Interview Autorin Nina Lieverscheidt im Interview

Wie ist die Idee zu Sturm über der See entstanden und gab es einen „Aha“-Moment? 

Vor der Idee für Sturm über der See habe ich nie darüber nachgedacht, eine Kriminalreihe zu schreiben. Aber dann hatte ich plötzlich Pauls Gesicht vor Augen, und an etwas anderes war kaum noch zu denken. Ich glaube, der „Aha“-Moment kam dann, als ich die Handlung des Werkes im Ganzen vor mir hatte und dachte: „Hey, all diese Menschen will ich nie wieder gehenlassen.“ Im übertragenen Sinne, natürlich.

Wie viel von dir steckt in deinem Krimi oder deinen Figuren?

Paul, Kira und fast alle anderen Figuren vereinen unterschiedliche Merkmale von mir selbst. Irgendwie sind sie alle zusammen so etwas wie mein mosaikartiges Spiegelbild. Am nächsten ist mir aber die Figur des Journalisten, glaube ich, in dem ich mittlerweile lesen kann wie – hey, wie in einem Buch.

Gibt es ein Thema oder eine Botschaft, die dir besonders wichtig war?

Obwohl Paul so sehr an das Böse in der Welt glaubt, möchte ich nicht behaupten, dass das Leben so einfach ist, wie er es sich manchmal macht. Jemand, den wir für unsagbar böse halten – einen Mörder, zum Beispiel –, glaubt doch trotzdem, das Richtige zu tun. Wir setzen uns alle zusammen aus guten und bösen Seiten, aus fröhlichen und traurigen Erinnerungen, aus Aktion und Reaktion. Ich hoffe, dass in Sturm über der See niemand einfach nur „der Bösewicht“ ist.

Gibt es Figuren, die dich überrascht oder ihre eigene Richtung eingeschlagen haben?

Es liegt wohl in Pauls Charakter, dass er ziemlich eigensinnig ist. Manchmal sind ihm, fast ohne mein Zutun, ein paar Dialoge rausgerutscht, die mich auch selbst überrascht haben. Alle anderen Figuren hören natürlich nur auf mein Kommando. Meistens.

Welches kleine Detail oder Easter Egg im Buch würdest du gern hervorheben?

Die Rusalka-Legenden sind eng mit allen Figuren verwoben – allen voran natürlich mit Judith, aber jede Figur trägt einen Aspekt der slawischen Sagen in sich: Liebeskummer, Verrat, Intrigen, Einsamkeit, Mord und Vergeltung. Für eine Inselgemeinde, die zum größten Teil fest davon überzeugt ist, dass es die Rusalken nicht gibt, vereinen sie doch viele Eigenschaften dieser unheimlichen Wassergeister. Ist das schon jemandem aufgefallen?

Was hat dich ursprünglich zum Schreiben gebracht?

An den Auslöser für meine ersten Geschichten kann ich mich kaum erinnern, da war ich etwa sieben Jahre alt – aber sie stehen alle sorgfältig aufbewahrt in einem kleinen Notizbuch, das mit Bibi-Blocksberg-Stickern beklebt ist und lauter Pferdegeschichten enthält. Irgendetwas daran muss mich fasziniert haben, und das so sehr, dass ich einfach nicht mehr mit dem Schreiben aufgehört habe.

Was liest du privat am liebsten und was war dein letztes Highlight? 

Am liebsten lese ich in den Genres, in denen ich auch schreibe – also düstere Krimis, blutige Thriller, tragische Dramen und angsteinflößende Horrorgeschichten. Unter meinen Favoriten sind die Werke von Linda Castillo und Sebastian Fitzek, aktuell auch So dunkel der Wald von Michaela Kastel.