Interview Autorin Ingrid Reidel im Interview

Wie heißt du und was schreibst du?

Ich heiße Ingrid Reidel und schreibe vor allem lustige und skurrile Krimis, dazu Psychothriller und Liebesgeschichten, also im Grunde alles, was Menschen nervös, neugierig oder selig macht. Meine Bücher sind für alle, die abtrünnige Figuren lieben: solche Leute, die ein bisschen aus der Reihe tanzen, aber dafür umso interessanter sind. Im Moment arbeite ich an einer Küstenkrimi-Reihe auf Usedom. Da weht nicht nur die Ostseebrise, sondern auch so mancher Verdacht ordentlich um die Ohren.

 

Was liest du privat am liebsten und was war dein letztes Highlight?

Am liebsten lese ich skurrile Krimis, Geschichten mit ungewöhnlichen Figuren, schrägem Humor und überraschenden Wendungen. Besonders mag ich Krimis, in denen der Mord eigentlich völlig überflüssig gewesen wäre, etwa weil alles auf einer Verwechslung oder einer Verkettung unglücklicher Umstände beruht. Solche Geschichten verbinden Spannung mit einem Augenzwinkern und zeigen, wie absurd das Leben manchmal sein kann.

Besonders gern habe ich „Puppenmord“ von Tom Sharpe, John Kennedy Tooles „Die Verschwörung der Idioten“ und „Irischer Lebenslauf“ von Flann O’Brien und Harry Rowohlt gelesen. Alle drei Bücher haben genau diese Mischung aus Krimi, Humor und skurrilen Charakteren, die mich begeistert und die mich auch beim Schreiben meiner eigenen Geschichten inspiriert.

 

Bist du Schnellschreiber oder Feinschleifer mit Geduld?

Ich bin beides: Der erste Entwurf kommt flott aufs Papier. Danach beginnt die Feinarbeit, und die ist gründlich, geduldig und manchmal gnadenlos. Da wird so lange geschraubt, bis jeder Satz sitzt wie ein gutes altes Küchenmesser in einem Krimi.

 

Was macht dich und deine Bücher besonders?

Ich mag abgefahrene Figuren, die erst mal ganz normal aussehen, also wie du und ich, und erst später merkt man: Hoppla, da stimmt etwas nicht ganz. Genau das liebe ich auch in meinen Büchern: Menschen mit Ecken, Kanten und kleinen Abgründen. Und wenn dabei noch Humor, Tempo und ein bisschen böser Witz mitlaufen, umso besser.

 

Was hat dich ursprünglich zum Schreiben gebracht?

2012 habe ich im Haus meiner Großmutter eine Urne gefunden. Das war so ein Moment, in dem man denkt: Aha. Hier wohnt also Stoff. Danach war klar: Aus dieser Mischung aus Familiengeschichte, Rätsel und leichtem Schauer muss ich etwas machen. Und offenbar war das der Startschuss für meine Krimi-Laufbahn.

 

Wie kommst du auf die Ideen für deine Romane?

Ideen finde ich überall dort, wo das Leben ein bisschen schräg wird: in Begegnungen, in Beobachtungen, in Familiengeschichten und manchmal auch in sehr stillen Momenten, in denen plötzlich eine Figur anfängt, sich selbstständig zu machen.

Für heitere Krimis überlege ich oft in meiner Badewanne auf der Terrasse. Für Psychothriller bekomme ich die besten Einfälle beim Zahnarzt. Wenn es so richtig wehtut, wird die Fantasie erstaunlich wach. Offensichtlich braucht mein Gehirn entweder kaltes Wasser oder klare Schmerzen, um kreativ zu werden.

 

Welche Hobbys hast du außerhalb des Schreibens?

Ich esse gern und gehe gern in Gasthäuser der Region, also praktisch: Ich betreibe kulinarische Feldforschung. Außerdem lebe ich in einem alten Anwesen in Weinheim, wo ich eine Krimischeune eingerichtet habe. Das ist der perfekte Ort für Mord, Mettbrötchen und Manuskripte.

 

Hast du eine kurze Nachricht oder ein paar Worte für deine Leser?

Liebe Leserinnen und Leser, danke, dass Sie sich auf meine schrägen, spannenden und manchmal ziemlich verwegenen Geschichten einlassen. Ich verspreche: Es wird unterhaltsam, ein bisschen gemein, manchmal herzlich und nie langweilig. Und falls Ihnen beim Lesen plötzlich jemand verdächtig vorkommt: Vertrauen Sie Ihrem Instinkt. Oder dem Meerkater; der kommt im Usedomkrimi vor. Man weiß ja nie.