Interview Autorin Eva Geßner über ihren Thriller Verlorene Seelen

Worum geht es in deinem Buch Verlorene Seelen?

Es geht um eine der vulnerabelsten Gruppen, die es in unserer Gesellschaft gibt: Um obdachlose Frauen. Ich versuche darzustellen, wie ihre Lebenssituation auf der Straße ist, wie sie ihren Alltag meistern, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. 
Vor allem sind sie nahezu unsichtbar und schutzlos, was sie zu leichten Opfern macht.
Und da ich Thriller Autorin bin hab ich natürlich einen psychopatischen Killer erfunden, der genau diese Schwachstelle für sich ausnutzt.

Ich liebe den Teaser Text, der sagt doch alles:
Niemand, der ihnen hilft. Und ein Monster auf der Jagd.

 

Wie war es für dich, den zweiten Teil der Reihe  zu verfassen?

Es hat Spaß gemacht, die Backgroundgeschichte rund um Franziska Frey und ihr Team weiterzuentwickeln. Allerdings ist es auch komplexer als ich dachte. Ich musste mich in Band 1 Seelenkalt noch mal bemühen, um keinen Quatsch zu erzählen. Wäre ja blöd, wenn ich in Band 1 behaupte, dass Franziska einen Bruder hat, und in Band 2 ist er dann eine Schwester :)

 

Wie hast du für diesen Thriller recherchiert? 

Ich recherchiere zuerst immer über das Internet und erstelle eine Art Bibliographie. So verschaffe ich mir einen Überblick über die Literatur und andere Informationsquellen. Und dann lese ich: Webseiten, Blogs, Bücher, Zeitungsartikel. Diesmal war viel Videomaterial dabei.
Ich habe aber auch Gespräche mit Sozialarbeitern geführt, die mit dem Thema Obdachlosigkeit vertraut sind. Und ich war bei einer Lesung von Linda Rennings, die über ihre Zeit auf der Straße ein Buch geschrieben hat. 

 

Deine Bücher sind nervenaufreibend, wie schaffst du diese angespannte Atmosphäre? 

Konzentration und absolute Stille.
Wenn ich schreibe, muss es um mich herum still sein. Ich könnte niemals in einem Café oder so sitzen. Das würde mich zu sehr ablenken. 
Dann versuche ich, mich in die jeweilige Szenerie hineinzuversetzen, also in eine Höhle, ein Zimmer, ein Auto und dann in die Figuren, die an der Szene beteiligt sind. Manchmal gelingt das so gut, dass ich selbst nervös und ängstlich werde beim Schreiben. 
Wenn in so einer Situation jemand ins Zimmer kommt, erschrecke ich mich auch schon mal.

 

Wie kamst du zu diesem tragischen Thema?

Ich muss unbedingt anfangen, mir aufzuschreiben, wann und wie ich mich für ein Thema entschieden habe. Die Frage kommt immer und ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht mehr genau. Ich glaube, es war ein Artikel in der ZEIT.
Meistens gibt es allerdings kein singuläres Ereignis. Man hört von einem Thema hier, liest etwas darüber dort und irgendwann formt sich eine Idee im Kopf. So war es auch diesmal. Irgendwann dachte ich: Obdachlose Frauen? Sieht man kaum. Wieso ist das so?
Und dann habe ich angefangen zu googlen.

 

Welche Emotion ist dir beim Lesen eines Thrillers am wichtigsten?

Spannung! Beklemmung! Wissen wollen, wie es weitergeht.

 

Hörst du beim Schreiben deiner Romane Musik? Welche Songs haben dich dieses mal begleitet?

Wie gesagt :) auf keinen Fall Musik. 
Aber was mich witzigerweise begleitet sind Kochrezepte. Ist mir letztens mal aufgefallen, dass in der Reihe um Franziska Frey viel und lecker gekocht wird. Vielleicht erstelle ich mal ein Kochbuch :)

 

Was liest du selbst gerne momentan?

Ich lese gerade „Bright young women” von Jessica Knoll. Ein sehr geschickt konstruierter und sehr spannender Roman über Ted Bundy. Psychologisch sehr scharfsinnig erzählt die Autorin die Geschichte dieses Serienmörders aus einer vollkommen anderen Perspektive: Die der Opfer.

 

Danach wartet die neue Thriller-Reihe von Marc Raabe schon im Regal. Der Morgen – Die Dämmerung – Die Nacht.

Ich lese aber auch sehr gerne Romane von Autorinnen. 
Meine kleine feine Buch-Bubble bei Instagram ist dafür eine wahre Schatztruhe. 
Allein in den letzten drei Monaten hat sich ein digitaler Stapel von mindestens 20 Büchern gebildet, die alle auf meiner Liste stehen. Franziska Gansler, Eva Lohmann, Maud Ventura, Leonie Schöler, Han Kang natürlich und noch so viele andere.

Ich freue mich auf 2025.