Worum geht es in deinem Buch Vier Damen und ein Todesfall?
Dadurch, dass zwei der Protagonistinnen anschließend an ihr Arbeitsleben in das Dorf ihrer Kindheit zurückkehren, finden sich alle vier Damen mit der Vergangenheit und ihrem früheren Selbst konfrontiert. Dazu kommt ein ganz aktueller Todesfall, der sie persönlich betrifft. Es wird schnell klar: Ein Mörder muss gefunden werden.
Gemeinsam erforschen sie auch die düsteren Ecken des scheinbar so idyllischen Murdock-on-Marsh und stoßen dabei auf genügend Geheimnisse.
Was die Damen dabei so besonders macht, ist die unverblümte Authentizität, mit der sie ihr Leben bestreiten. Jede ist so ganz sie selbst und wird von den anderen auch so angenommen. Ist das vielleicht der Schlüssel zu ihrer Freundschaft?
Was hat dich dazu inspiriert, den Cosy Crime zu schreiben?
Einen Cosy Crime zu schreiben war mein Traum, seit ich mich vor vielen Jahren in ‚Agatha Raisin‘ und die Cotswolds verliebt habe. Ich betrachte es absolut als schriftstellerische Herausforderung und musste mich erst noch durch einige andere Romane schreiben, bevor ich mich an das Genre gewagt habe.
Welche Figur kam dir als Erstes in den Sinn – oder entwickelten sich alle vier gleichzeitig?
Die vier Damen standen eines Tages beim Aufwachen geschlossen vor meiner Gedanken-Tür, begehrten Einlass und machten es sich in meinem Leben gemütlich. Seitdem habe ich mich keine Sekunde mehr gelangweilt.
Die Protagonistinnen haben sehr unterschiedliche Hintergründe – von der Ex-Queen-Pressechefin bis zur Esoterikladenbesitzerin. Welche Figur macht dir beim Schreiben am meisten Spaß und warum? Hast du einen Licblingscharakter?
Das habe ich mich während des Schreibens selbst öfters gefragt, wer denn nun mein Liebling ist. Nach einigem Grübeln musste ich entdecken: Immer die, über die ich gerade schreibe, oder besser, aus der heraus ich gerade schreibe. Zwischendurch habe ich nämlich das sichere Gefühl, die Damen schreiben sich ihre Dialoge selbst, da habe ich gar nicht viel Mitspracherecht.
Murdock-on-Marsh ist idyllisch und zugleich voller Geheimnisse. Was macht für dich den Reiz britischer Dörfer als Krimischauplatz aus?
Der Zauber der Orte im UK fängt, glaube ich, mit seiner reichen historischen Vergangenheit an, die überall noch so spürbar ist und die gerade mal hinter der nächsten Ecke zu warten scheint. Wen würde es wundern, dort den Tross Heinrich VIII. vorbeiziehen zu sehen? Also mich nicht! Dazu die freundliche Exzentrik der Briten und eine Landschaft, die sich so gerne in Regen und Nebel hüllt … Was will ein Krimiautor mehr?
Die vier Protagonistinnen sind Frauen im siebten Lebensjahrzehnt, die aktiv, scharfsinnig und mutig sind. Wolltest du damit auch ein bestimmtes Bild vom Älterwerden transportieren?
Meine Freundinnen dieses Alters sind aktiv, scharfsinnig und mutig. Sie haben alle schon viel Leben hinter sich, hatten Karrieren, Kinder, Lieben, mussten mit Verlusten zurechtkommen, zwischendurch ihre Träume und Vorstellungen geraderücken, sind oft genug gestolpert und wieder aufgestanden. Sie sind hineingeboren in eine Zeit der vielen Möglichkeiten, sind für Demokratie und Frauenrechte auf die Straße gegangen, haben mit der Pille die Möglichkeit sexueller Freiheit erlebt, haben auf Rockkonzerten getanzt, sind mit indischen Sandalen zur Selbsterfahrung aufgebrochen, haben die ersten Techno-Clubs belebt und können dabei alle Walzer tanzen. Kurz gesagt: Genau wie unsere Damen des Old Girls’ Mordclub sind sie mit allen Wassern gewaschen und in der Gruppe unschlagbar.
Was würdest du selbst am liebsten mit den vier Damen des Mordkränzchens unternehmen, wenn du einen Nachmittag mit ihnen verbringen könntest?
Wenn ich über Martha, Chloe, Penny und Robin schreibe, dann fühlt es sich sehr real an, mit ihnen durch die Gassen Murdocks zu schlendern, auf ein Glas Prosecco bei Maisy’s zu sitzen und zu Befragungen nach Greenton aufzubrechen. Insofern verbringe ich viele Nachmittage mit ihnen und egal, was sie tun, es macht großen Spaß, dabei zu sein.
Was war beim Schreiben des Cosy Crimes die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung war es, eine Leiche zu finden. Keiner meiner Charaktere schien willig, sich umbringen zu lassen, bzw. ich wollte keinen von ihnen wieder hergeben. Am liebsten hätte ich ja eine unbedeutende und mäßig sympathische Figur geopfert, was spannungstechnisch wenig Sinn ergeben hätte und so fiel die Wahl dann schweren Herzens auf den Besagten.
Du bist schon ganz schön auf der Welt herumgekommen. Welche Reise war bisher die schönste? Und wo geht es als nächstes hin?
Das ist sehr schwer zu beantworten, nachdem die Welt voller faszinierender Orte ist. Die schönsten Reisen sind wohl immer die aktuellen, und die mit lieber Begleitung. Seit einigen Jahren begleitet mich nun auch mein lieber Hund, dadurch liegen die Destinationen vor allem in der Nähe, im nördlichen Italien. Meine nächste Reise geht aber hoffentlich in die Cotswolds. Nachdem ich gerade so viel geistige Zeit in Murdock-on-Marsh verbracht habe, reizt es mich unwiderstehlich, meine Tasche zu packen und dorthin aufzubrechen. Bestimmt halte ich dort unbewusst an allen Ecken Ausschau nach den vier Damen des Mordclubs, nach Maisy’s Cafe und The Hangman. Mal sehen, ob ich sie entdecke!
Was liest du selbst gerne? Hast du eine Empfehlung für uns?
Auf er Suche nach dem korrekten Zitat für die ‚Vier Damen und ein Todesfall‘ habe ich wieder einmal meine Shakespeare-Ausgaben durchgeblättert und mir anschließend die deutliche Empfehlung gegeben: Lies Shakespeare! Alles!
Was für eine Kunst, mit wenigen Worten Stimmungen und menschliche Abgründe auszudrücken. Allerdings erlebe ich Theaterstücke lieber auf der Bühne und bin damit wahrscheinlich nicht alleine. Also wird meine Empfehlung eine andere, nämlich Alan Bradleys Geschichten um Flavia de Luce, eine kleine Heldin, die ich einfach hinreißend finde. Eine weitere Empfehlung ist die dp-Autorin Elisabeth Marienhagen, die nicht nur supersympathisch ist, sondern dazu wunderbar schreibt. Auch Cosy Crime. =)