Leseprobe A Lesson to Catch | Eine Opposites Attract College Sports Romance

Davina

Kerzen leuchten, leise Musik dringt in meine Ohren und der Geruch von Schokolade liegt in der Luft. Trotzdem ist das Lächeln, das ich gerade aufsetze, nur gespielt. Um meine Mom zu trösten und jedem zu zeigen, dass wir heute feiern und nicht trauern sollten. Es ist der Geburtstag meiner Mutter. Der erste, den sie seit dem Schicksalsschlag feiert. Überall erkenne ich Zeichen dafür, dass wir heute fröhlich sein sollten: Ballons, Luftschlangen, gigantische Kuchen. Eigentlich hat der Tod meines Bruders nichts damit zu tun. Doch irgendwie hängt alles damit zusammen. Jason fehlt. Auf jedem Geburtstagsfoto, jeder Weihnachtskarte und jedem Familienfest. Die Person, die immer für Stimmung und Spaß gesorgt hat. Die niemals hätte gehen dürfen, weil sie doch alles zusammengehalten hat. Und was tut man, wenn diese Person nicht mehr da ist und eine Leere hinterlässt? Man versucht, diese zu füllen. Damit es für alle anderen ein wenig einfacher wird.

„Alles Liebe zum Geburtstag, Mom“, sage ich und falle ihr um den Hals. Sie drückt mich fest und liebevoll. Ihre Freude ist echt. Trotzdem weiß ich, dass vieles von ihrem Verhalten bloß Show ist. Sie reißt sich vor ihren Gästen zusammen, bemüht sich, glücklich und dankbar zu wirken. Aber wie kann man das, wenn man den eigenen Sohn verloren hat? In meinen Händen halte ich zwei Päckchen, weil ich manchmal das Gefühl habe, Jason nun aufwiegen zu müssen. Seine Fröhlichkeit, seine Hingabe. Als müsste ich jetzt alles doppelt so viel tun. Sie doppelt so viel lieben. Ihr doppelt so viel helfen. Als ich mich von ihr löse, drücke ich ihr beide Geschenke in die Hand.

„Ach, Liebling. Das wäre doch nicht nötig gewesen.“

Ich lächele und zwinkere ihr zu. „Aber es ist trotzdem gern gesehen. Ich weiß doch, wie sehr du Geschenke liebst.“

Mehr als jeder durchschnittliche Mensch. Eine Zeit lang hat sie sogar zu Halloween und Neujahr Geschenke an alle Familienmitglieder gemacht. Dad fand das Geschenkpapier-Chaos furchtbar, doch davon hat sie sich nie abbringen lassen.

„Schön, dass du da bist, Davina“, sagt sie und streicht mir über die Schulter. Dann wirft sie mir diesen Blick zu. Sie sieht mich auf eine Art an, wie man es vielleicht tut, wenn ein Kind verstorben ist und man nun an dem anderen irgendwie festhalten will. Es ist ein verzweifelter und gleichzeitig ängstlicher Blick. Und ich fühle mich, als könnte ich mit jeder Bewegung oder Geste etwas zerstören. Ich versuche, mir ein vorsichtiges Lächeln abzuringen, dann gehe ich weiter in unser Wohnzimmer zu meinen Großeltern. Weil ich das bedrückende Gefühl in meinem Brustbereich langsam nicht mehr ertrage. Es ist ein seltsamer Druck, nun irgendwie zwei zu sein. Zwei Rollen zu erfüllen. Für zwei Kinder stark zu sein. Ich lasse mich auf dem Sofa nieder. Gegenüber sitzen meine Großeltern, die mich fragend mustern. Mein Grandpa putzt gerade seine Brille mit einem weißen Tuch.

„Das neue Semester startet jetzt bei euch, nicht wahr?“

Erleichterung durchdringt mich. Ein einfaches, nicht besonders tiefgründiges Gespräch. Genau das, was ich gerade brauche. „Ich stecke schon mitten in den Vorbereitungen.“

Meine Grandma lächelt. „Das glaube ich dir sofort, mein Kind. Was steht denn dieses Semester bei dir an?“

Ich kratze mich am Kinn. Ich könnte nun lügen und behaupten, dass es entspannt wird. Dafür habe ich mir aber mal wieder zu viel vorgenommen. „Ich habe bis letzte Woche ein Praktikum bei einem Kleinverlag gemacht. Darüber muss ich dieses Semester eine große Arbeit anfertigen. Dann natürlich meine üblichen Kurse. Vielleicht mache ich auch noch ein zusätzliches freiwilliges Praktikum. Und ich habe außerhalb des Colleges Online-Seminare im Bereich ‚Literarisches Schreiben’ und ‚Lektorieren von belletristischen Texten’ belegt.“

Sie weitet anerkennend ihre Augen. Mein Grandpa pfeift durch seine Zähne. „Da hast du dir mal wieder einiges vorgenommen. Wird dir das nicht alles zu viel?“

Diese Frage höre ich oft. Dabei empfinde ich es im Alltag als gar nicht so anstrengend. Ich habe ein klares Ziel vor Augen und das hilft enorm, wenn man etwas erreichen möchte. Der Traum, einmal vom Schreiben leben zu können, spornt mich schon mein ganzes Leben an. Und ich würde alles tun, um ihn auch zu erreichen. Das war mein Wunsch. Von jeder ausgeblasenen Kerze, dem Weihnachtsmann, jeder Pusteblume oder losen Wimper. Es gab immer nur diesen einen Wunsch. Und ich hoffe mehr als alles andere, dass ich ihn mir einmal erfüllen werde.

„Die Arbeit macht mir Spaß. Da gibt es kein zu viel.“

Meine Grandma kräuselt die Augenbrauen, als würde sie widersprechen wollen. Gleichzeitig weiß ich, dass sie sich ungern in mein Leben und die Art, wie ich es führe, einmischt. Also deutet sie ein Nicken an und wechselt stattdessen das Thema. Sie und Grandpa wollen dieses Jahr Skifahren lernen. Ich höre gespannt zu, auch wenn ich von Sportarten nicht die geringste Ahnung habe. Grandma schmückt ihre Erzählungen aber so sehr aus, dass es mich nur mitreißen kann. Sie erzählt von der Piste und den vielen Bildern, die sie sich bereits angesehen hat. Ein Winterwunderland. Schnee, Schnee und noch mehr Schnee.

Irgendwann, als alle zum Buffet gehen, vibriert mein Handy. Im Hintergrund höre ich Grandma Dora sagen, dass sie sich dasselbe Essen für ihren Geburtstag dieses Jahr wünscht. Grandpa gibt einen eher abfälligen Laut von sich. Ich dagegen bleibe noch auf meinem Platz und werfe einen kurzen Blick auf mein Handy. Als ich bemerke, dass es eine Nachricht von Instagram ist, entsperre ich mein Smartphone sofort. Die Goldlake Publishers haben einen neuen Beitrag veröffentlicht. Ich folge dem Verlag schon lange und verpasse kein einziges Reel oder Foto. Die Cover ihrer Bücher sind sensationell schön und die Inhalte noch mitreißender. Ich habe einige Fantasygeschichten von ihnen gelesen und mir vorgenommen, dort einmal selbst zu veröffentlichen. Das ist der Traum. Und ich hoffe, dass er eines Tages in Erfüllung gehen wird. Ich öffne den Beitrag und starre ihn an. Mein Herz bleibt stehen.

Schreibwettbewerb: Wir suchen eure Geschichten bis zum 10. Juni. Unbekannte Autoren aufgepasst!

Ja. Ja. Ja. Ja. Ja. Ja! Das ist sie. Die Möglichkeit, auf die ich lange gewartet habe. Ich kann kaum glauben, dass ein so großer Verlag einer unbekannten Autorin wie mir eine Chance geben möchte. Ich stelle es mir bereits bildlich vor: mein erster Verlagsvertrag. Ein professionelles Lektorat und Korrektorat. Ein Cover, das ich stolz in die Kamera halte. Denn natürlich würde ich mir dann auch einen offiziellen Autorenaccount erstellen. Oder eine Website. Was ist wohl besser in der heutigen Zeit? Ein riesiges Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen und ich kann mein Glück kaum fassen. Dann scrolle ich herunter und fühle: Ernüchterung.

Wir suchen ausschließlich American Football Romance. Manuskripte anderer Genres prüfen wir nicht.

Ich will lautstark schreien und fluchen. Scheiße, wer schreibt bitte Football-Romanzen? Wieso sollte ein Verlag dieses Genre suchen, wenn es doch so viele tolle Fantasybücher auf dieser Welt gibt? Oder Thriller. Meinetwegen auch ein cosy Krimi. Aber das? Eine Football-Romance? Ich habe weder Ahnung von Sport noch von Romance. Was vermutlich auch daran liegt, dass ich selbst noch keine große Liebesgeschichte erlebt habe. Wie soll ich über etwas schreiben, was ich überhaupt nicht kenne? Das ist doch unmöglich. Andererseits warte ich seit Ewigkeiten darauf, dass die Goldlake Publishers ihre Tore für neue Manuskripte öffnen. Mein Traumverlag. Wie oft werde ich noch eine Chance wie diese bekommen? Wird ein so bekannter Publikumsverlag erneut nach Manuskripten von unbekannten Autoren suchen? Die Frage kann ich mir selbst beantworten. Vermutlich ist das hier meine einzige Gelegenheit, um von ihnen gesehen zu werden. Also muss ich es notgedrungen wagen und es zumindest versuchen. Ich überfliege die restlichen Kriterien und versuche, mich mit dem Gedanken anzufreunden. Denn wie schwer kann es sein, eine Football-Romanze zu schreiben?

Davina

Ich korrigiere mich: Es ist verdammt schwer, eine Football-Romanze zu schreiben. Scheiße, wie machen Autorinnen das nur? Ich habe nach einigen Stunden Recherche verstanden, dass der Quarterback nicht die einzige relevante Person ist. Und dass es verschiedene Receiver gibt. Aber wenn ich eine echte Sports-Romance schreiben will, benötige ich mehr Wissen als das. Ich muss in der Lage sein, reale Spielabläufe zu verfassen. Strategie, Teamspiel, Fehler und Punkte. Ich habe von nichts eine Ahnung. Und ich glaube, dass es noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich stöhne lautstark auf und rolle mit meinem Schreibtischstuhl zurück. Eine Pause. Die brauche ich jetzt. Denn ja, das hier wird schwieriger, als eine Adaption eines bekannten Märchens zu verfassen. Über Drachen und Ritter kann ich schreiben. Verwünschte Hexen, verfluchte Dörfer. Das bekomme ich alles hin. Football liegt aber nun mal wirklich nicht in meinem Interessengebiet. Ich stehe auf und laufe über den Teppichboden in das stille Wohnzimmer. Es ist seltsam, seit Kylie ausgezogen ist. Sie hat ihren Abschluss gemacht und ist etwas zentraler in die Stadt gezogen. Anfangs dachte ich, es würde bestimmt gut sein, noch mehr Ruhe zu haben. Keine Ablenkungen, mehr Konzentration. Jetzt merke ich jedoch, dass ich sie vermisse. Dass es zu ruhig ist, als dass es noch schön sein könnte. Und womöglich sollte ich mich bald auf die Suche nach einer neuen Mitbewohnerin begeben. Mal abgesehen davon, dass ich die Miete nun allein bezahlen muss und meinen Eltern nicht noch mehr auf der Tasche liegen möchte. Natürlich sagen sie, dass das kein Problem ist. Und womöglich stimmt das auch. Sie tun es gern, sie unterstützen mich mit Freude. Davon werden meine Schuldgefühle jedoch nicht weniger und ich hoffe nur, mich eines Tages revanchieren zu können. Ein Auto — was sie mir vorletzte Woche angeboten haben — lasse ich mir aber nicht von ihnen bezahlen. Lieber fahre ich mit dem Bus, bis ich siebzig bin.

Ich knipse das Licht in der Küche an und gehe barfuß über den kalten Fliesenboden. Der Kühlschrank ist voller Fingerabdrücke, und ich erinnere mich daran, ihn putzen zu müssen. Ich öffne die silberne Tür und sehe fast leere, kleine Fächer.

Oh man, einkaufen müsste ich auch mal wieder.

Wie spät ist es eigentlich? Ein Blick auf die Küchenuhr verrät mir, dass es schon halb drei in der Nacht ist. Verdammt, ich bin um neun mit Hayden zum Co-Working verabredet. Manchmal verliere ich mich so sehr in meinen kreativen Phasen, dass ich völlig die Zeit und auch die Realität vergesse. Es kann mich pushen und dafür sorgen, dass ich meine Ziele erreiche. Gleichzeitig bleibt anderes dafür liegen. Ich sehe noch mal zum Kühlschrank und entdecke hinten in der letzten Ecke eine Pflaume. Ich nehme sie heraus und drehe sie einmal im Licht um. Nein, kein Schimmel. Wenigstens etwas. Ich schließe den Kühlschrank, spüle die Frucht kurz ab und gehe zurück in mein Zimmer.

Easton

Ein unerträgliches Klingeln weckt mich. Scheiße, was ist denn heute? Ich wollte doch bloß ein einziges Mal nach unserem großen Spiel gestern ausschlafen. Ich habe mal wieder auf dem Feld geglänzt und die Fallon Flaws an ihren Platz erinnert. Ich habe meine Arbeit getan, für ausreichend Stoff in der Studenten-Zeitung gesorgt und danach noch in einer Bar mit den Jungs gefeiert. Wieso darf ich jetzt nicht auch mal einen Augenblick ruhen? Ich wälze mich im Bett. Als es erneut klingelt, drücke ich mir mein Kissen auf das Gesicht. Nein, vergesst es. Ich schlafe jetzt. In ein paar Stunden bin ich wieder ansprechbar. Jetzt gerade ist mein Bett aber viel zu gemütlich, um es zu verlassen. Ich merke, wie mein Gesicht wieder weich, die Knochen ganz leicht werden. Ich will erneut in den Schlaf fallen, da höre ich plötzlich seine Stimme.

„Und es ist auch sicher okay für dich?“

Ich schlage die Augen auf. Diese Stimme würde mich vermutlich aus jedem Schlaf reißen. So tief, fest und friedlich er auch sein mag. Und schon ist es vorbei mit dem Frieden. Ich schmeiße das Kissen von meinem Gesicht, um aufmerksamer zuhören zu können. Es landet auf dem dunklen Boden.

„Klar. Du weißt doch nicht, wohin mit dir. Ich kläre das mit Easton ab, sobald er wach ist.“

Ein Stöhnen ertönt vor meiner Tür. „Du hast es ihm noch nicht gesagt?“

Krass. Da klingt ja fast Angst in seiner Stimme mit. Die kann er ruhig haben. Was haben sie mir nicht gesagt? Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit und ich fahre hoch. Die Decke stülpe ich mir von den Beinen und ich springe regelrecht aus meinem Bett. Sehe einmal an mir herab und fahre mir über die nackten Oberarme. Ich trage bloß eine lockere Schlafhose und schnappe mir aus meinem Regal ein Oberteil, um zumindest halbwegs ansehnlich auszusehen. Hastig ziehe ich es mir über den Kopf und mache schnelle Schritte.

„Er schläft noch. Wie hätte ich da …?“

Ich reiße meine Tür auf und sorge dafür, dass die beiden zusammenzucken. „Jetzt bin ich wach. Was gibt es?“ Meine Stimme klingt scharf.

Mein Mitbewohner Wren steht mit Sawyer in unserem Flur. Dieser hat einen dunklen Koffer bei sich und sofort durchdringt mich die Panik. Etwas stimmt hier nicht und das weiß ich ganz genau. Wren beißt sich auf die Unterlippe und sieht mich an. Irgendwie unsicher und schuldbewusst. Scheiße, was hat er getan?

„Hey, man. Gut geschlafen?“

Ich verdrehe die Augen. „Überspringen wir den Teil, in dem du dich bei mir einschleimst.“ Mein Tonfall klingt womöglich zu hart, doch ich muss wissen, was los ist. Keine Spielchen. Nur die Wahrheit.

Wren seufzt lautstark. „Sawyer zieht für eine Weile in Joes altes Zimmer.“

Mir fehlt jeglicher Atem. Ist das sein verdammter Ernst? Mein Gehirn ist leer. Ich kann nicht reflektieren. Ich kann nicht denken. Da ist nur ein einziger Satz. „Willst du mich komplett verarschen?“

Wren fährt sich durch das braune Haar. „Er hat keine Bleibe und Joe ist doch ohnehin seit ein paar Wochen weg. Wir haben ein Zimmer frei und …“

„Doch nicht für ihn!“

Sawyer hebt die Arme. „Ich stehe hier“, macht er auf sich aufmerksam.

Ich gebe einen abfälligen Laut von mir. „Oh, tut mir leid. Ich wusste nicht, dass wir wieder miteinander sprechen und so tun, als wärst du kein elender Wichser.“

Sawyer wirft mir einen erschöpften Blick zu. „Ich habe wirklich keine andere Möglichkeit. Ich weiß nicht, wohin ich sonst könnte.“

Ich fluche lautstark. „Weißt du, wie egal mir das ist? Schlaf meinetwegen im Büro unseres Coachs, aber nicht in meiner verdammten Wohnung.“

Wren stellt sich zwischen uns. „Es ist meine Wohnung. Ich bin der Hauptmieter. Und ich sage, dass er bleiben kann.“

Ich werfe meinem Freund einen verachtenden Blick zu. Er weiß, was Sawyer mir angetan hat. Was mein ehemals bester Freund verbrochen hat. Und warum ich nicht friedlich in einer Wohnung schlafen kann, in der Sawyer mir die Luft wegatmet. Er hat meine Verachtung verdient, das weiß jeder. Warum werde plötzlich ich wie der Böse dargestellt? Als würde ich gerade eine Szene machen.

„Easton, das ist doch jetzt alles eine Weile her. Vielleicht können wir …“, versucht Wren es erneut.

Doch ich habe langsam genug von ihm. Und von Sawyer. Von allem. „Macht doch, was ihr wollt. Ich werde aber sicher nicht mit ihm unter einem Dach leben.“

Wrens Mund öffnet sich und er sieht mich nachdenklich an. Er fragt sich, was das bedeutet. Und ja, das tue ich auch. Ich habe keine Ahnung, wo ich hinkönnte oder was meine nächsten Schritte sind. Doch eins ist klar: Ich werde nicht mit Sawyer in einer Wohnung leben. Schlimm genug, dass ich ihn beim Training ertragen muss und mir bei jedem Spiel erneut bewusst wird, wie sehr sich mein Leben seinetwegen verändert hat. Er hat es ruiniert. Und mich gleich mit.

Die Klingel ertönt und reißt uns alle aus unserer Starrrunde. Wren bewegt sich als Erster und macht ein paar Schritte zur Haustür. Er blickt einmal durch das Guckloch und greift sich stöhnend ins Gesicht. Nuschelt etwas wie „auch das noch“. Dann wendet er sich wieder uns zu. „Es ist Sarah.“

Dieser Name lässt alles in mir gefrieren und ich denke nicht mehr nach. Ich gehe zurück in mein Zimmer und ziehe eine große Sporttasche aus meinem Schrank. Dann stopfe ich meine Football-Ausrüstung und Klamotten hinein – jedenfalls so viel wie hineinpasst. Ich muss hier raus. Irgendwohin, wo Sawyer und Sarah nicht sind und ich nicht immer daran erinnert werde, was vorgefallen ist. Dass ich der abgefuckte Wichser bin. Dass ich niemals ein Happy End bekommen werde, während sie mir meins zerstört haben. Ich packe eine Tasche und tausche meine Schlafhose gegen eine Jogginghose. Dann schlüpfe ich in dunkle Turnschuhe und schiebe mich zurück in den Flur.

„Easton, was soll das?“, fragt Wren.

Neben ihm bemerke ich Sarahs fragenden Blick. Ihre grünen Augen mustern mich verwirrt. Womöglich auch ein wenig beschämt. Solche Gefühle kommen leider viel zu spät. Ich blicke an ihr vorbei und werfe Wren ein falsches Grinsen zu. „Ich finde schon etwas anderes. Mach dir keinen Kopf.“

Er ruft mir noch hinterher, doch ich stürme bereits aus der Haustür. Einfach weitergehen. Ganz egal, was passiert. Einen Schritt vor den anderen. Nicht zurücksehen. Bloß niemals zurückschauen. Jetzt muss ich erst mal meine Schwester finden.