Wie heißt du und was schreibst du?
Ich heiße Sophie König und schreibe Geschichten, in denen Spannung und Figurenentwicklung eng miteinander verbunden sind. Mein aktueller Roman Sturmwarnung spielt rund um die Besatzung des Forschungsschiffs Albatros, Meeresforschung und eine Bedrohung, die deutlich größer wird, als die Figuren zunächst ahnen.
Was macht dich und deine Bücher besonders?
Meine Geschichten leben für mich vor allem von ihren Figuren. Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten, deren Entscheidungen auch dann nachvollziehbar bleiben, wenn sie Fehler machen. Dazu kommen mein manchmal ziemlich trockener Humor, Freundschaft und zwischenmenschliche Beziehungen – und in Sturmwarnung meine Begeisterung für Naturwissenschaften und das Meer. Ich mag außerdem Subtext sehr gerne. Meine Figuren sagen nicht immer genau das, was sie denken oder fühlen – manchmal ist das Entscheidende gerade das, was nicht ausgesprochen wird. Viele von ihnen beobachten erst einmal, hören zu und behalten Gefühle zunächst für sich. Wer sie sind und was zwischen ihnen passiert, zeigt sich deshalb oft eher in kleinen Gesten, einem Nebensatz oder ihrem Handeln als in großen Erklärungen.
Kaffee oder Tee beim Schreiben – oder was ganz anderes?
Darf ich Kakao sagen? Am liebsten heiße Schokolade mit Sahne. Mittlerweile aber auch gerne Latte Macchiato. Und ganz ganz viel Wasser :-)
Wo und wie schreibst du am liebsten und hast du eine feste Routine oder einen Lieblingsort?
Einen festen Schreiballtag habe ich eigentlich nicht. Meistens schreibe ich abends am Laptop – am Schreibtisch oder auch mal mittags am Esstisch, während meine Kinder daneben Hausaufgaben machen und zwischendurch Hilfe brauchen. Ruhe brauche ich erstaunlicherweise nicht unbedingt. Was allerdings überhaupt nicht geht: wenn mir jemand beim Schreiben über die Schulter schaut. Dann ist schlagartig Schluss. Musik mag ich ebenfalls nicht, höchstens instrumental, am liebsten schreibe ich aber ohne.
Meine besten Ideen halten sich ohnehin nicht an Schreibzeiten. Plotprobleme lösen sich bevorzugt beim Ausreiten mitten im Wald, auf der Autobahn, beim Radfahren oder im Urlaub am Strand – also immer dann, wenn man gerade schlecht schreiben kann. Ich habe schon am Straßenrand angehalten, um schnell etwas zu notieren, und dem Pferd auf dem gesamten Rückweg eine Szene immer und immer wieder erzählt, damit ich sie bis zu Hause nicht vergesse.
Hast du ein Ritual oder „Schreibtick“?
Ich kann es überhaupt nicht ausstehen, wenn mir jemand beim Schreiben über die Schulter schaut. Dann geht schlagartig gar nichts mehr. Gleichzeitig sieht man mir offenbar ziemlich gut an, was ich gerade schreibe: Ich ziehe seltsame Grimassen, grinse vor mich hin oder fange bei emotionalen Szenen auch mal an zu weinen. Vermutlich ist Schreiben bei mir manchmal eine Art Ein-Personen-Theater – nur bitte ohne Publikum.
Du bekommst eine Woche Auszeit an einem Ort deiner Wahl: wohin geht’s?
Ans Meer. Eigentlich fast egal, an welches. Sehr gerne an die Nordsee, irgendwo an der Deutschen Bucht – oder, wenn es etwas wärmer sein darf, ans Mittelmeer: Elba, Korsika, die ligurische Küste oder die Costa Brava. Hauptsache Wasser in der Nähe und irgendwo die Möglichkeit, eine Maske aufzusetzen und schnorcheln zu gehen.