang das wie eine Wiederholung durchlebter Ereignisse. Aber das hatte sie sich selbst eingebrockt. Sie zwang sich, nicht die Hand auszustrecken, um sich irgendwo festzuhalten, auch wenn sie das nur zu gern getan hätte.

»Das DNA-Material einer der Mütter der vermissten Mädchen wurde mit der DNA der Moorleichen verglichen – keine Übereinstimmung. Die Sache war Zeitverschwendung, hat nur Mehrkosten verursacht.« Losen rümpfte die Nase.

»Mit der Radiokarbonmethode wurden die Leichen dann auf ein Alter von etwa tausendachthundert Jahre datiert. Die Marker deuten darauf hin, dass die beiden Schwestern waren. In ihren Mägen befand sich noch die letzte Mahlzeit, Grütze und Pflanzensamen. In einem hat man giftige Eibensamen feststellt, dabei besaßen die Menschen zu jener Zeit schon ein umfangreiches Pflanzenwissen.«

»Also war ihr Tod wahrscheinlich kein Selbstverschulden«, sagte Kendra. »Auch wenn Ihnen und mir heutzutage vielleicht ein solcher Missgriff passieren könnte.«

»Sicher nicht.« Pure Empörung.

»Sind das da drüben die Habseligkeiten der Frauen?« Kendra deutete auf eine Vitrine mit einigen Gegenständen. Die Funde hatte man mit kleinen Zetteln versehen.

Losen ging zu einem Tisch, schlug eine Mappe auf und reichte Kendra eine Aufstellung und Beschreibung, dazu eine Landkarte mit der eingezeichneten Stelle, an der man die Körper ausgegraben hatte, und eine Skizze, wie die Frauen anhand der Messungen zu ihren Lebzeiten ausgesehen haben könnten.

»Ich habe es noch nicht erwähnt, aber womöglich beschäftigten sich die Frauen mit Magie.« Losen würgte das letzte Wort hervor.

Kendra horchte auf. Wie kam der Kurator auf Magie? Die Wissenschaftler mussten etwas entdeckt haben, das auf unerforschte Orakelmethoden und Seelenwissen schließen ließ. Auf sie wirkte Losen nicht, als könnte er mit der Thematik viel anfangen. Vielleicht besaß er gar keine Seele. Kendra war versucht zu lachen.

»Die beiden länglichen Holzstückchen mit den Kerben wurden als Runenstäbe identifiziert. Sie wurden von den Germanen bei magischen Weissagungen verwendet. Wahrscheinlich trugen die Frauen einen Satz Stäbchen bei sich.«

»Aber Sie haben nur zwei gefunden?«, vergewisserte sich Kendra. Für diese Frauen hatten die Runen demnach eine Bedeutung gehabt.

»Es wird nicht nötig sein, auf die Stäbe einzugehen. Ich bitte Sie auch, die Nacktheit der Frauen nicht unbedingt hervorzuheben. Darüber soll sich der Besucher keine Gedanken machen.«

Kendra hätte Losen gern darauf aufmerksam gemacht, dass das wohl eher für das Museum ein Thema war. Sie ließ seine Bemerkung unkommentiert, wollte aber etwas anderes ansprechen. »Sie wollen von mir eine Geschichte, die Sie den Leuten verkaufen können. Dann aber werden Sie es mir überlassen müssen, mich um die Fakten zu kümmern. Und sollten Sie auf eine Lügengeschichte spekulieren, dann lege ich Ihnen ans Herz, sie selbst zu erfinden.« Ihr reichte es.

»Aber so war das doch nicht gemeint«, ruderte Michael Losen zurück. »Ich habe mir sagen lassen, Sie seien die Beste auf diesem Gebiet, Sie würden auch noch herausfinden, wer Tutanchamun ertränkt hat.«

Das wäre ein Ding. Sie verbiss sich ein Lachen. Von Mord war einmal die Rede und wieder nicht. Ertränkt hatte den Pharao wohl niemand.

Die Dokumente, Fotos und einige Proben rückte Michael Losen schließlich freiwillig heraus, er wollte ihre Analyse.

Indem sie die Papiere entgegennahm, stimmte Kendra aber praktisch zu, den Fall der beiden Moorleichen im Namen des Museums aufklären zu wollen. Hätte Losen geahnt, dass die Schwangerschaft ihr Interesse in Wirklichkeit geweckt hatte, er hätte wahrscheinlich auf der Stelle sämtliches Material von ihr zurückverlangt.

Kendras Blick war auf die Hand einer der beiden Frauen gefallen, die sie schützend auf ihren Leib gepresst hielt. Das Bild ließ sie nicht mehr los. Was auch immer sich vor tausendachthundert Jahren im Toten Moor ereignet hatte, vielleicht tatsächlich ein Kriminalfall. Und sie würde es herausfinden. Aber nicht für irgendjemanden und schon gar nicht für den schnöseligen Kurator.

»Lassen Sie die Unterlagen ja nicht irgendwo herumliegen.« Eine Anordnung.

Kendra reagierte auf solche Töne seit jeher allergisch. Sie verabschiedete sich, vermied es aber, Michael Losen noch einmal die Hand zu geben.

Sie würde den Abend zu Hause verbringen und sich noch ein paar Gedanken zu ihrem neuen Fall machen.

 

Das Loft am Wall hatte Kendra zu der Zeit gekauft, als sie beschlossen hatte, das Jobangebot in der Polizeidirektion in Hannover als Profilerin anzunehmen und die Immobilienpreise gerade im Keller waren. Weil sie keinen Partner hatte, allein lebte, hatte sie geglaubt, es wäre schön, in einem lang gezogenen Raum ihre Möbel so stellen zu können, wie es ihr gefiel. Keiner ihrer Freunde glaubte, dass sie lange in der Kleinstadt bleiben würde, doch mit dem Kauf der Wohnung und ihrer Unterschrift unter dem Vertrag hatte sich Kendra selbst bewiesen, dass sie angekommen war. Sie fühlte es nicht immer, an manchen Tagen musste sie sich selbst davon überzeugen, doch diese wurden konstant weniger. Und jetzt hatte man sie auch noch in ein Büro im schönen Burgdorf gesteckt, um sich um alte Fälle zu kümmern. Konnte das wirklich Zufall sein? Aber wen sollte Kendra danach fragen, sie war es doch, die sich auf beides eingelassen hatte.

Der Aufzug schnurrte nach oben. Sie nahm den Schlüssel aus der Handtasche, doch die Tür öffnete sich von allein. Nur ein Mensch hatte einen Zweitschlüssel für ihr Loft. Moritz Mertens, der Mann, dem sie alles anvertraute und dem sie unerschütterliche Liebe geschworen hatte – ihr bester Freund. Doch gerade kam es ihr so vor, als schaute sie einem Fremden ins Gesicht. Moritz sah zum Fürchten aus.

»Was ist passiert?«

»Ich hatte einen Auftrag im Einkaufscenter und wurde vermöbelt.« Die kleine Kamera, die er um den Hals trug, hing nur noch am sprichwörtlich seidenen Faden. Es war nicht das erste Mal, dass ihn jemand bedroht hatte, aber das erste Mal, dass man ihn derart zusammengeschlagen hatte.

Moritz war Mystery Shopper. Sein Geheimnis waren die Geheimnisse der anderen. Unternehmen beauftragten ihn, um zu überprüfen, wie qualifiziert, bemüht, hilfsbereit und freundlich ihre Mitarbeiter waren. Normalerweise ließ Moritz sich das Einkaufen teuer vergüten. Doch heute hatte er, wie es aussah, selbst bezahlen müssen.

Kendra streckte die Hand aus und berührte vorsichtig sein Gesicht. Es sah aus, als hätte man die sonst so ansprechenden Züge gekonnt für einen Auftritt in einer Gruselvorstellung geschminkt.

Moritz gab die Tür frei und ließ Kendra in ihre Wohnung.

Ihr war klar, warum er zu ihr gekommen war. Mit dem Gesicht konnte er unmöglich zu Hause auftauchen.

»Ich muss duschen«, sagte er. »Kann sein, dass Mutter anruft, könntest du dann mein Handy übernehmen? Sie will sich unbedingt einen Film ansehen. Ich soll mit ihr ins Kino.«

»So kannst du ganz bestimmt nicht ins Kino«, sagte Kendra. »Wer war der Schläger?« Sie hängte ihre Tasche an die Garderobe.

»Das erzähle ich dir später. Erst einmal muss ich das getrocknete Blut abwaschen.« Trotzdem hatte er sie von oben bis unten gemustert, und er hatte die Witterung aufgenommen. »Was ist mit deinem Bein?«, wollte er wissen.

»Der alte Bänderriss«, sagte Kendra.

»Scheiße«, erwiderte Moritz. »Und?«, forderte er sie auf. Er wusste, dass sie den Bänderriss als Vorwand nahm, um sich nicht erklären zu müssen. Allerdings normalerweise nicht ihm gegenüber, denn er kannte die wirkliche Geschichte: die des flüchtigen Kindermörders, der einen dicken Geländewagen geknackt und diejenige auf die Kühlerhaube genommen hatte, die ihn hinter Gitter gebracht hatte.

Kendra wollte trotzdem nicht antworten. »Gib mir das Handy und geh duschen. Ich glaube, irgendwo muss ich noch eine Heilsalbe haben.«

Moritz angelte folgsam das Telefon aus der Hosentasche.

Kendra griff danach, schob ihn ins Badezimmer und machte die Tür hinter ihm zu. Sie hoffte, dass das verdammte Handy keinen Laut von sich geben würde. Moritz’ Mutter war anstrengend, und das war noch freundlich ausgedrückt. Wenn Beatrice Mertens sich etwas einbildete, musste dem Folge geleistet werden. Immer. Kendra war der älteren Dame als Kind öfter begegnet, aber als Erwachsene bisher nur zweimal, und das war genug gewesen. Wie eine Wölfin wachte sie über ihr Junges – das Junge war mittlerweile dreiunddreißig Jahre alt.

Moritz verschwieg seiner Mutter seinen wirklichen Job. Für sie war Moritz Mertens Produktmanager. In jedem Fall war es aber ein Job, der ungefährlich langweilig klang und deshalb überhaupt nicht zu Moritz passte.

Zu den Produkten, die er managte, hatte er für seine Mutter wahrscheinlich jeweils eine eigene Geschichte erfunden, verdächtigte ihn Kendra.

Seine Kleidung deponierte er bei ihr. Als Manager trug Moritz Anzug und Krawatte, als Mystery Shopper war er salopp unterwegs. Für angemessene Anziehsachen war also gesorgt, aber die Schrammen, Kratzer und das Veilchen konnte er sich als Produktmanager nicht eingefangen haben.

Kendra marschierte ans andere Ende der Wohnung, wo eine verkleidete Sperrholzzwischenwand eingezogen war, lüpfte den Vorhang, den sie angebracht hatte und suchte in dem kleinen Apothekerschränkchen, das über dem Trockner hing, nach der Heilsalbe, von der sie glaubte, sie irgendwann in letzter Zeit gesehen zu haben. Was zum Glück stimmte. Sie fand eine Probepackung, die fürs Erste reichen sollte. Wobei: Sie hatte den Rest von Moritz noch gar nicht begutachten können.

Sie waren Freunde. Also konnte es kein Thema sein, wenn einer den anderen nackt sah. Kendra klappte das Türchen des kleinen Schranks wieder zu, nahm die Heilsalbe mit und betrat das Bad. Das Wasser lief, sie wurde sofort vom Dampf eingehüllt. Die Sicht durch das Duschglas war verschwommen, doch offenbar untersuchte Moritz gerade seine Verletzungen, indem er mit dem Daumen auf verschiedene Hautstellen drückte. Kendra klopfte gegen die Kabinentür und zog sie auf.

Blut verschwand rosafarben im Abfluss.

»He, es zieht!« Moritz drehte sich eilig um, präsentierte Kendra seine Rückenansicht.

»Du bist nicht der erste nackte Mann, den ich in meinem Leben sehe, und ich hege den begründeten Verdacht, dass du vorhast, mir den Rest deiner Blessuren zu verheimlichen.«

Er drehte sich um.

Kendra sog scharf die Luft ein und verzog das Gesicht. So etwas hatte sie noch nie gesehen. »Deine Eier sind blau«, flüsterte sie.

 

Kurze Zeit später hatte Kendra die Heilsalbe auf Moritz’ Blessuren verteilt, den Teil zwischen seinen Beinen musste er selbst übernehmen, und ihren besten Freund in ihren Bademantel gesteckt. »Wie ist das mit den blauen Hoden passiert?«, fragte sie. Sie waren fleckig blau, um genau zu sein, ein einziger Bluterguss. Es sah schon übel aus, und Kendra wollte sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlen musste.

»Eine böswillige Attacke. Ich kam nicht mehr dazu, mich zu verteidigen«, lautete die vage Antwort. Moritz’ Gangart erinnerte ein bisschen an die von John Wayne. Aber der Cowboy hatte auch einen anstrengenden Ritt durch die Prärie hinter sich gehabt, während Moritz nur einen saftigen Tritt in die empfindlichen Weichteile eingesteckt hatte.

»Du solltest das untersuchen lassen – und das sagt jemand, der sich Sorgen um dich macht!«

»Danke, da gehts mir gleich besser. Mach dir nicht so viele Gedanken, Blutergüsse verschwinden von allein wieder«, behauptete Moritz.

Ach ja, seufzte Kendra stumm. Ihr Freund konnte ein unglaublich harter Brocken sein.

»Guck mich nicht so an. Dein Sensorblick erinnert mich an damals, an die Entführung von Blubb.« Moritz wackelte an seiner Nase, die er offenbar noch nicht untersucht hatte, und verrieb die Salbe. »Mein Gesicht glänzt sicher wie eine Cremetorte«, beklagte er sich.

»Die wäre wenigstens zum Anbeißen. Und Blubb wurde nicht entführt.« Kendra musste lachen. Blubb war ihr Teddybär gewesen, den sie bis zu ihrem fünften Lebensjahr überallhin mitgeschleppt hatte. An einem Tag im Kindergarten war der Teddy dann plötzlich verschwunden. Jemand musste ihn mitgenommen haben, weil Stofftiere sich nicht einfach so aus dem Staub machten. Damals beschloss sie, so lange zu suchen, bis sie wusste, wer Blubb in seiner Gewalt hatte. Vielleicht waren das die ersten Ansätze einer Täterermittlung in ihrem Leben gewesen. Im Kindergarten hatte Kendra kaltblütig erzählt, der Teddy sei schwer krank, man könne nicht mit ihm kuscheln, ohne sich anzustecken. Nicht lange danach hatte sie ein Mädchen dabei beobachtet, wie es sich ausgiebig Gesicht und Hände wusch. Moritz, der in ihrer Kindergartengruppe war, hatte Blubb schließlich aus dem Müll gefischt. Das Mädchen war aus Angst, dass der Teddy laut Kendras düsterer Geschichte ansteckend war, eine ganze Woche zu Hause geblieben.

Damals hatte ihr bester Freund für Blubbs Auffinden einen Kuss verlangt, doch sie konnte sich nicht mehr erinnern, ob er seinen Finderlohn je bekommen hatte.

Kendra schnappte sich die kleine Kamera, die sie ihm abgenommen hatte und klickte durch die gemachten Fotos. »Du hast nur lauter Regale fotografiert. Und die Perspektive geht nicht ins Detail, man erkennt auf den Fotos wenig bis gar nichts. Das ist doch Unsinn«, stellte sie fest.

»Weil ich keine Bilder von Hangold-Produkten brauche. Die wissen doch selbst, was sie verkaufen. Na ja, vielleicht auch nicht. Und macht man Fotos, verhält man sich zudem auffällig. Normalerweise laufen die Aufträge dezenter ab, aber Hangold wollte es anders. Ein sehr unangenehmer Kunde, der aus dem Rahmen fällt. Für ihn zählt nicht nur die subjektive Wahrnehmung, sondern auch eine möglichst objektive Beurteilung. Einigen der Mitarbeiter im Center bin ich aufgefallen. Sie haben mich in den Lagerraum gelockt und dort windelweich geprügelt. Leider wird es nichts mit der schönen objektiven Beurteilung: Ich kann keinen einzigen der Angreifer beschreiben, sie hatten alle Schals um ihre Gesichter gewickelt.«

Kendra hatte keine Mühe, sich das Szenario vorzustellen. »Und was wirst du jetzt tun?«

»Hangold nahelegen, das gesamte Personal zu entlassen – die sind gemeingefährlich – und der Firma eine gesalzene Rechnung schreiben.« Moritz versuchte ein Grinsen.

»Du solltest wegen der Blutergüsse wirklich zu einem Arzt gehen«, versuchte es Kendra noch einmal.

Moritz machte eine wegwerfende Handbewegung, ging in die Küche und öffnete den Kühlschrank. »Hmm«, seufzte er und kam mit einer Dose Cola zu Kendra zurück.

Nachdem Moritz es sich auf der Couch bequem gemacht hatte, nahm er sein Handy entgegen. »Ein Anruf in Abwesenheit – Mutter.« Er bedachte Kendra mit einem vorwurfsvollen Blick und verdrehte die Augen.

»Ich war im Bad«, rechtfertigte sich Kendra.

»Nein, ich war im Bad. Dir habe ich das Telefon gegeben.« Ein erwachsener Mann, der seine Mutter fürchtete. Schon tippte er die Nummer ein und hing mit einem Ohr am Handy.

Kendra wollte sich das Gespräch nicht anhören. Wahrscheinlich würde es eine Weile dauern. Je nachdem, was Moritz sich einfallen ließ. Für Beatrice hatte er die freundlichsten Geschichten auf Lager. Sie war gespannt, wie die Sache ausging. Aber erst einmal war Rückzug angesagt. Eine Cola war keine üble Idee, befand sie, eiskalt und süß.

In Kendras Loft besaßen nur Küche, Bad und Toilette eine Tür. Sonst herrschte angenehmer Durchzug. In dem riesigen Raum stand und hing herum, was ihr gefiel, und das war so einiges. Der Wohnungsputz wäre eine Sache von einigen Stunden gewesen, aber zum Glück kannte Moritz jemanden, der immer Geld zu brauchen schien, und hatte ihn für Kendra organisiert. Eine Zufallsbekanntschaft im Café, hatte Moritz erzählt. Unterhielt man sich bei Kaffee und Kuchen übers Saubermachen? Wie auch immer, Kendra war die Nutznießerin dieses Gesprächs. Putzfee Tim kam zwei Mal die Woche, um das Loft in Ordnung zu halten. Es war sinnvoll investiertes Geld, fand Kendra, denn Tim war verlässlich, ehrlich und leistete wirklich gute Arbeit. Zuvor war Kendra noch nie ein Mann untergekommen, der sich um einen Putzjob riss. Sie nahm einen eisigen Schluck, bevor sie sich ein Glas aus dem Küchenschrank holte.

»Ich übernachte heute bei einem Freund. Er wurde gerade samt Kind von seiner Frau verlassen, es geht ihm wirklich schlecht«, berichtete ihr Moritz wenig später. »Ich habe Mutter auf morgen vertröstet, dann können wir immer noch ins Kino gehen.«

»Eine böse Geschichte. Und du kennst niemanden, auf den sie passt«, sagte Kendra.

»Wie gut, dass Mutter das nicht weiß. Ich bleibe also heute Nacht bei dir.«

»Dann merk dir mal lieber gut, was du ihr erzählst. Ich glaube allerdings, dass Kino auch morgen noch keine gute Idee ist.« Die Blutergüsse in Moritz’ Gesicht würden dann so richtig leuchten.

»Das Leiden nach dem Verlassenwerden dauert in der Regel ja auch länger als nur einen Tag. Vielleicht muss ich morgen auch noch Trost spenden. Freunde tun so etwas füreinander.«

Meinte er das ernst?, fragte sich Kendra. Nun, den Beweis könnte er gleich erbringen. Ein geschultes Auge wäre nicht schlecht, fand sie. »Ich kann deine Hilfe jedenfalls gebrauchen«, berichtete Kendra von ihrem neuen Auftrag, den Moorleichen und der dazugehörigen Geschichte, die mit Sicherheit ein Geheimnis barg, vielleicht auch mehrere.

»Warum quälst du dich damit?« Moritz’ Stimme ließ keinen Zweifel daran, was er davon hielt.

Kendra antwortete nicht. Stattdessen holte sie die Mappe mit den kopierten Unterlagen und den Bildern, die beiden Runenstäbchen und einige Proben der Samen hervor, die man bei den Frauen im Toten Moor gefunden hatte und legte sie vor sich auf den Glastisch.

Sie hatte Michael Losen versichert, die Stäbchen nicht für eine Hochsteckfrisur zu benutzen und die Samen nicht zu essen, um ihre Wirkung zu testen. Sie öffnete die Mappe und legte die Fotos auf. Sie wollte wissen, was ihm als Erstes auffiel, worauf er ganz spontan reagierte bei der Betrachtung der Fotos.

»Zwei Frauen? Sie haben nichts an, oder?«, fragte Moritz. Das fiel ihm tatsächlich als Erstes auf. Daran erinnerte er sich? Ja, sicher, Kendra hatte ihm irgendwann davon erzählt, wie Hannah und sie in dieser lange zurückliegenden Nacht unbekleidet und Hand in Hand über die Lichtung gelaufen waren.

»Ich habe auch an unsere Unternehmung gedacht«, gab sie zu. »Sie sind zu zweit und nackt.«

Michael Losen wollte nicht, dass das Publikum die Nacktheit der Frauen zuerst registrierte. Kendra dachte dabei an sich und Hannah, aber warum dachte sogar Moritz ausgerechnet daran?

»Deine beste Freundin ist damals nicht von eurem Ausflug ins Moor zurückgekehrt.« Er hatte etwas anderes ins Visier genommen.

Kendra ließ die Zeit in Gedanken rückwärtslaufen. Sie war wieder fünfzehn, es war die Nacht ihres Geburtstags, und das Leben war aufregend. Vor allem dann, wenn man hin und wieder einige Regeln brach.

Sie hatte Moritz später von dem gemeinsamen Abenteuer erzählt. Und davon, dass sie am Morgen allein im Zelt aufgewacht war.

»In der Nacht dachten wir, der Moorgeist wäre hinter uns her, würde um unser Zelt herumtanzen.« Das lang gezogene Kreischen und das Röcheln, als würde jemandem Schmerz zugefügt, begegneten ihr noch heute manches Mal im Traum.

»Du hast mir aber nie gesagt, wen du für den Moorgeist gehalten hast. Also?«, fragte Moritz.

Zum Glück funktioniert sein Gehirn noch einwandfrei, dachte Kendra. Sie wusste, dass ihr bester Freund nicht an Erscheinungen glaubte. »Darüber wollte ich nie nachdenken«, sagte sie. Wenn irgendjemand dort draußen gewesen war, um ihnen Angst einzujagen, dann hatte das wunderbar geklappt. Noch heute konnte sie die Erinnerung an die Nacht nicht ertragen.

»Du hast Fälle geklärt, die schon länger auf eine Auflösung warteten. Du bist zurückgekommen, hast sogar das Angebot, als Profilerin zu arbeiten, angenommen. Aber ausgerechnet davon hast du dich immer ferngehalten.« Moritz drehte Kendra seine leeren Handflächen hin, er wollte eine Antwort hören.

Doch stattdessen erzählte ihm Kendra, dass sie im Auftrag der Polizei in nächster Zeit ausschließlich einige ungelöste Fälle bearbeiten würde.

»Aber Hannah ist kein solcher Fall, es gibt keine Leiche«, gab Moritz zu bedenken.

Kendra schwieg. Sie rechtfertigte sich vor sich selbst gerade dafür, dass sie zu feige war, sich dem letzten Bild zu widmen, das ihre Erinnerung von ihrer damals besten Freundin gespeichert hatte.

»Wenn Hannah am Morgen nicht mehr im Zelt war, wohin ist sie dann in der Nacht verschwunden? Und war sie allein oder in Begleitung?«, wollte Moritz wissen.

Das hatte sich Kendra zwar auch gefragt, aber viel häufiger etwas anderes: War das, was passiert war, ihre Schuld gewesen? Die anderen Gefühle wie Scham, Schmerz und Reue hatte Kendra tief in ihrem Inneren verschlossen. Aber sie fühlte sich schuldig.

Moritz wandte den Kopf und betrachtete das Foto, das in einem Rahmen auf der Kommode stand.

Zwei lachende Mädchen. Kendra, dunkelhaarig mit hohen Wangenknochen und blau schimmernden Augen, und Hannah, blond und so breit lächelnd, dass die Sommersprossen auf ihrer Nase zu tanzen schienen.

Es war nicht erst der nächste Morgen gewesen, an dem sie Hannahs Verschwinden bemerkt haben wollte, das hatte Kendra nur erzählt.

Schuld stank zum Himmel, und trotzdem roch man sie nur selbst. Für alle anderen war der Geruch nicht wahrnehmbar.

Vielleicht wäre Hannah noch am Leben, wenn sie sich nicht gestritten hätten, wenn Hannah nicht in die Nacht hinausgelaufen wäre und Kendra nicht …

Seitdem hatte sie keinen ihrer Geburtstage mehr gefeiert. Das zu tun wäre so, als würde sie das Verschwinden ihrer besten Freundin bejubeln. Das gemeinsame Foto mahnte sie, sich irgendwann der Vergangenheit zu stellen. Und vielleicht hatte sie schon damit begonnen, indem sie zugestimmt hatte, sich den alten ungelösten Fällen zu widmen. Wieder hörte Kendra Alexander Cord sagen, Antworten seien wichtig, um mit etwas abschließen zu können.

Sie deutete auf die Unterlagen. »Der Kurator des Landesmuseums wünscht sich einen Mordfall.«

»Aber den Gefallen wirst du ihm nicht tun«, sagte Moritz.

Und er hatte recht, niemandem musste ihr Ergebnis gefallen. »Ich kann natürlich noch nicht sagen, was passiert ist, aber es muss einen Grund geben, warum die Frauen nackt sind. Die Kleidung wurde gefunden, was heißt, dass sie sich ausgezogen haben oder ausgezogen wurden.« Michael Losen würde sich wie ein Springteufel aufführen, wenn er sehen könnte, wie sie mit einem Unbeteiligten Museumsgeheimnisse besprach.

Irgendwann in tausend Jahren findet uns jemand – Mumien im Toten Moor, das hatte ihre beste Freundin damals scherzhaft gesagt, als sie im Mondschein vom Zelt aufgebrochen waren. Zwei Mädchen, zwei Frauen. Beste Freundinnen, Schwestern.

Kendra hielt in ihren Gedanken inne. Es musste ihr gelingen umzuschalten. Also: Eine kurze Notiz in dem Wust der Unterlagen besagte, dass es sich bei den Gefundenen in Wahrheit um drei tote Wesen handelte. Eines unsichtbar verborgen in seinem Kokon, in dem es für alle Zeit bleiben würde. Kendra hatte sich so etwas schon gedacht, als sie die Hand der einen Frau auf ihrem Unterbauch liegen sah. »Die DNA gibt Aufschluss darüber, dass die beiden Schwestern waren. Eine war schwanger.« Sie wiederholte für Moritz, was die Forscher bisher herausgefunden hatten. »Es ist ein Puzzle. Wenn man die einzelnen Teile richtig zusammensetzt, entsteht ein Bild.« Kendra schob die Fotos, auf denen die zwei Lederbeutel zu sehen waren, über den Tisch, bevor sie Moritz ihren Inhalt zeigte. Die eingeschweißten Runenstäbchen legte sie daneben.

»Was fasziniert dich daran so sehr, dass du bereit bist, dich deiner Angst zu stellen?« Moritz erwischte Kendra eiskalt.

Sie schüttelte den Kopf. Er kannte sie am besten, sie vertraute ihm. Aber da sie sich selbst keine Antwort darauf geben wollte, würde auch er keine von ihr bekommen. »Nicht …«, bat sie leise.

»Was sind das für Zeichen?«, fragte er, deutete auf die Stäbchen, und die Zeit lief weiter.

Das konnte sie beantworten – gefahrlos. »Alte Schriftzeichen der Germanen. Angeblich besteht ein Satz der Stäbchen aus vierundzwanzig Stück. Sie wurden in einer bestimmten Weise geworfen und dann wurden sie gelesen, ein wenig in die Zukunft sehen.« Aber wofür standen diese zwei Stäbchen, fragte sie sich. Sie würde sich mit der Historie der Runen befassen müssen, um herauszufinden, was die eingeritzten Zeichen bedeuteten.

»Wir könnten nachschlagen«, schlug Moritz vor.

Sofort drückte Kendra den Startschalter des Notebooks. Sie war dankbar für jede Ablenkung.

Es war nicht weiter schwierig, eine Seite mit den alten germanischen Schriftzeichen zu finden, auf der die Runen und ihre Bedeutung beschrieben waren, doch zu einer echten Entdeckung führte das Wissen sie nicht.

Auf dem einen Stäbchen war ein I für Isa eingeritzt, was Eis bedeutete. Offenbar stand das Zeichen in der Interpretation dafür, dass etwas geplant wurde. Auf dem anderen befand sich ein X, Gebo ausgesprochen. Seine Bedeutung: die Begegnung zweier Lebenslinien, ein Geschenk des Gebens und Nehmens. Gehörte das Stäbchen mit dieser Rune zu der Schwangeren?

»Viel verraten uns die Zeichen nicht, oder?«, fragte Moritz ratlos. »Aber hier fühlt sich selbst der Klang dieser alten Kraft nicht sonderlich angenehm an.« Moritz schüttelte sich.

Sie begegneten hier magischen Zeichen, doch das war definitiv eine Magie, die auch Kendra nicht verstand. Aber sie musste einräumen, sie hatte sich mit diesen Dingen nie ausführlicher beschäftigt und eine Erklärung zu bekommen, mit der etwas anzufangen war, wäre auch zu einfach gewesen. »Ich muss den Frauen nachspüren, sie begreifen. Vielleicht bekomme ich dann eine Ahnung von dem, was sich in jener Nacht vor so langer Zeit im Moor ereignet hat.« Kendra glaubte tatsächlich daran, dass es ihr gelingen könnte.

»Wie immer dem Geheimnis auf der Spur«, sagte ihr bester Freund. »Und es könnte durchaus ein düsteres sein. Ich kann mir vorstellen, dass du dabei an Hannah denken musst, aber die Geschichte der beiden Frauen ist eine andere, vergiss das nicht.«

Wirklich so anders?, fragte sich Kendra im Stillen.

Moritz fing ihren Blick auf. »Du hast nie versucht herauszufinden, ob Hannah vielleicht nicht die Einzige war, die aus der Gegend verschwand, oder? Und genau das meine ich, unser Umfeld, nicht das Tote Moor im Besonderen. Ist womöglich noch mehr passiert in dem Zeitraum damals vor 18 Jahren? Vielleicht war deine beste Freundin Teil eines größeren Verbrechens. Es gibt doch Dokumente und Archive, und mittlerweile sitzt du an der Quelle.«

Kendra wollte ihm nicht weiter zuhören. Seine Worte klangen zu sehr nach einer Anklage. Sie brach den Blickkontakt ab und sagte: »Ich beziehe dir jetzt das Gästebett.«

***

Es ist spät, er ist allein. Gut so, niemand soll sich an ihn erinnern.

Die Nacht kann ihm nichts anhaben – aber ein Schritt vom Weg ab, der ihm längst nicht mehr vertraut ist, und er ist Geschichte, versinkt im undurchdringlichen braunen Morast. Niemand würde ihn finden – oder vermissen. Nicht den verurteilten Mörder und nicht denjenigen, der er jetzt ist.

Sie dagegen wird man schon ziemlich bald vermissen, doch das weiß sie noch nicht. Sie soll nicht im Moor verschwinden, das wäre nicht in seinem Sinn. Sie soll gut aussehen. Er will, dass man sie erkennt. Dann wird sich vielleicht endlich einmal jemand die richtigen Gedanken machen und dahinterkommen, was hier vor 18 Jahren geschehen war und welche Personen damals eine Rolle spielten. Denn dieser Ort ist ein ganz besonderer.

Er weiß, dass Hermina Blankenburg nach Kräutern im Moor sucht. Er hat die alte Frau dabei beobachtet, wie sie jeden Tag hinausgeht, und hat ihr die Rolle der Entdeckerin zugedacht.

Der Nebel streckt seine Klauen aus, obwohl die Nacht ihm kurz zuvor klar erschien. Ein Stück noch, dann kann er Licht machen. Lichter sind im Moor keine Seltenheit. Sie sind rätselhaft und furchteinflößende Erscheinungen.

Wenig später hat er seine Taschenlampe eingeschaltet. Der Strahl erfasst eine Moorbirke, dünn wie ein Skelett. Am Boden Graspolster. Im Tageslicht könnte er wahrscheinlich kleine blühende Blumen sehen, doch in diesem Moment umschließt ihn nur blaugraues Halbdunkel.

Hier muss er richtig sein. Die Lichtung. Hübsch. Zu seinem Plan passend.

Er hat ihn sich ausgedacht, alles zurechtgelegt. Bald wird er auch sie zurechtlegen. Dort, auf der Lichtung. Er schuldet ihr diese Überlegungen und Gedanken nicht. Sie hat, wenn überhaupt, seither nur noch einen einzigen an ihn verschwendet. Damals hat sie gelogen und ihm mit dieser Lüge sein Leben gestohlen.

Es riecht erdig, torfig, ein bisschen faulig. Womöglich hat er bereits den Geruch des Todes in der Nase. Wahrscheinlicher aber ist, dass sich ein Tier zum Sterben hierher zurückgezogen hat. Ein Flattern lässt ihn zusammenzucken. Kurz bleibt er stehen. Seine Fantasie produziert Gruselbilder vor seinem inneren Auge. Kein Wunder, schließlich hat er eine neblige Nacht für seine Moorexkursion ausgesucht. Eitlen Sonnenschein kann er nicht einmal in Gedanken ertragen. Dennoch gelingt es ihm nicht ganz, sich vor einem Gefühl zu verschließen, in seiner Tiefe schlummert ein Hauch von Bedauern. Es hätte ganz anders sein können, dann hätte er das hier nicht tun müssen.

Der Nebel kriecht über den Boden, er sollte sich besser beeilen. Immer wieder zieht er einen Fuß aus dem Schlamm, und jedes Mal wird die Bewegung von einem widerlichen Schmatzen begleitet. Die Schuhe sind ihm egal, die Spuren, die er damit vielleicht in dem Untergrund hinterlässt, sind es nicht.

Doch er hat keine Zeit, sich länger mit dem Problem zu befassen, er kann die Hand vor Augen schon nicht mehr sehen, die Nebelfetzen schließen sich zusammen. Das Licht der Taschenlampe wird immer schwächer.

Er wird wiederkommen – aber dann mit ihrer Leiche.

Ein Mord, den er jemandem in Rechnung stellen wird. Wenn man es genau nimmt, hat er sogar mehr als einen bei eben diesem Menschen gut.